Sie hat im Aussehen und im Auftreten Züge der aktuellen FDP-Überfrau Petra Gössi (43). Sie ist – auch in ihrer politischen Karriere – ein Glückskind. Im Sport würde man sagen, sie hat einen Lauf. Und dieser Lauf dürfte sie, da sind sich viele Polit-Beobachter einig, am 20. Oktober nach Bern führen.

Jedenfalls hat sie intakte Chancen für den Sprung vom Grossen Rat in den Nationalrat. Selbstverständlich gehört neben etwas Glück auch viel Arbeit dazu. Die ist Maja Riniker (41) bereit zu leisten. Auch dort, wo es nicht so spektakulär ist. Die FDP-Frau sagt: «Ich bin gerne im Parlament. Die vertiefte Arbeit an einem Thema in der Kommission macht mir am meisten Freude.»

Die «Biene Maja» ist eine Musteraargauerin

Auf dem Mini-Prospekt steht «Abflug nach Bern!». Maja Riniker gibt die «Biene Maja». Als Werbegeschenk verteilt sie Gläschen mit Honig. Abgefüllt von der Hero. Lenzburg spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Sie ist, was die Heimatorte anbetrifft, eine Musteraargauerin: Bürgerin in Lenzburg, Habsburg und Villigen.

In Lenzburg ist sie aufgewachsen. Ihr Vater ist der Architekt und Alt-Einwohnerrat Ruedi Baumann. Der Verfasser des 2018 erschienenen Buches «Panzerblut in meinen Adern». Sie erinnert sich gut, wie der Papa am Ende seiner Zeit als Kommandant eines Panzerbataillons verabschiedet wurde, wie Panzer durch den Steinbrüchliweg ratterten. Und sie sagt: «Ich bin überzeugt: Unsere Armee muss gestärkt werden.» Die Beschaffung von neuen Kampfflugzeugen ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Die Sicherheitspolitik ist ohnehin eines ihrer ganz grossen Themen. Maja Riniker ist seit drei Jahren Präsidentin der Kommission für Öffentliche Sicherheit (SIK) des Grossen Rates. Andere müssen sich länger gedulden, bis sie ein solches Amt bekommen – sie gehört dem Kantonsparlament erst seit fünf Jahren an. Sie sagt, es gefalle ihr, zu führen: «Ich sitze gerne oben am Tisch.»

Politische Karriere begann in der Schulpflege

Maja Riniker wurde als 27-Jährige in die Schulpflege Suhr gewählt. Dort blieb sie acht Jahre – bis das erste ihrer drei Kinder (heute 12, 10 und 8) eingeschult wurde. Sie hat sich zum Prinzip gemacht, in der kommunalen Politik keine Funktion zu übernehmen, solange ihre Kinder zur Schule gehen. Deshalb war auch das 2017 freigewordene Gemeindepräsidium für sie kein Thema – obwohl die Freisinnigen sie beknieten.

Maja Riniker engagiert sich in Suhr aber in einzelnen Sachfragen. Aktuell vor allem für den Bau der Umfahrung, 2018 zusätzlich gegen die Schaffung von rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung von Parkgebühren beim Pfister Center. Dass sie 2014 in den Grossen Rat nachrutschen konnte, verdankt sie dem vorzeitigen Rücktritt von Beat Rüetschi, auch einem Suhrer. Sollte sie 2019 in den Nationalrat gewählt werden, würde das insofern Sinn machen, als sich ihre potenzielle Vorgängerin Corina Eichenberger auch als Sicherheitspolitikerin profiliert hat.

Ein «Tagesmami» sorgt für Entlastung zu Hause

Maja Riniker könnte sich vorstellen, in Bern zudem in der Gesundheitspolitik aktiv zu werden. Ein Bereich, den sie im Aargau bisher nicht speziell bearbeitet hat, weil sie nicht mit der Tätigkeit ihres Mannes, dem Magen-Darm-Spezialisten und AZ-Kolumnisten Florian Riniker, in Konflikt kommen wollte. Er betreibt in Aarau eine Praxis mit aktuell drei, bald vier Ärzten. Maja Riniker ist dort im administrativen Bereich tätig. Sie ist Betriebsökonomin FH und gehört dem Verwaltungsrat der Clientis Bank Aareland AG an.

Eine wichtige Rolle in der politischen Karriere von Maja Riniker spielt die FDP Frauen. Sie ist dort seit zehn Jahren Co-Präsidentin der Aarauer Sektion. Bei ihrer ersten Nationalratskandidatur 2011 hatte sie den Listenplatz der Frauen. 2015 machte sie den grossen Sprung nach vorne – jetzt auf einem der beiden Plätze des Bezirks Aarau. Sie wurde 2. Ersatz. Der 1. Ersatz, der Aarauer Chefarzt Ulrich Bürgi, tritt in diesem Herbst nicht mehr an.

Maja Riniker führt den Wahlkampf teilweise zusammen mit Adrian Schoop, dem 34-jährigen Gemeindeammann und Grossrat von Turgi. Sie selber hat 200 Plakate aufgestellt. Alle auf dem Boden, keine an Kandelabern («Ich will nicht von oben herabschauen»). Und sie beteiligt sich am «Tür zu Tür»-Wahlkampf der FDP. «Das macht Spass. Ich freue mich darauf, wieder zu gehen.»

1995 die erste Rede im Nationalratssaal gehalten

Eine Familie mit drei Kindern, zwei berufstätige Eltern und noch eine zeitaufwendige Politkarriere: Wie schaffen Rinikers das alles? «Nach der dritten Geburt haben wir auf das ‹Tagesmami›-Modell gewechselt», erklärt Maja Riniker. Will heissen: Die Familie hat eine Nanny mit einem 55-Prozent-Pensum.

Das «Tagesmami» würde häufiger kommen, falls es mit dem Sprung nach Bern klappt. Für Maja Riniker wäre der Einzug in den Nationalrat eine Art Comeback: «Ich habe schon einmal im Parlamentssaal eine Rede gehalten.» 1995 während der Jugendsession. Als Vertreterin der Pfadi – unter dem Namen «Wuschel».