Gränichen
Wohnbauten statt Schnellstrasse

Die Gränicher Sommergmeind soll grünes Licht geben für den Kauf der Staatsparzelle, die einst als Ausbaureserve für eine Wynentalschnellstrasse diente.

Ueli Wild
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Grünes Couloir: die interessanteste Teilfläche, Blick von der Nordstrasse auf die hier verhältnismässig breite Staatsparzelle.

Grünes Couloir: die interessanteste Teilfläche, Blick von der Nordstrasse auf die hier verhältnismässig breite Staatsparzelle.

Ueli Wild

Zwischen der Nordstrasse und der Wyna erstreckt sich eine schmale, rund 450 Meter lange nicht überbaute Parzelle – ein richtiger «Schlauch» von einem Grundstück. Links und rechts davon liegen Wohngebiete. Den mittleren Abschnitt prägen Vorgärten: Teilflächen, die der Kanton als Eigentümer der insgesamt rund 9500 m2 grossen Parzelle 2587 an zahlreiche Anstösser verpachtet hat.

Das Couloir diente einst als Ausbaureserve für eine Wynentalschnellstrasse im Gebiet Nordstrasse – Holtengraben. Diese hätte der Umfahrung des Dorfkerns dienen sollen. Doch mit der WSB-Eigentrassierung wurden Flächen, die für die Schnellstrasse vorgesehen waren, verbaut. So wurde das Strassenprojekt aus dem kantonalen Richtplan gestrichen. Gemeinde und Private zeigten seit Jahren Kaufinteresse, doch das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) winkte stets ab, da es Pläne gab, die kantonale Radroute über die Parzelle 2587 zu führen. Da der Kanton diese Pläne aufgegeben hat, ist das Land nun für 1'567'500 Franken zu haben.

1,76-Millionen-Kredit

Für den Kauf der Staatsparzelle soll die Gmeind einen Verpflichtungskredit von 1,76 Mio. Franken bewilligen. Zudem soll der Gemeinderat ermächtigt werden, ein 3350 m2 grosses Teilstück B zwischen Nordstrasse und Vorgartenland «zu marktgerechten Konditionen zu veräussern und die entsprechenden Verträge abzuschliessen».

Nötig ist dieser zweite Beschluss, weil der angenommene Verkaufserlös dieser Teilfläche (1,742 Mio. Franken) die Verkaufskompetenz des Gemeinderates (750'000 Franken) übersteigt. Auf dem Teilstück B können entlang einer neu zu erstellenden Stichstrasse fünf Baulandparzellen geschaffen werden. Um eine sinnvolle Ausnutzung und Gestaltung zu realisieren, möchte der Gemeinderat das Teilstück B aber möglichst als Ganzes veräussern.

Die schmale Teilfläche C, das heutige Vorgartenland, kann nicht selbstständig erschlossen werden. Der Gemeinderat will dieses Land parzellieren und anteilmässig zu 115 Franken pro Quadratmeter an die Eigentümer der angrenzenden Liegenschaften verkaufen.

Der sich gegen die Wyna hin erstreckende rund 2850 m2 umfassende Rest der Parzelle (Teilfläche D) ist dagegen vollwertiges (unerschlossenes) Bauland, kann aber nur gemeinsam mit der angrenzenden Niderfeldmatte (Parzelle 2644) bebaut werden. In diesem Zusammenhang soll der Erschliessungsplan Holtengraben überarbeitet werden.

Der Uferstreifen entlang der Wyna verbleibt im Besitz des Kantons. Die zur Staatsparzelle gehörende rund 300 m2 grosse Strassenfläche der Nordstrasse tritt der Kanton unentgeltlich an die Gemeinde ab.

Nutzungsplanungs-Zusatzkredit

Für die Revision der Nutzungsplanung soll die Gemeindeversammlung einen Zusatzkredit von 113 000 Franken sprechen. Schon im November 2014 hat sie 186 000 Franken für die Gesamtrevision der Nutzungsplanung bewilligt. Inzwischen sind aber, wie es in den Unterlagen für die Gmeind heisst, massive Mehrkosten entstanden. Es müssten laufend neue Gesetzesgrundlagen oder übergeordnete Vorgaben wie auch Arbeitshilfen und Merkblätter berücksichtigt werden: «Wiederholt wurde die Gemeinde durch kantonale Stellen vor neue Tatsachen gestellt, die zu Planungsbeginn unbekannt waren.» Die Gmeind hat im Grunde keine Wahl: Sie kann den Zusatzkredit zwar verweigern. Dann würde aber der Kanton die Revision umsetzen – mit Zwangsauferlegung der Kosten zulasten der Gemeinde.

Die von der Sommergmeind abzusegnende Rechnung 2017 der Einwohnergemeinde schloss mit einem Defizit von 662'400 Franken ab. Gerechnet hatte die Gemeinde im Budget mit einem Aufwandüberschuss von 978'000 Franken.

Traktandiert sind am 8. Juni auch die Kreditabrechnung für den neuen Traktor des Bauamtes sowie die Kompetenzerteilung an den Gemeinderat für den Verkauf zweier Baulandparzellen im Gebiet Rütene.