Wird das je gebaut? «Aarauerhof» steht zum Verkauf

Die Pläne für den Ersatzneubau des Hotels sind vorerst vom Tisch. Der Stadtpräsident gibt die Hoffnung aber nicht auf.

Nadja Rohner
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So hätte der Neubau aussehen können (Entwurf von :mlzd-Architekten, Biel).

So hätte der Neubau aussehen können (Entwurf von :mlzd-Architekten, Biel).

Visualisierung: zvg

Monatelang war das Sorell Hotel Aarauerhof am Bahnhofplatz wegen der Coronakrise geschlossen, erst seit kurzem kann man wieder einchecken. Nun zeigt sich, dass die Pandemie weitaus grössere Auswirkungen auf das Gebäude im Besitz der Zürcher ZFV-Unternehmungen hat: Die Pläne, das knapp 50 Jahre alte Hotel im Herzen Aaraus durch einen modernen Neubau mit viel Glas und einem Rooftop-Restaurant zu ersetzen (Kostenpunkt: um die 30 Millionen Franken), sind zunichtegemacht. Stattdessen will die Liegenschaftsbesitzerin das Gebäude verkaufen, wie sie gestern Nachmittag bekannt gab.

Hotel soll bis zum Verkauf offen bleiben

«Die Coronapandemie und deren Auswirkungen haben die ZFV-Unternehmungen hart getroffen, auch mit einschneidenden betriebswirtschaftlichen Folgen», heisst es in der Mitteilung. «Dies gab unter anderem Anlass dazu, den geplanten Neubau des Sorell Hotel Aarauerhof zu überprüfen. Der hohe Finanzierungsbedarf und die kurz- bis mittelfristigen Aussichten im Hotelmarkt, aber auch die künftige strategische Ausrichtung der Sorell Gruppe haben den Ausschlag dazu gegeben, den geplanten Neubau in Aarau nicht zu realisieren.»

Das Grundstück mit dem Gebäude soll verkauft werden. Entsprechende Schritte würden nun eingeleitet, schreiben die ZFV-Unternehmungen. Das Hotel werde «bis zu einem Verkauf vorübergehend weitergeführt», aber: «Eine langfristige Weiterführung des bestehenden Betriebes ohne Renovation oder Umbau lässt der Gebäudezustand leider nicht zu.»

Die ZFV-Unternehmungen haben das Kongresshotel Aarauerhof mit seinen rund 80 Zimmern und etwa 25 Mitarbeitenden Mitte 2012 erworben und in die Sorell-Gruppe integriert. Bereits zu Beginn sei klar gewesen, dass das 1972 von Stararchitekt Justus Dahinden neu erstellte Gebäude den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge, schreibt die Liegenschaftsbesitzerin nun: «Sein baulicher Zustand verlangt eine umfassende Sanierung.»

Der Neubau wäre deutlich höher geworden

Mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Aarau wäre es nun möglich geworden, das Gebäude von bisher 23 auf neu maximal 33 Meter zu erhöhen. Da eine Aufstockung bautechnisch kaum realisierbar wäre, hatte der ZFV entschieden, das bestehende Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen. Anfang 2019 hat die Jury das Siegerprojekt eines Studienwettbewerbs erkoren, welches seitdem mit dem betreffenden Architekturbüro («:mlzd Architekten», Biel) «weiterentwickelt und optimiert wurde».

Noch Anfang Februar 2020 hiess es vonseiten der ZFV, man sei daran, das Vorprojekt zu erarbeiten. Vorgesehen waren zu jenem Zeitpunkt zwei Untergeschosse, ein Erdgeschoss mit Retail-Flächen, etwa 86 Hotelzimmer vom ersten bis ins fünfte Obergeschoss, ein Seminarbereich im sechsten Obergeschoss sowie ein Rooftop-Restaurant ganz oben, in 30 Metern Höhe.

Hilfiker: «Perspektive auf Neubau war sehr positiv»

Der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker hatte nach der Vorstellung des Wettbewerbssiegers 2019 vom «sehr schönen Projekt» geschwärmt. Wie gross ist die Enttäuschung nun? «Für die Stadt war die Perspektive auf einen Neubau des Hotels Aarauerhof sehr positiv», sagt Hilfiker. «Für uns bleibt der Standort beim Bahnhof für einen Hotelbau in dieser Dimension absolut geeignet.» Die Stadt verstehe aber die Situation der ZFV-Unternehmungen, so der freisinnige Stadtpräsident. «Corona hat bei allen touristischen Betrieben ganz massive Auswirkungen; wir haben von Umsatzausfällen bis 70 Prozent gehört.» Für die Stadt wäre es nun ideal, so Hilfiker weiter, «wenn ein Käufer gefunden wird, der das ausgewählte Projekt mit der vorgesehenen Hotelnutzung realisieren will».

Die Bahnhofstrasse ist im Umbruch

Der «Aarauerhof» gehört zweifellos zu den prägendsten Gebäuden der Bahnhofstrasse. Die gestrige Mitteilung kommt nur wenige Tage nach der Nachricht, dass die Neue Aargauer Bank (NAB) in der Credit Suisse (CS) aufgeht – mit der Konsequenz, dass der CS-Standort an der Bahnhofstrasse 20 in jenen der heutigen NAB (Bahnhofstrasse 49) zügelt.

Damit steht die Zukunft gleich mehrerer wichtiger Gebäude im Aarauer Zentrum in den Sternen.