Verkehr
Wo die Bevölkerung tendenziell weniger Auto fährt

Die Anzahl der Personenwagen hat in jeder Gemeinde der Bezirke Aarau, Lenzburg, Kulm und Zofingen zugenommen – aber nicht überall gleich stark. Wo hat es am meisten Fahrzeuge pro Einwohner?

Nadja Rohner
Merken
Drucken
Teilen
Die Anzahl Autos hat in allen Gemeinden der Region zugenommen. Der Motorisierungsgrad ist hingegen zum Teil gesunken.

Die Anzahl Autos hat in allen Gemeinden der Region zugenommen. Der Motorisierungsgrad ist hingegen zum Teil gesunken.

AZ

«Allein in den letzten 10 Jahren haben die Motorfahrzeuge in der Schweiz um fast eine Million auf 5,9 Millionen zugenommen», schreibt der Verein Aarau Mobil, der sich am Sonntag ein Ja zu seiner Städteinitiative erhofft. Auch in Gränichen, wo über Tempo 30 abgestimmt wird, ist das steigende Verkehrsaufkommen ein Argument der Befürworter. Da liegt die Frage nahe: Wie stark hat der Verkehr konkret in unserer Region zugenommen?

Aufschluss darüber gibt die Zahl der Personenwagen, die in einer Gemeinde angemeldet sind. Diese Zahl wird vom kantonalen statistischen Amt erhoben. Zwar unterscheidet dieses nicht zwischen Geschäfts-Pw und den Privatfahrzeugen. Das macht aber nichts – auf der Strasse und im Stau sind sie alle unterwegs. Interessante Erkenntnisse lassen sich gewinnen, wenn man die neusten verfügbaren Zahlen – aus dem Jahr 2017 – mit denen von 2007 vergleicht.

Lenzburg: 30 Prozent mehr Autos

Wenig überraschend: Die Zahl der Personenwagen hat in jeder Gemeinde zugenommen, wie die Wohnbevölkerung ja auch. Alleine im Bezirk Aarau gibt es heute rund 6100 Autos mehr als vor zehn Jahren. Das ist eine Zunahme von 17,3 Prozent (das Kantons-Mittel liegt bei 21,9 Prozent). Im Bezirk Kulm ist eine Zunahme von 4500 Autos (21,4 Prozent) zu verzeichnen, im Bezirk Lenzburg von 8900 Autos (30 Prozent) und im Bezirk Zofingen gibt es heute 7900 Autos mehr (22,4 Prozent).

Die Frage ist nun, ob die Anzahl Autos proportional zur Anzahl Einwohner zugenommen hat. Oder anders gefragt: In welchen Gemeinden haben heute tendenziell mehr Leute ein Fahrzeug als vor zehn Jahren? Das statistische Amt weist den Motorisierungsgrad in «Anzahl Autos pro 1000 Einwohner aus». Zum Beispiel: In der Stadt Aarau waren vor zehn Jahren 522 Autos auf 1000 Personen gemeldet, heute sind es 505. Die Motorisierung in der Kantonshauptstadt ist also gesunken, obwohl faktisch fast 1200 Autos mehr gemeldet sind.

Suhrer haben wenige Autos

Die meisten Autos pro Einwohner gibt es gemäss Statistik in Wiliberg: 768 auf 1000 Einwohner. Theoretisch. Denn da Wiliberg nicht einmal 200 Einwohner hat – und 126 Autos –, ist diese Zahl mit Vorsicht zu geniessen. Sie liest sich etwas weniger absurd, wenn man sagt: In Wiliberg gibt es 7,68 Autos auf 10 Einwohner. Bei kleinen Gemeinden hat ein Fahrzeug mehr oder weniger deutlichen Einfluss auf die Statistik. Das gilt auch in vielen der anderen stark motorisierten Gemeinden: Auenstein (701), Schmiedrued (705), Schlossrued (715), Moosleerau (715), Attelwil (716), Birrwil (730), Bottenwil (732), Meisterschwanden (736), Dürrenäsch (738), Brunegg (742) und Kirchleerau (750). Safenwil hat mit 743 Autos pro Einwohner ebenfalls einen hohen Motorisierungsgrad, hier dürfte aber die Emil Frey AG die Statistik beeinflussen.

Vergleichsweise wenig Autos pro 1000 Einwohner (Kantonsmittel: 558) gibt es derzeit neben Aarau auch in Buchs (518), Niederlenz (539), Aarburg (541), Küttigen (542), Unterentfelden (548) und Lenzburg (550). Den tiefsten Motorisierungsgrad hat aber die Gemeinde Suhr. Auf 1000 Einwohner entfallen dort gerade mal 476 Autos. Vor zehn Jahren waren es noch 482 – Suhr ist also eine der wenigen Gemeinden, bei denen der Motorisierungsgrad heute tiefer ist als anno 2007. Die anderen sind neben Aarau (–17 Autos auf 1000 Einwohner) auch Kirchleerau (–52), Dintikon (–23), Lenzburg (–12), Buchs (–11), Suhr (–6), Burg (–4), Niederlenz (–3) und Safenwil (–3). Dies kann an Neubauquartieren liegen, die vom öffentlichen Verkehr gut erschlossen sind. Oder am Wegzug von Firmen mit vielen Geschäftsautos.

Nahezu gleich geblieben ist der Motorisierungsgrad in Hunzenschwil (+2 Autos auf 1000 Einwohner), Hallwil (+3) oder Unterentfelden (+1). Den grössten Sprung im Motorisierungsgrad hat Moosleerau gemacht: Vor zehn Jahren lag er hier noch bei 477 Autos pro 1000 Einwohner, heute bei 715 (+238). Anders ausgedrückt: Die Anzahl Autos ist viel stärker gewachsen als die Einwohnerzahl. Das gilt auch für Ammerswil (+156) Auenstein (+150), Wiliberg (+131), Schmiedrued (+112), Schlossrued (+110), Egliswil (+108), Attelwil (+96), Teufenthal (+96), Densbüren (+91), Seengen (+84), Birrwil (+81), Zetzwil (+80).