Wahlen
Wo bleibt der Vormarsch der Gemeinderätinnen?

Diese Frauen wollen das Gemeindepräsidium – sie verkörpern eine Minderheit.

Merken
Drucken
Teilen
Vier Frauen, die das Gemeindepräsidium anstreben: Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde; Angelica Cavegn (57, Pro Aarau, neu als Präsidentin), Aarau; Andrea Kuzma (41, SVP, bisher), Dürrenäsch; Monika Schenker (52, CVP, neu als Präsidentin), Erlinsbach.

Vier Frauen, die das Gemeindepräsidium anstreben: Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde; Angelica Cavegn (57, Pro Aarau, neu als Präsidentin), Aarau; Andrea Kuzma (41, SVP, bisher), Dürrenäsch; Monika Schenker (52, CVP, neu als Präsidentin), Erlinsbach.

Die Schweiz diskutiert gerade darüber, ob der frei werdende FDP-Bundesratssitz den Tessinern gehört oder doch den Frauen. Immerhin wäre möglich, dass nach dem angekündigten Rücktritt von Doris Leuthard (CVP) künftig nur ein Mitglied der siebenköpfigen Landesregierung – Simonetta Sommaruga – weiblich ist.

Diese Frauen wollen das Gemeindepräsidium Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde
10 Bilder
Ruth Imholz Strinati (44, parteilos, bisher), Brunegg
Marianne Horner (48, parteilos, neu als Ammann), Ammerswil
Katrin Burgherr (42, SVP, neu als Ammann), Reitnau
Angelica Cavegn (57, Pro Aarau, neu als Präsidentin), Aarau
Janine Murer (48, parteilos, bisher), Leimbach
Andrea Kuzma (41, SVP, bisher), Dürrenäsch
Silvia Morgenthaler (60, parteilos, bisher), Moosleerau
Monika Schenker (52, CVP, neu als Präsidentin), Erlinsbach
Jacqueline Hausmann (47, SVP, neu als Ammann), Holziken

Diese Frauen wollen das Gemeindepräsidium Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde

Die Diskussion müsste auch im Aargau geführt werden. Denn am 24. September finden in den meisten Gemeinden Gesamterneuerungswahlen statt. Zwar gibt es Gremien wie etwa Schulpflegen, die weiblich dominiert sind. Aber in unseren Gemeinde- und Stadträten sind Frauen massiv untervertreten. Es gibt Gemeinden, in denen die Exekutive nur aus Männern jenseits der 60 besteht. Gränichen zum Beispiel.

Heute: 75 Gemeinderätinnen

Die Ausgangslage vor den Wahlen: In den 59 Gemeinden in den Regionen Aarau sowie Lenzburg-Seetal und Wynental-Suhrental gibt es heute 296 Gemeinde- oder Stadtratsmitglieder – fünf pro Gemeinde, wobei Aarau sieben Stadträte hat und in Leimbach derzeit das fünfte Mitglied fehlt. Von diesen 296 Gemeinderäten sind 75 Frauen. Das entspricht ziemlich genau 25 Prozent. Nicht aussergewöhnlich – eine Studie des Zentrums für Demokratie Aarau (ZDA) hat festgestellt, dass der Frauenanteil seit der Jahrtausendwende bei dieser Zahl stagniert.

Von diesen 75 Frauen sind je 11 Ammann oder Vizeammann. In den drei Gemeinden Aarau, Birrwil und Brunegg sind sowohl Ammann als auch Vize weiblich. Das bedeutet: Vier von fünf Gemeinden haben einen «Herr Ammann»; der grösste Teil der Gemeinderätinnen hat keine Sonderfunktion.

Nur selten Frauenmehrheiten

In etwa der Hälfte der 59 Gemeinden sitzt genau eine Frau im Gemeinderat. Nur in fünf Gemeinden haben Frauen aktuell die Mehrheit: Aarau (4 von 7), Schmiedrued-Walde, Kirchleerau, Birrwil und Rupperswil (je 3 von 5). Umgekehrt gibt es aber neun Gemeinden, in denen ausschliesslich Männer im Gemeinderat sitzen: Dintikon, Uerkheim, Kölliken, Teufenthal, Küttigen, Gränichen, Densbüren, Buchs und Biberstein. Auffallend: Ein Zusammenhang mit der Gemeindegrösse ist nicht festzustellen – Buchs hat zum Beispiel rund 8000 Einwohner, zehnmal mehr als Densbüren.

Und nach den Wahlen?

Letzte Woche wurden nun die Kandidaturen für die kommenden Wahlen bekannt gegeben. Und schon jetzt zeigt sich: Einen Vormarsch der Frauen wird es nicht geben. Betrachtet man das Kandidaten-Feld, liegt der Frauenanteil in der Region Aarau bei 21 Prozent, im Wynen- und Suhrental bei 24 Prozent und in Lenzburg-Seetal bei 26 Prozent. Selbst wenn diese Kandidatinnen alle gewählt werden, steigt der Anteil Gemeinderätinnen in der Region höchstens auf etwas über 26 Prozent.

Die Möglichkeit einer Frauenmehrheit gibt es – rein rechnerisch – in Aarau, Unterentfelden, Rupperswil, Holziken, Kirchleerau und Hendschiken. Voraussichtlich wird der Anteil Frauen in Ammann- beziehungsweise Präsidentinnenfunktion gleich bleiben oder sogar sinken. Zehn der elf Präsidiums-Kandidatinnen (Bilder) sind bislang konkurrenzlos; die Ausnahme bildet Angelica Cavegn in Aarau.

In einigen Dörfern, die bislang von einem reinen Herren-Gremium regiert wurden – etwa Densbüren, Gränichen oder Teufenthal – stellt sich nun eine Kandidatin der Kampfwahl. In acht Gemeinden gibt es aber auch für die nächste Amtsperiode keine Frauenkandidatur: Biberstein, Buchs, Küttigen, Hunzenschwil, Kölliken, Menziken, Schlossrued und Uerkheim. Aber gerade in Uerkheim oder Menziken gibt es nur vier Anwärter für fünf Sitze. Eine Frau, die sich jetzt noch melden würde, hätte hervorragende Wahlchancen. Die ZDA-Studie fand denn auch keine Hinweise darauf, dass Kandidatinnen bei einer Wahl schlechtere Chancen hätten als Kandidaten.

Nun ist ein Gemeinderatsamt bekanntlich weniger begehrt – und weniger gut bezahlt – als ein Bundesratsamt. Kandidaten sind rar. Aber, so die ZDA-Studie, das Potenzial, Frauen für den Gemeinderat zu gewinnen, sei auch noch nicht ausgeschöpft. Mit anderen Worten: Man bemüht sich noch nicht genug um weibliche Kandidaturen. Und: «Kombiniert mit anerkannten Weiterbildungsmöglichkeiten könnten Milizämter in Gemeindeexekutiven für jüngere Personen und Frauen attraktiver gemacht werden.»

Den Kommentar dazu lesen Sie hier.