Wahlen
Wird er um die Früchte seiner Arbeit gebracht? Daniel Kopp wäre lieber wieder in Poleposition

Daniel Kopp (SVP) erreichte bei seiner ersten Grossratskandidatur vor vier Jahren den ersten Ersatzplatz. Auch heute wäre er nächster Anwärter auf das Amt des zurücktretenden Peter Wehrli (62), wäre da nicht neuzuzüger Wolfgang Schibler (67). Warum der Suhrer trotz aller Widrigkeiten kämpft.

Urs Helbling
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Daniel Kopp (52) arbeitet seit 2009 als selbstständiger Rechtsanwalt imValiant-Gebäude in Suhr. Der Single lebt in einem Einfamilienhaus. Urs helbling

Daniel Kopp (52) arbeitet seit 2009 als selbstständiger Rechtsanwalt imValiant-Gebäude in Suhr. Der Single lebt in einem Einfamilienhaus. Urs helbling

Urs Helbling

Im Bezirk Aarau hängen neuerdings die fünf bisherigen SVP-Grossräte gemeinsam neben den Strassen. Spätestens seit diese Plakate aufgestellt wurden, ist klar: Bei der SVP werden es die elf Kandidaten ohne Bisherigen-Bonus schwer haben. Doch es gibt für sie zwei kleine Hoffnungen: Erstens weiss niemand, wie gut Wolfgang Schibler (67) in seiner neuen Heimat ankommt. Der asylpolitische Hardliner ist in der ablaufenden Amtsperiode von Bettwil (Bezirk Muri) nach Buchs (Bezirk Aarau) gezogen. Zweitens ist theoretisch nicht ausgeschlossen, dass die SVP ein zusätzliches Mandat gewinnt. Daniel Kopp (52), der Mann, der dann am ehesten Chancen hätte, gewählt zu werden, macht sich allerdings kaum Illusionen: «Für sechs Sitze bräuchte es im Bezirk Aarau einen Wähleranteil von 37,5 Prozent. Das wäre für die SVP ein Traumergebnis – ist aber eher unrealistisch.»

Er konnte nicht nachrutschen

Kopp droht das Schicksal von vielen verdienten Parteisoldaten: Während fast zwanzig Jahren hat er für die SVP gekrampft. Und jetzt könnte er um die Früchte seiner Arbeit gebracht werden. Er wäre in der Poleposition als Nachfolger für den zurücktretenden Peter Wehrli (62, Küttigen), wenn Wolfgang Schibler nicht zugezogen wäre, wenn die SVP nicht so zu einem temporären sechsten Mandat gekommen wäre.

Der Suhrer Daniel Kopp erreichte bei seiner ersten Grossratskandidatur vor vier Jahren den ersten Ersatzplatz. «Ich war selber überrascht über mein gutes Abschneiden», sagt der Mann, der es vom 12. auf den 6. Listenplatz schaffte. Hatte er Hoffnungen, während der Amtsperiode nachrutschen zu können? Träumte er von einer Demission von Peter Wehrli, ähnlich wie es bei den Freisinnigen im Sommer 2014 Beat Rüetschi (64) zugunsten von Maja Riniker (38) getan hatte? Daniel Kopp winkt ab: «Nein, das habe ich nicht erwartet. In der SVP ist nicht Usus, vorzeitig zurückzutreten.» Er sagt aber auch: «Es wäre jetzt einfacher, wenn ich hätte nachrutschen können.»

Daniel Kopp ist in der Region bekannt. Der Sohn eines Mitarbeiters der ehemaligen Butterzentrale (später AZM, heute Emmi) wuchs in Suhr auf, ging in Aarau an die Kanti, studierte in Zürich Rechtswissenschaft. Im Alter von 30 Jahren, nachdem seine Eltern überraschend gestorben waren, kaufte er deren Haus. Der Single arbeitete damals bereits als Gerichtsschreiber am Bezirksgericht Baden. Dort blieb er bis 2009 und war am Schluss Präsident des Arbeitsgerichtes. Danach eröffnete Daniel Kopp im Valiant-Gebäude in Suhr eine eigene Anwaltskanzlei. Er ist Allrounder: «Ich mache jene Rechtsfälle, die bei Herr und Frau Schweizer passieren können.»

Als Überzähliger Wahl verpasst

1998 liess sich Daniel Kopp in die Schulpflege Suhr wählen. 2002 wurde er Präsident der SVP Suhr – und blieb es bis im Frühling 2016. Also 14 Jahre lang. «Ich wäre schon früher zurückgetreten, wenn sich jemand als Nachfolger aufgedrängt hätte. Ich habe auf den Moment gewartet, in dem einer sagt: ‹Ich möchte es machen›», sagt Kopp.

2013 kandidierte er innerhalb von wenigen Monaten zweimal für den Gemeinderat. Beim zweiten Mal schaffte Kopp zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus. Die SVP ist seit elf Jahren nicht mehr im Gemeinderat Suhr vertreten. Aber es gibt wenigstens noch die Ortspartei mit über 50 zahlenden Mitgliedern. SP und CVP existieren in Suhr nicht mehr.

«Interessante Beziehungen»

Kopp hat zurzeit nur ein politisches Amt. Ein vergleichsweise unspektakuläres. Er ist Mitglied des Schulrates des Bezirks Aarau. Das ist im Prinzip die erste Rekursinstanz für Leute, die mit Entscheiden ihrer Schulpflege nicht einverstanden sind. Waren es früher die Prüfungsresultate, die umstritten waren, so sind es heute vor allem die Schulhaus-Zuteilungen.

In welchen Bereichen würde sich Daniel Kopp als Grossrat besonders engagieren? Der Suhrer mag sich nicht festlegen, nähme, was er von der Partei zugewiesen erhielte. Als Jurist würde ihm das Aktenstudium nicht allzu schwer fallen. Und er sagt: «Aus finanzieller Sicht wäre ein Grossrats-Mandat für mich wohl nicht so attraktiv. Aber es ergäbe interessante Beziehungen.»