Aarau Rohr
Wirtschaftsberater wurde vom Weinliebhaber zum Weinexperten

Markus Fuchs aus Aarau Rohr ist Betriebswirt und arbeitet als Wirtschaftsberater für einen nationalen Verband der Finanzbranche. Seine Passion ist der Wein. Er ist einer von rund 40 Weinakademiker in der Schweiz.

Hubert Keller
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Hier lagern einige feine Tropfen, vor allem Burgunder: Markus Fuchs in seinem Weinkeller im Einfamilienhaus im Stadtteil Rohr. Kel

Hier lagern einige feine Tropfen, vor allem Burgunder: Markus Fuchs in seinem Weinkeller im Einfamilienhaus im Stadtteil Rohr. Kel

Er mag grosse Weine aus dem Burgund, am liebsten trinkt er sie mit seiner Frau Elisabeth und darf sich seit dem Anfang April Weinakademiker nennen. Markus Fuchs aus Aarau Rohr ist Betriebswirt, lic. oec. publ., arbeitet als Wirtschaftsberater für einen nationalen Verband der Finanzbranche. Als solcher hat er mit Wein wenig zu tun. Der Wein ist Hobby und Passion, eine Passion, die ihn durch eine anspruchsvolle dreijährige Ausbildung an der grössten europäischen Weinschule, der Weinakademie Österreich, bestehen liess.

Das internationale Diplom, das Markus Fuchs sich mit sehr viel Selbstdisziplin, wie er sagt, verdiente, ist die wohl gefragteste Qualifikation im Weinhandel. Sie ist auch eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Master of Wine, den Fuchs noch in Angriff nehmen will. Markus Fuchs wird somit weitere vier bis sechs Jahre Weinkunde und Weingeografie büffeln.

Weltweit anerkannter Titel

Der Titel des Weinakademikers ist weltweit anerkannt. Zusammen mit Fuchs haben gleichzeitig Diplomanden in Singapur, London oder San Francisco die Prüfung abgelegt. Rund 40 Weinakademiker gibt es mittlerweile in der Schweiz, Markus Fuchs ist der dritte im Aargau.

Fuchs hat die mehrtägigen Seminare an der Weinakademie Österreich absolviert, die in Rust am Neusiedlersee zuhause ist. Diese arbeitet seit etlichen Jahren mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Campus Wädenswil, und der Fachhochschule Geisenheim im deutschen Rheingau zusammen.

Der «European Master of Wine study course» wurde an der erwähnten Weinakademie im Jahr 2005 etabliert. Alle europäischen Kandidaten, die sich auf die Master of Wine-Prüfung vorbereiten, nehmen an diesem Programm teil.

Viel Disziplin erforderlich

«Ein grosser Teil ist Selbststudium, das einem viel Disziplin abverlangt sowie ein systematisches Arbeiten, wie ich es von meinem Beruf gewohnt bin», sagt Markus Fuchs.

Die Liebe zum Wein habe er früh entdeckt, schon immer habe er an Degustationen teilgenommen, habe auch selber solche organisiert, bis irgendwann der Wunsch immer stärker wurde, das Halbwissen zu ergänzen und zu vervollständigen.

Dass er nicht der Berufswelt der Weinhändler, Önologen und Gastronomen angehört, empfand er eher als Vorteil denn als Nachteil. «Es war gut, unvoreingenommen in den Kurs einsteigen zu können.»

«Es gibt überall gute Weine, erst recht auch im Aargau», sagt der frisch gebackene Weinakademiker. Und dennoch, Aargauer gehörten nicht zum Unterrichtsstoff an der Weinakademie. Auch keine Waadtländer oder Hallauer, keine Herrschäftler oder Tessiner. «Die Schweiz ist aus globaler Sicht ein marginaler Weinmarkt.»

Das Studium zum Weinakademiker orientiert sich an den globalen Märkten. «Thema sind die Weine der Welt», erklärt Markus Fuchs. Das Weinland Schweiz gehört nicht zu den wichtigsten, dann schon eher Rumänien oder Bulgarien, die ein Schweizer wiederum nicht unter den Top-ten der weinproduzierenden Länder vermuten würde.

Für den Branchenverband Aargauer Wein hat Markus Fuchs ein Marketingkonzept erarbeitet. Die Aargauer Weine werden im Aargau getrunken. Nur einzelne Spitzenweine finden auch in anderen Regionen der Schweiz ihre Liebhaber.

Richtige Positionierung im Markt

Markus Fuchs untermauert diese Feststellung mit Zahlen: Auf rund 400 Hektaren Rebfläche wird im Aargau Wein für 610000 Einwohner produziert. Im Bündnerland sind es nicht viel mehr Hektaren, nämlich 420, doch der Heimmarkt ist mit 190000 Einwohnern sehr viel kleiner. Also brauchen die Bündner Herrschäftler auch Konsumenten ausserhalb des Kantons, konkurrenzieren also die Aargauer in ihrem Markt, zusammen mit den Chiantis, Brunellos und Riojas aus den Lagern der Grossverteiler. Und deshalb sei es wichtig, dass sich die Aargauer Weinproduzenten richtig positionierten.

«Die Gewissheit, gute Weine zu keltern, reicht nicht aus.» Auch die Aargauer Weinbauern müssten sich anstrengen, damit sie nicht vergessen gehen. «Doch», fügt Markus Fuchs an, «die Voraussetzungen sind gut. Die jungen Weinproduzenten sind bestens ausgebildet. Kellerhygiene, Holzfässer, Ertragsbeschränkungen sind auch in den hiesigen Keltereien längst keine Fremdwörter mehr.»

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