Bezirksgericht Aarau

Wüster Facebook-Kommentar zu Tierheim – Aargauerin kassiert Anzeige wegen übler Nachrede

Katze in einem Gehege eines Tierheims. (Archivbild)

Katze in einem Gehege eines Tierheims. (Archivbild)

Ein wüster Facebook-Eintrag zu einem Tierheim brachte eine junge Frau in die Bredouille. Am Schluss gab es einen überraschenden Profiteur des Strafverfahrens.

Bei einer Gerichtsverhandlung gibt es meist einen Sieger und einen Verlierer, und beide sind in der Regel direkt ins Verfahren involviert. Doch diese Woche endete ein Termin vor Bezirksgericht Aarau mit einem Sieger, der unverhofft zu einem Geldsegen kam.

Beschuldigt war Alessandra (alle Namen geändert), etwas über 30 Jahre alt und im Bezirk Aarau wohnhaft. Die zierliche, mädchenhafte Frau wirkt freundlich, sie schreckt aber nicht vor deutlichen Worten zurück. Auf ihrer Facebook-Seite hat sie ein Bild mit Text geteilt: «Ich kann den Leuten einfach nicht in den Arsch kriechen, mein Dickschädel passt da nicht rein.» Es war denn auch ein Facebook-Kommentar auf der Seite eines Tierheims in der Nordwestschweiz, der Alessandra zum Verhängnis wurde.

Aus irgendeinem Grund war Alessandras sechsjährige Katze während einiger Zeit in besagtem Tierheim. Dort sei ihre Katze, schreibt Alessandra auf Facebook, zusammen mit jungen Katzen gehalten worden und habe dadurch einen Milbenbefall der Ohren erlitten. Dieser sei so gravierend gewesen, dass ihre Katze Gleichgewichtsstörungen entwickelt habe. Auf Schweizerdeutsch schrieb die Beschuldigte weiter, sie sei der Meinung, das Heim müsse geschlossen werden. Zugleich zweifelte sie die Kompetenz der Heimbesitzerin an und unterstellte ihr ein Alkoholproblem.

Offenbar entbrannte daraufhin in den Kommentarspalten ein mehrmonatiger Streit. Denn rund ein halbes Jahr nach dem ersten Kommentar schrieb Alexandra abermals, sie wisse von weiteren Tierbesitzern, die gegen die Tierheimbesitzerin vor Gericht gegangen seien, weil ihre Tiere nach einem Aufenthalt im Heim schwer krank gewesen seien.

Anzeige wegen übler Nachrede

Die Heimbesitzerin zeigte Alessandra wegen mehrfacher übler Nachrede an. Die Staatsanwaltschaft stellte einen Strafbefehl aus – Alessandra wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 60 Franken und zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Dazu kommen die Kosten von 700 Franken für den Strafbefehl. Alessandra akzeptierte den Strafbefehl nicht. So kam es, dass sie kürzlich vor Gerichtspräsidentin Bettina Keller sass. Alessandra hatte, eher unüblich für eine Gerichtsverhandlung, einen grossen Becher Starbucks-Kaffee dabei.

Vergleichsgespräch

Sehr lange dauerte die auf anderthalb Stunden angesetzte Verhandlung nicht: Kaum hatten alle Platz genommen, wurden die Zuschauer auch schon wieder hinauskomplimentiert. Gerichtspräsidentin Bettina Keller wollte – auch das ist bei einem Strafverfahren eher unüblich – zuerst ein Vergleichsgespräch durchführen. Dieses war tatsächlich erfolgreich: Nach kurzer Verhandlungszeit konnte Keller den Anwesenden mitteilen, dass die Tierheimchefin ihre Anzeige gegen Alessandra zurückgezogen hatte, die Verhandlung also abgebrochen werden konnte.

Der Deal: Alessandra hatte sich bereit erklärt, der Stiftung «Tier im Recht» einen Spendenbetrag von 200 Franken zukommen zu lassen. «Dem Frieden zuliebe», wie ihr Anwalt betonte, nicht etwa im Sinne eines Schuldeingeständnisses. Alle Beteiligten seien der Meinung, dass so der Sache am besten gedient sei.

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