Lange gab es keine Neuigkeiten von den beiden grossen Schüsseln auf der Wiese zwischen Gränichen und dem Weiler Bleien. Seit 34 Jahren stehen sie einfach da und hören das Universum ab. Die Radioteleskope sind Gränichens Fenster ins All.

Gehören tun sie der ETH Zürich. Das Institut für Astronomie beobachtet in Gränichen seit 1979 die Radiostrahlung der Sonne. Viele Jahre gab es keine Neuigkeiten und äusserlich haben sich die Schüsseln in den letzten 34 Jahren kaum verändert.

Im Observatorium selbst wurden jedoch die Instrumente erweitert, verbessert und automatisiert. Inzwischen funktionieren die Messungen vollautomatisch und die Daten werden für die Sonnenforschung an die Fachhochschule (FHNW) Brugg/Windisch gesendet, dort archiviert und verarbeitet.

Keine Sonnenforschung an ETH

Dass die Daten nicht mehr an die ETH gesendet werden, hat seinen Grund: In Zürich betreibt man seit zwei Jahren keine Sonnenforschung mehr. Deswegen ist nun das Fortbestehen der beiden Radioteleskope unsicher: Der Schweizer National Fonds, entscheidet in den nächsten Tagen, ob er den Betrieb finanziell weiter unterstützen wird.

Die neue Sonnengruppe der FHNW zeigt Interesse, die Radioteleskope für weitere Forschungen zu nutzen.

Fenster ins All wird immer enger

Interesse besteht sogar international: Am Mittwoch trafen sich in Gränichen 14 Wissenschaftler und Ingenieure aus 13 Ländern. Es waren Mitglieder des Komitees zum Schutze der Radiofrequenzen (CRAF). Radiofrequenzen verraten Informationen über Atome im Weltraum. Diese, so die Meinung der Wissenschaftler, sind ein natürliches Gut, welches international geschützt werden sollte.

Christian Monstein, Ingenieur beim Institut für Astronomie der ETH sagt, in den letzten Jahrzehnten seien etliche Frequenzbereiche vergeben worden an Fernsehen, Rundfunk sowie für Mobilfunk und weitere Kommunikations-Dienste des Militärs, der Polizei oder Feuerwehr.

«Es wird für die Forscher immer schwieriger, ungestörte Frequenzen zu finden um astronomische Beobachtungen durchzuführen», so Monstein.

Da man die Radiosignale weder hört noch riecht oder sieht, wird diese Veränderung in der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Die Wissenschaftler prognostizieren, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sein werde, von der Erde aus Beobachtungen durchzuführen, falls die Störungen im selben Masse zunehmen sollten wie bisher.

«Dann bleibt nur noch der extrem teure Weg über Satelliten-gestützte Beobachtungen im Weltraum», sagt Christian Monstein. Hinter dem Mond zum Beispiel sei es noch möglich dem elektromagnetischen Störnebel der Menschheit zu entfliehen.