«Pont Neuf»

Wird die neue Aarebrücke ein Wahrzeichen für Aarau?

Die zahlreichen Besucher, die normalerweise die Arbeiten an der neuen Aarebrücke in Aarau beobachten, haben eine langweilige Woche vor sich: Es läuft weniger als üblich. Weil das Wasser im Moment sehr hoch ist, können manche Arbeiten aus Sicherheitsgründen diese Woche nicht durchgeführt werden.

Derzeit sind die Männer, die die neue Aarauer Aarebrücke bauen, vor allem daran, die Träger für den Dienst-Steg zu schweissen. Dieser wird künftig erstens als Leergerüst die neue Brücke tragen, zweitens als Transportweg für das Arbeitsmaterial von Ufer zu Ufer dienen.

Eigentlich wäre ein Tag der offenen Baustelle geplant gewesen. Coronabedingt fällt dieser zwar aus, Regierungsrat Stephan Attiger lässt es sich als Bauherr hingegen nicht nehmen, die Medienschaffenden auf die Baustelle zu begleiten. Es sei «keineswegs eine Nullachtfünfzehn-Baustelle», sagt er. «Die neue Brücke ist alles andere als ein konventioneller Bau –sie hat Potenzial, das neue Wahrzeichen für die Kantonshauptstadt zu werden.» Attiger sieht Parallelen zur Original-Kettenbrücke, die bei ihrer Eröffnung 1850 auch eine Innovation dargestellt hatte: Zuvor kannte Aarau nämlich nur Holzbrücken.

Die letzten Brocken der Kettenbrücke verschwinden

Juni 2020: Die letzten Brocken der alten Kettenbrücke verschwinden

 

Nach offiziellem Zeitplan soll die neue Aarebrücke mit dem Projektnamen «Pont Neuf» 2021 eröffnet werden. Es gebe «leichte Verzögerungen», so Attiger am Montag. Wie genau sich diese auf die Eröffnung auswirken, sei noch unklar. Gemäss Projektleiter Roberto Scappaticci ist nicht die Coronakrise das Problem – sie habe die Arbeiten nur marginal verzögert. Grösseren Einfluss hatte das Fundament der alten Brücke von 1850, von dem man zwar wusste, dass es da ist, dessen Ausmasse dann aber doch grösser gewesen seien als erwartet. Der Kalkstein musste abgebrochen und durchbohrt werden. Auch andere Überraschungen, zum Beispiel eine Asbestleitung, führten zu Verzögerungen. «Wir hoffen, sie wieder einholen zu können», so der Projektleiter.

Millimeterarbeit wie vor hundert Jahren

Am südlichen Ufer steht neuerdings ein Drehkran. Er wird den Seilbagger mit Material beliefern. In zwei, drei Wochen wird auch am Nordufer einer montiert. Das Drehbohrgerät hingegen hat seine Arbeit erledigt – die Pfähle stecken bis zu 18 Meter tief im Vorlandbereich - und wartet vor der Überbauung Aarepark auf den Abtransport.

So soll die Brücke dereinst aussehen:

Die Larsen, die das Aarewasser fernhalten sollen, damit die Fundamente betoniert werden können, wurden 9 Meter in den Aaregrund getrieben. Derzeit sind die Arbeiter daran, sie fertig abzudichten. Die ersten Betonarbeiten für die Pfeiler und die Widerlager starten voraussichtlich im Oktober.

Die grosse Herausforderung ist jedoch der eigentliche Brückenkörper: Weil die neue Aarebrücke eine sehr spezielle Geometrie hat, können die Schalungsbretter für die Betonarbeiten nur bedingt vorfabriziert werden. Vor Ort muss man sie in Handarbeit – und millimetergenau – positionieren und anpassen. Brett für Brett, wie vor hundert Jahren. Diese Phase wird entscheidend sein für die Bauzeit.

Braun-beige oder doch Mausgrau?

Die Aarauerinnen und Aarauer interessiert es besonders, welche Farbe die neue Brücke haben wird. Dazu gab es sogar schon Vorstösse im Stadtparlament: Immerhin sah die Visualisierung in den Abstimmungsunterlagen für den Baukredit eine braun-beige Brücke vor; und plötzlich wurde die Befürchtung laut, am Ende sei das Bauwerk dann doch mausgrau. Roberto Scappaticci beruhigt jedoch: «Wir werden jetzt noch einmal Farbmuster herstellen, damit die Aarauer genau das bekommen, was sie bestellt haben: einen braun-gelblichen, warmen Farbton.»

Budgetiert sind rund 33 Millionen Franken. Man sei auf Kurs, sagt Scappaticci, die heiklen Phasen seien jedoch noch nicht überwunden.

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