Weihnachten

Wohlgeformt, gross oder geschenkt – Christbaum-Verkäufer plaudern aus dem Nähkastchen

Wer einen Weihnachtsbaum aus der Region in der Stube haben möchte, wird neben den Forstbetrieben auch bei privaten Anbietern fündig.

Dieses Wochenende kaufen viele ihre Weihnachtsbäume. Wer besonderes Glück hat, bekommt gratis eine Tanne, wie zum Beispiel die Einwohner von Reitnau. Ein Überblick zeigt: Noch nie war das Angebot so vielfältig, noch nie gab es so viele private Anbieter.

Auch die Forstbetriebe in der Region bieten Weihnachtsbäume an und nicht nur das, häufig wird das Angebot gar noch erweitert. In Lenzburg kombiniert der Forstdienst den Baumverkauf erstmals mit einem kleinen Weihnachtsmarkt inklusive Glühwein und Punsch. Auch andere Forstbetriebe bieten Weihnachtsbäume aus dem eigenen Wald oder den eigenen Kulturen an.

Privatverkäufer setzen auf Regionalität

Die AZ hat drei private Anbieter von Weihnachtsbäumen aus der Region besucht. Alle drei verzichten beim Anbau ihrer Bäume auf chemische Hilfsmittel. Diese werden oft benötigt, um den Tannen eine optimale Form zu verleihen. Heisst: unten nicht zu buschig und oben nicht zu lang.

Zudem sei es auch ein Erlebnis, den Baum vor Ort zu kaufen, wie Ursula Haller aus Rei­nach sagt: «Oft streifen die Besucher lange durch die Reihen, bevor sie sich für den perfekten Baum entscheiden.»

Diese drei privaten Anbieter plaudern aus dem Nähkastchen:

  • Ernst Werffeli und Harley Werffeli aus Gontenschwil
  • Ursula und Lorenz Haller aus Reinach
  • Bio-Bauer Martin Roth aus Erlinsbach

«Wir arbeiten hier im Einklang mit der Natur»

Ernst (rechts) und Harley Werffeli aus Gontenschwil.

Ernst (rechts) und Harley Werffeli aus Gontenschwil.

Vor 40 Jahren kaufte der Zürcher Ernst Werffeli ein Grundstück am Rande von Gontenschwil. Gross musste es sein: «Ich sagte zu meinem Bruder, dass ich mit den Pferden rundum reiten möchte», erklärt der 75-Jährige. Über die Jahre forstete er das 2,2 Hektaren grosse Grundstück auf. So weit, dass sein Haus von der Strasse nicht mehr zu sehen ist.

Auf Werffelis Grundstück stehen meterhohe Tannen neben Setzlingen, die nicht mal bis zum Knie reichen. Ernst Werffeli pflegt seinen Wald in Eigenregie mit Unterstützung von Sohn Harley und den Enkeln. Auf chemische Hilfsmittel verzichtet er dabei gänzlich: «Wir arbeiten hier mit der Natur.»

Wer seinen Christbaum von der Familie möchte, sucht ihn direkt aus dem Wald aus. «Ich schneide keine Bäume auf Vorrat ab, das wäre Verschwendung», so Werffeli. Einzelne Bäume hat der Gontenschwiler mit Holztafeln markiert.

Sie sind von Kunden reserviert worden, manchmal schon ein Jahr zuvor. Überhaupt kennt Werffeli seine Stammkundschaft gut: «Teilweise weiss ich genau, welcher Baum der Passende ist, den zeige ich dann auch direkt. Meistens passt er.»

«Bäume pflanzen ist eine harte Arbeit, aber eine sehr schöne»

Ursula und Lorenz Haller aus Reinach.

Ursula und Lorenz Haller aus Reinach.

In Reih und Glied stehen die jungen Tannenbäume auf dem Grundstück des Ehepaars Haller. Sie sind drei- bis vierjährig und damit noch einige Jahre zu jung, um geschmückt in einer Stube zu stehen. Das Ehepaar Haller ist neu im Christbaumgeschäft.

Seit 2003 wohnen sie wieder in der Schweiz, vorher lebten sie während 15 Jahren mit ihren vier Kindern in Kanada. Wegen ihren Kinder zog es die Hallers zurück in die Schweiz, hier kauften sie vor einigen Jahren das Grundstück mit Blick über Reinach.

«Wir hatten viel Land zur Verfügung und entschieden uns darum, Tannenbäume anzupflanzen», so Lorenz Haller. Schon in Kanada hätten sie viele Bäume gepflanzt, aber nicht zum Verkauf: «Die Kanadier greifen lieber auf Plastik-Bäume zurück und auch auf Kerzen verzichten sie», erklärt Lorenz Haller.

Die Hallers bieten dieses Jahr zum ersten Mal offiziell ihre Bäume an. «Bäume pflanzen ist eine harte, aber auch ein schöne Arbeit», sagt Ursula Haller. «Ich habe schon immer gerne Bäume gepflanzt», ergänzt Lorenz Haller. Mit etwas Geduld erreiche man viel. Die 8-jährigen Bäume vor dem Haus geben ihm recht.

«Über die übrig gebliebenen Bäume freuen sich die Geissen»

Bio-Bauer Martin Roth aus Erlinsbach.

Bio-Bauer Martin Roth aus Erlinsbach.

Wenn es in grossen Teilen des Aargaus regnet, besteht die Chance, bei Martin Roth in Erlinsbach ein wenig weihnachtlichen Schnee zu finden. Martin Roth betreibt das Tannenbaum Geschäft neben seinem Biobauernhof. «Schon mein Vater hat hier im kleinen Rahmen Tannenbäume verkauft», erklärt er.

Er führe die Tradition nun schon seit 17 Jahren weiter. «Damals habe ich angefangen, das Land von Hand aufzuforsten», sagt Martin Roth. Mittlerweile hat der Biobauer an verschiedenen Standorten Nordmanntannen, Fichten, Rot- und Blautannen angebaut.

Seine Bäume entsprechen dem Biostandard. Mit Ausnahme eines kleinen Teils, den er von einem Bauer zukauft. Die nicht verkauften Tannenbäume wiederum enden als Weihnachtsgeschenk. «Über die übrig gebliebenen Bäume freuen sich die Geissen des Nachbars», erklärt Roth.

Am 21. Dezember, am Hauptverkaufsmarkt, bietet Martin Roth seinen Kunden auch einige Produkte von seinem Hof an. Zum Beispiel selbstproduziertes Leinöl oder auch Dinkelmehl. Die Verpackungen für das Mehl liegen bereits auf dem Küchentisch.

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