Aarau

Wird der Kasinogarten zum Drogenpark?

Im Kasinopark beobachtet: Kurze Begrüssung und ein etwas anderer Handschlag, der dem Austausch von Drogen dient.

Im Kasinopark beobachtet: Kurze Begrüssung und ein etwas anderer Handschlag, der dem Austausch von Drogen dient.

Die Drogenszene in Aarau hat sich vom Bahnhof in den Kasinopark verlagert. Es wird mehr oder weniger offen gedealt, doch die Polizei ist stark präsent, wenn auch nicht unbedingt sichtbar. Es wird vor allem verdeckt ermittelt.

Aus der Aarauer Stadtbibliothek heraus kann man die Szene recht gut beobachten: Vorzugsweise in der Nähe des Schach-Spielfeldes stehen immer wieder Männer anscheinend gelangweilt im Stadtpark. Ab und zu telefonieren sie mit dem Handy, gehen ein paar Schritte vorwärts und ebenso viele zurück. Andere Männer oder Frauen nähern sich und bleiben kurz stehen. Es gibt eine kurze Begrüssung mit einem etwas anderen Handschlag. Einem, der weniger der Freundschaftsbezeugung, sondern mehr dem Warenaustausch dient. Ganz offensichtlich wird im Aarauer Stadtpark gedealt.

«Die Polizei weiss, dass sich die Drogenszene vom Raum Bahnhof teilweise in die Altstadt verlagert hat und auch im Kasinogarten immer wieder gedealt wird», bestätigt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Dem Treiben werde keineswegs untätig zugeschaut: «Erst am 5. September haben wir einen in der Region wohnhaften Neuseeländer auf frischer Tat ertappen und bei ihm 10 Gramm Heroin sicherstellen können.» In der Aarauer Drogenszene, hält Graser weiter fest, würden sich Schweizer ebenso bewegen wie Ausländer. «Schweizer dealen vielfach mit Heroin und decken mit dem Erlös ihren Eigenbedarf. Der Kokain-Markt ist fest in den Händen der Nordafrikaner, andere Asylbewerber wiederum handeln mit Marihuana.» Verkauft würden im Stadtpark aber auch Medikamente, die als Drogenersatz geschluckt würden, so unter anderem solche auf Rophynol-Basis.

Grossaufgebot bringt nichts

Von den polizeilichen Aktivitäten gegen die Szene, sagt Graser, bekäme die Bevölkerung kaum etwas mit: «Es nützt nichts, wenn wir mit einem uniformierten Grossaufgebot in der Altstadt aufkreuzen und mutmassliche Drogendealer kontrollieren. Damit können wir sie höchstens verdrängen. Wenn wir Leute dingfest machen wollen, müssen wir verdeckt ermitteln und sie in flagranti erwischen.» Das sei allerdings sehr aufwendig und zeitraubend: «Die Dealer sind meist nicht auf den Kopf gefallen und merken rasch, wenn sie überwacht werden. Daneben bedienen sie sich sehr vieler Tricks. Koks beispielsweise wird in Alufolie gepackt und in kleinen Kügelchen im Mund transportiert. Diese können bei einer Kontrolle rasch verschluckt werden.» Grössere Mengen Drogen würden Kleindealer ohnehin kaum auf sich tragen, sondern sie bei Bedarf jeweils in kleinen Portionen aus angelegten Depots holen.

«Unsere Strategie ist es weniger, die Dealer mit einem Grossaufgebot zu vertreiben. Wenn wir das tun, sind sie am anderen Tag wieder da. Wir wollen unter Einbezug der Stadtpolizei möglichst viele von ihnen erwischen und aus dem Verkehr ziehen. So können wir die Szene verunsichern, klein halten und letztlich allenfalls doch dafür sorgen, dass sie verschwindet. Dafür brauchen wir jedoch Zeit, denn unsere Mittel sind beschränkt», erklärt Bernhard Graser. Völlig auszumerzen, sagt der Mediensprecher, sei der Drogenhandel wohl nie. Aber die Polizei könne mit der richtigen Strategie dafür sorgen, dass er nicht überhandnehme und Dealer plötzlich ganze Quartiere oder eben einen Park in Beschlag nähmen. Er könne, schliesst Graser, der Bevölkerung versichern, dass der Drogenhandel im Kasinopark nicht hingenommen werde: «Die effiziente Bekämpfung dieser Szene ist bei uns und bei der Stadtpolizei täglich ein Thema.»

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