Aarau
Wütende Bauern statt Hooligans: Schon früher wurden Spiele abgebrochen

Als der Fussballklub Buchs 1914 gegründet wurde, gab es noch keine Hooligans. Dafür erzwangen erboste Bauern einen Spielabbruch, indem sie die Torstangen und Eckfahnen entfernten.

Josua Bieler
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Die erste Mannschaft des FC Buchs im Jahr 1917.

Die erste Mannschaft des FC Buchs im Jahr 1917.

Archiv FC Buchs

Sämi Vogel hätte gerne neue Fussballschuhe. Doch davon kann er nur träumen, niemals könnte er sich solche leisten. Also gräbt er die alten Fussballschuhe seines Vaters hervor – doch diese sind ihm viel zu gross. Es braucht schon zwei Paar Wollsocken, damit die Schuhe an den Füssen halten. Bloss sind sie so alt, dass nach einigen Monaten die Nähte platzen. Wehmütig schreibt Sämi Vogel am 26. November 1941 dem Vereinsvorstand: «Ich muss Ihnen den Austritt aus dem Verein mitteilen. Grund: Meine Fussballschuhe sind so kaputt, dass ich damit kein Spiel mehr bestreiten kann.»

Das war vor 73 Jahren – als die Junioren 50 Cent zahlten, um im Fussballverein zu spielen, der Eintritt zu den Spielen 20 Rappen kostete und undisziplinierte Spieler den Schiedsrichter bei einem Penaltypfiff noch «Löffel» nannten. Der FC Buchs befand sich in der Krise, der Zweite Weltkrieg hinterliess auch bei den Schweizer Fussballklubs Spuren. Das Geld des Klubs reichte gerade noch für neue Leibchen, den Rest mussten die Spieler selber kaufen.

Es sind enorme Gegensätze zum heutigen Fussball, die das Buch «100 Jahre FC Buchs», das diese Woche zum Jubiläumsfest erscheint, aufzeigt. «Das Buch ruft die Geschichte des FC Buchs nochmals in Erinnerung», sagt der Verfasser Hugo Wasser. Dazu hat er im Archiv gestöbert und bei Ehemaligen Informationen und Bilder gesammelt. «Es dauerte im Extremfall fast eine Woche, bis ich eine bestimmte Jahreszahl fand», so der Buchser.

«Heuet» auf dem Fussballplatz

Seit 1928 kickt der FC Buchs auf dem Sportplatz Wynenfeld. Ein fixer Fussballplatz war nach der Gründung 1914 nicht selbstverständlich. Man war auf den guten Willen des Landwirts angewiesen. Zum Teil mussten die Spieler dem Bauern bei der Arbeit helfen, bevor sie den Platz benützen durften. Einige Landbesitzer hatten überhaupt kein Verständnis für die Fussballer und brachen das Spiel ab, indem sie die Torstangen und Eckfahnen entfernten.

Erst vierzehn Jahre nach der Gründung konnte der Klub das Areal Wynenfeld pachten. Das Ackerland wurde zu einem Fussballfeld umgepflügt und nebenan ein Umkleidehaus gebaut. Die Fussballspieler legten gleich selbst Hand an und verzichteten mehrere Monate auf Fussball. Die Umgestaltung eines Ackerfelds zu einem Fussballplatz bereitete aber Schwierigkeiten, wie ein Protokollauszug aus dem Jahr 1930 beweist: «E. Lienhard weist darauf hin, dass das Spielfeld von Mäusen arg zugerichtet werde, und verlangt, dass ein Mauser angestellt werde.» Während des Zweiten Weltkriegs fiel das Wynenfeld gar der «Anbauschlacht» zum Opfer. Immerhin musste das Terrain nicht umgepflügt werden, sondern diente lediglich der Graswirtschaft. Auf dem Sportplatz Wynenfeld war für mehrere Jahre «Heuen» angesagt.

Das Wynenfeld galt zu dieser Zeit als sehr moderne Sportanlage. Die grossen Ausgaben spürte der Klub aber noch lange. So schreibt der Klub 1947 in einem Brief an die Ehemaligen: «Unser Verein steht in einer finanziellen und spielerischen Misère. Noch ist die Schuld, welche vor 20 Jahren für das Umkleidehaus und die Platzanlage aufgenommen werden musste, nicht getilgt.»

Heute plagen den Klub keine Schulden mehr. Und vor wütenden Bauern und lästigen Mäusen müssen sich die Spieler auch nicht mehr fürchten.