Zukunftsraum Aarau

«Wollen eine schöne Braut werden»: Kurz vor der möglichen Fusion geht Densbüren die Dorf-Entwicklung an

Bevor es zu einer möglichen Fusion im Zukunftsraum Aarau kommt, geht Densbüren die Arbeit an einer neuen Bau- und Nutzungsordnung an. Begleitet wird das Projekt vom Büro Ackermann+Wernli. Ein zentraler Punkt in der neuen BNO ist der Umgang mit dem Bauland.

Die Densbürer haben diesen Monat viel zu tun: Am 16. stimmen sie über die Ausarbeitung eines Fusionsvertrags im «Zukunftsraum Aarau» ab. Ein wegweisender Entscheid. Bereits morgen Mittwoch lädt die Gemeinde zu einem fast ebenso wichtigen Termin: die Informationsveranstaltung zum neuen «Räumlichen Entwicklungsleitbild». Das ist eine Vorstufe zur grossen Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO), die die Weichen stellt für die Entwicklung der Dorfteile Densbüren und Asp.

Man kann sich nun wundern über den Zeitpunkt: Wenn das Stimmvolk am 16. September Ja sagt, ist eine Fusion im Zukunftsraum Aarau spätestens per 2026 möglich. Wieso revidiert das Dorf jetzt noch rasch seine BNO? «Wir wollen eine schöne Braut werden», scherzt der fürs Bau-­Ressort zuständige Gemeinderat Martin Müller. Er ist Präsident der Begleitkommission für die neue Nutzungsplanung und betont: «Die jetzt gültige BNO ist über 25 Jahre alt. Wir können nicht länger warten.»

«Die Landschaft ist ein Bijou»

Begleitet wird das Projekt vom Büro Ackermann+Wernli. Was ist Raumplaner Georg Müller aufgefallen, als er zum ersten Mal nach Densbüren kam? «Der intakte Dorfkern beider Dorfteile», sagt Georg Müller. «Vom Hang aus sieht man eine schöne, einheitliche Dachlandschaft. Viele Liegenschaften und Vorgärten sind sehr gepflegt. Besonders ist auch die Lage der Kirche und natürlich die Landschaft des Juraparks – ein Bijou.» Grosse, offensichtliche raumplanerische Probleme, wie sie einem in anderen Gemeinden gleich ins Auge springen, habe Densbüren nicht.

Die Planer und die Begleitkommission haben sich schon viele Gedanken gemacht, wohin die Reise gehen soll. Ein Entwurf des Räumlichen Entwicklungskonzepts besteht. «Es ist aber noch alles offen – wir möchten die Bevölkerung einbeziehen, bevor etwas entschieden wird», so Martin Müller. Die wichtigen Punkte und Leitlinien sollen diskutiert werden», sagt Georg Müller.

«Welche Bedürfnisse bestehen bezüglich Wohnangebot? Oder bezüglich der öffentlichen Räume? Welche Freizeitanlagen werden genutzt, welche fehlen? Wie gut ist die Versorgung mit Alltäglichem? Wo braucht es bessere Parkierlösungen?»

«Wir sehen kaum Möglichkeiten zum Auszonen»

Ein zentraler Punkt in der neuen BNO muss der Umgang mit dem Bauland sein. Densbüren verfügt über rund vier Hektaren unüberbaute Wohn- und Mischzonen, grösstenteils bereits erschlossen. Gemäss kantonalem Richtplan bestünde – theoretisch – Platz für rund 240 zusätzliche Einwohner. Der Kanton rechnet hingegen damit, dass es bis 2040 nur ungefähr 50 mehr sein werden (Stand Ende 2019: 728 Einwohner).

Im Rahmen der BNO muss Densbüren auch Auszonungen prüfen, so will es der Richtplan. Stand jetzt «sehen wir kaum Möglichkeiten», sagt Martin Müller. Sein Namensvetter erklärt: «Prädestiniert wären unerschlossene Baugebiete am Siedlungsrand, aber solche hat Densbüren nicht.»

Verdichten ist insofern ein Thema, als dass die Einwohnerdichte in Densbüren mit 25 bis 27 Einwohner/ha deutlich tiefer ist, als die 40 bis 50, die der Kanton gerne sähe. Der Planer relativiert jedoch: «Der statistische Wert des Kantons berücksichtigt die örtlichen Begebenheiten wie steiles oder kupiertes Gelände nicht. So muss man gerade an stark exponierten Hanglagen, wie sie in Densbüren oft vorkommen, sehr gut abwägen, wie man verdichten will.» Umso mehr müsse sichergestellt werden, dass an geeigneten Orten eine angemessene Dichte erreicht werden kann.

Densbüren hat heute im kantonalen Vergleich eher wenige Einwohner im Alter von 21 bis 45 Jahren. «Die Jungen ziehen von zu Hause weg, kehren aber zurück, wenn sie Familien gründen», konstatiert der Gemeinderat. Der Kanton rechnet damit, dass sich in den nächsten zehn Jahren vor allem der Anteil der über 65-Jährigen verdoppelt. Das muss die Gemeinde bei ihrer Planung berücksichtigen.

Es braucht barrierefreie, kleine Wohneinheiten zu bezahlbaren Preisen. Ein möglicher Standort dafür wäre beispielsweise der «Baumgarten» unterhalb der Kirche, die grösste zusammenhängende Baulandreserve im Ortsteil Densbüren – allerdings im Privatbesitz.

Es fehlt ein richtiger Dorfplatz

Zentral für die Prosperität der Gemeinde und deshalb auch Thema im Entwicklungsleitbild ist das Gewerbegebiet Kaisermatt am Dorfausgang. Hier sind rund 150 Arbeitsplätze – hauptsächlich der Lifa AG – angesiedelt. Daneben in der Burgmatt nochmals rund 80 (B+M AG). Das sind die grössten Arbeitgeber im Dorf. Insgesamt weist Densbüren verhältnismässig viele Arbeitsplätze auf. In der Kaisermatt ist eine Erweiterung schon im Tun – und zwar nach Süden (auf den Parkplatz) wie nach Norden (auf Landwirtschaftsland, deshalb ist ein Abtausch notwendig).

Die beiden Herren Müller sind sich einig: Das Dorfbild beider Ortsteile ist ausserordentlich wichtig. Entsprechend viel Wert wird in der Entwicklungsplanung darauf gelegt. Dazu gehört auch das Strassenbild. Und: Ein Thema wird sicher der Dorfplatz sein. Während Asp die sogenannte Arena hat, fehlt im Ortsteil Densbüren ein Platz, an dem die Menschen zusammenkommen. «Ein klares Zentrum», beschreibt es Martin Müller. «Wo das sein könnte, soll ebenfalls in der Mitwirkung geklärt werden.»

Der Gemeinderat freut sich auf zahlreiche Teilnehmer: «Die Anteilnahme der Bevölkerung am Geschehen in unserer Gemeinde ist sehr stark. Die Leute sind politisch interessiert und wir pflegen eine offene Kommunikationskultur», so Martin Müller.

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