Bäckerei-Unternehmer Peter Studler ist sich einiges an Unannehmlichkeiten gewohnt. So musste er sich letztes Jahr vom «Kasssensturz» Kritik wegen ungerechtfertigter Lohnkürzungen und nicht bezahlter Überstunden gefallen lassen. So stand er Ende Februar wegen Nötigung im Zusammenhang mit einer Lenzburger Baustelle vor Gericht. Doch, was er seit dem 29. April, dem Tag der Konkurseröffnung über die Bäckerei-Konditorei Studler AG, und insbesondere seit dem 6. Mai, dem Tag der Publikation des Konkurses im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB), erlebt hat, überstieg alles Bisherige.

Es ging um 350 Franken

Gestern gab es die grosse Erleichterung: Das Obergericht hat als Beschwerdeinstanz den Konkursentscheid des Bezirksgerichts Lenzburg aufgehoben. Das Unternehmen «Bäckerei-Konditorei Studler AG» mit dem Hauptgeschäft in Seengen und der Filiale in Mellingen ist nicht mehr «in Liquidation». Geöffnet waren die beiden Läden ohne Unterbruch, weil Peter Studler mit privaten Mitteln den Weiterbetrieb ermöglichte. Aber er musste alle neben dem Personal auch alle Vertragspartner davon überzeugen, dass das Unternehmen in seinen Augen gesund ist.

In einer Medienmitteilung schrieb Peter Studler gestern Abend: «Die Unternehmung Bäckerei-Konditorei Studler AG gewinnt Verfahren vor Obergericht gegen das Bezirksgericht Lenzburg und die Firma Ruedi Fischer AG.» Wegen deren Forderung von knapp 5000 Franken war das ganze Verfahren ins Rollen geraten. Beim Konkursentscheid ging es dann allerdings nur eine Nachforderung von 350 Franken Gerichtskosten. Ein Betrag, der laut Studler noch gar nicht fällig gewesen sei. Die Konkurseröffnung erfolgte ohne vorgängige Betreibung in einer 4 Minütigen Sitzung.

«Fragwürdiger Entscheid»

Peter Studler spricht von einem «fragwürdigem Entscheid gegen die nachweisbar gesunde und wachsende Bäckerei». Nachdem das Obergericht nun diesen Beschluss aufgehoben hat, gibt sich Unternehmer Studler kämpferisch. «Die Bäckerei Studler in Seengen holt zum Gegenschlag aus.» Das heisst, er überlegt, sich, wie die verantwortlichen Stellen allenfalls belangt werden können.

Peter Studler erklärt: «Das in meinen Augen verantwortungslose Handeln des Bezirksgerichtes Lenzburg hat mein Vertrauen in den schweizerischen Rechtsstaat getrübt. Wo bleibt da die richterliche Sorgfaltspflicht, erst recht bei einer so gravierenden Massnahme.»

Und er tönt an, dass er sich als Opfer eines Filzes sieht: Denn in den «Baustellen»-Prozess ist ein Bezirksrichter verwickelt. Die Verhandlung fand darum nicht in Lenzburg, sondern in Brugg statt. Die Richterin, die in diesem Verfahren in Ausstand getreten sei, «fühlte sich aber (trotz laufenden Verfahrens) ermächtigt, das Konkursverfahren gegen uns durchzuführen», wundert sich Peter Studler.