Die Genossen wittern Morgenluft. Gabriela Suter, Präsidentin der Stadtpartei, spricht von einem dritten Stadtratssitz für die SP Aarau. Gelingt das Unterfangen, sichert sich die vereinigte Linke aller Voraussicht nach die Mehrheit im Stadtrat. Im Einwohnerrat hat sie schon ein leichtes Übergewicht. Reiht sich Aarau Ende Jahr also in die Riege der komplett links regierten Schweizer Städte ein?

Das Selbstbewusstsein der SP-Führung kommt nicht von ungefähr. Im Gegenteil: Es hat eine handfeste, messbare Grundlage: Beim letzte Kräftemessen, den Grossratswahlen vom Herbst, trat auf dem Platz Aarau nichts deutlicher zutage als das: Die SP Aarau erfreut sich einer blendenden Form. Ein Vergleich 2012/2016 zeigt, dass ihr Parteistimmenanteil von 23,9 auf nicht weniger als 30,4 Prozent geklettert ist.

Ein Plus von rund 50 Prozent

Einer, der auf bürgerlicher Seite schon am Abend des Wahlsonntags die Alarmglocken läutete, ist FDP-Bezirksparteipräsident Michel Meyer. Und jetzt, an der Generalversammlung der Aarauer Freisinnigen vom Mittwochabend (siehe auch Artikel rechts), versuchte Meyer, der Parteibasis den Ernst der Lage klarzumachen.

Seine Botschaft: Über den Daumen gerechnet, hat sich die SP in Aarau innert vier Jahren bei den Grossratswahlen von 20 000 auf rund 30 000 Parteistimmen verbessert. Bedeutet ein Plus von satten 50 Prozent. «Wenns so weitergeht bei den Einwohnerratswahlen im Oktober dieses Jahres», sagt Meyer deshalb auf Anfrage auch gegenüber der az, «wirds schwierig für uns Bürgerliche.» Ziel der bürgerlichen Parteien ist es eigentlich ja, die linke Mehrheit im Parlament zu brechen.

Nur: Die Verbündeten der FDP, die bei den Grossratswahlen minim zugelegt hat, sind nicht in Form: Die SVP verlor in Aarau gegenüber 2012 zwei Prozent, die kränkelnde CVP ein halbes Prozent. Zusammen kamen die drei bürgerlichen Parteien auf rund 45 Prozent der Parteistimmen, die Linke auf etwas mehr als 51 Prozent.

Dieses Ergebnis deckt sich fast mit jenem der Einwohnerratswahlen von 2013, allerdings ist die Schere noch ein wenig mehr auseinandergegangen. Die Einwohnerratswahlen lassen sich aber nur schwer zum Vergleich mit jenen in den Grossen Rat heranziehen – dies nicht zuletzt, weil im kommunalen Bereich mit Pro Aarau im linken Lager ein nicht unbedeutender weiterer Player mitmischt.

Höhere Wahlbeteiligung 2016

Michel Meyers plakative Daumenrechnung ist als solche nicht falsch. Rechnet man genauer, hellt sich das Bild aus bürgerlicher Optik nur bedingt auf: In absoluten Zahlen ausgedrückt, hat die SP in der Stadt Aarau 2016 gegenüber 2012 exakt um eindrückliche 9125 Parteistimmen zugelegt – von 19 697 auf 28 822.

Allerdings ist beim Vergleich der absoluten Zahlen zu berücksichtigen, dass die Wahlbeteiligung vor vier Jahren mit 38,6 Prozent deutlich tiefer lag als 2016 (43,4 Prozent). Aber auch wenn man das Resultat von 2016 auf die Wahlbeteiligung von 2012 herunterbricht, ergibt sich immer noch ein Zuwachs von fast 6000 Parteistimmen für die SP in Aarau.

Bei den Grossratswahlen stammen die Kandidierenden zwar aus dem ganzen Bezirk. Von den 16 Namen auf der SP-Liste stammten aber 10 aus der Stadt Aarau. Gewählt wurden vier der Kandidierenden aus der Stadt. Erst auf Rang acht vermochte sich eine Kandidatin aus der Agglomeration zu platzieren. Sprich der Erfolg der SP letzten Herbst in der Stadt war ebenso sehr jener der Stadtpartei. Wenn Michel Meyer hier ein Omen für die kommunalen Wahlen zu sehen befürchtet, hat dies deshalb durchaus seine Logik.