Aarau

«Wissen Sie, mir sterben Kunden weg»

Hereinspaziert! Adelheid Herzig ist 91 Jahre alt und steht noch täglich in ihrem Trikot-Laden.  deborah balmer

Hereinspaziert! Adelheid Herzig ist 91 Jahre alt und steht noch täglich in ihrem Trikot-Laden. deborah balmer

Wie macht sie das nur? Adelheid Herzig ist 91 Jahre alt und steht noch jeden Tag in ihrem Kleiderladen in der Vorderen Vorstadt. Ein Besuch bei ihr gleicht einer Reise in die Vergangenheit.

Bei Adelheid Herzigs Geschäft handelt es sich um ein Spezialgeschäft für Trikot-Mode namens «Marie Märki». Von 9 bis 18 Uhr findet man die elegante Dame jeweils vor ihren Glas-Schubladen aus einer anderen Zeit-Epoche, die sie fein säuberlich gefüllt hat mit Pullis, Hosen, Strümpfen.

Man findet sie zwischen handrollierten Taschentüchern aus dem Appenzellischen und Seidenwäsche für Damen. Und dazwischen ihre Trikot-Ware. Das besondere Material, auf dem «Sie rumrutschen können, wie Sie wollen, und das Plissé trotzdem bleibt», wie Herzig die Vorzüge des dehnbaren Stoffs erklärt.

Trikot. Vor Jahrzehnten wird es wohl der letzte Schrei in der Modewelt gewesen sein. Und auch in Aarau schwörte die Kundschaft darauf. «1947 war ich 28 Jahre alt, damals habe ich nach einem Englandaufenthalt im Kleiderladen Marie Märki angefangen», erzählt Adelheid Herzig. Stolze 63 Jahre später arbeitet sie noch immer hier.

«Ich berate ehrlich und bin nie aufdringlich.»

Längst gehört ihr der Laden. Ihre frühere Chefin Marie Märki ist gestorben. Trikot laufe bei ihrer Kundschaft noch immer, bemerkt Adelheid Herzig. Ihre Kundinnen und Kunden kennen ihr Geschäft von früher und sie suchen sie aus den Altersheimen in Aarau auf. «Es gibt auch Herren, die für ihre Mutter bei mir ‹posten›», so Herzig.

«Item», sagt sie, die im bernischen Roggwil-Wynau die Schule besucht hat. «Trikot ist halt sehr angenehm zu tragen.» Adelheid Herzig ist keine Frau, die sich im Alter gehen lässt: Ihr Haar ist schön frisiert, sie trägt eine Perlenkette und die Nägel sind perlrosa lackiert.

«Die Arbeit tut mir gut. Ich kann nicht daheim hocken.»

«Am Morgen nehme ich mir halt Zeit für ‹d’Aleggi›.» Ihre Art kommt bei der Kundschaft gut an. Wieso, sagt sie gleich selber: «Ich berate ehrlich und bin nie aufdringlich. Nur wenn es nötig ist, gebe ich meinen Senf dazu.» Etwas beschäftigt die 91-Jährige: «Mir sterben langsam die Kunden weg.»

Doch aufgeben will sie nicht: «Die Arbeit tut mir gut. Ich kann nicht daheim hocken.» Selbstverständlich ist es für sie auch, dass sie jährlich an der Generalversammlung der Lädeler Vordere Vorstadt, Rain und Ziegelrain teilnimmt.

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