Oberentfelden

«Wir wollen die Wildsäue nicht vergrämen»

Seit 2015 gibt es im Jagdrevier Oberentfelden wieder Wildschweine. Förster und Jäger informierten am Waldgang über den Umgang mit den neuen Waldbewohnern.

Der 20. Oktober 2015 war Stichtag. Die Jagdgesellschaft Tann Oberentfelden erhielt einen Anruf der Polizei: Wildunfall auf der Suhrentalstrasse. «Seitdem haben wir Schwarzwild», sagte Obmann Hanspeter Landis am Samstag beim traditionellen Waldumgang in Oberentfelden. Das ist ein Grund zur Freude. Aber nicht nur.

Im Wiesland können Wildschweine Probleme machen. Sie wühlen ganze Felder um und hinterlassen teils grosse Schäden. «Hier ist Schwarzwild fast ein Schädling», sagte Hanspeter Landis. Bis jetzt ist das Jagdrevier Oberentfelden grösstenteils verschont geblieben. Wer beim Waldumgang genau hinschaute, konnte beim Wallenland dennoch Spuren der neuen Bewohner erkennen.

Nur wenige Meter weiter auf der Wiese ist 2017 ein Schaden von 1200 Franken entstanden. Allerdings bereits ennet der Grenze, im Jagdrevier Kölliken-West, erklärte Hanspeter Landis. Wie viele Wildschweine sich in Oberentfelden und Umgebung tummeln, weiss der Jäger nicht. «Wir haben an verschiedenen Jagdtagen Rotten mit bis zu 16 Tieren gesehen», sagte er.

Jäger haben zu kämpfen

Vier Säue haben Hanspeter Landis und seine Kollegen seit 2015 erlegt. Die Tiere, die bis in die 50er-Jahre in der Schweiz ausgerottet waren, seien schwer zu jagen. Sie hätten einen ausgeprägten Geruchs- und Hörsinn. «Wir lernen noch», so Hanspeter Landis. Zu viele Keiler und Bachen möchten die Jäger ohnehin nicht schiessen. «Wir wollen die Wildsäue nicht vergrämen», sagt er. Ziel sei ein gesunder Bestand, um Schäden möglichst gering zu halten. «Das Schwarzwild ist wieder da. Das ist zuerst einmal erfreulich.»

Freuen können sich die Förster. Im Wald sind Wildschweine ein Segen für die Auflockerung des Bodens. Dieser litt dieses Jahr unter der grossen Trockenheit und Hitze, wie Kreisförster Erwin Städler erklärte. Er betreute einen der vier Posten des diesjährigen Waldumgangs. Urs Gsell, Förster aus Muhen, informierte über die Initiative «Ja für euse Wald».

«Burglind» bringt auch Gutes

Zwischendurch gab es für die rund 70 Teilnehmer etwas zum Anfassen. Revierförster Severin Dommen reichte von Borkenkäfer befallene Stücke von Baumrinde herum. So stürmisch hatte sich der 25-Jährige sein erstes Jahr im Amt nicht vorgestellt. Drei Unwetter fegten durch das Revier Kölliken-Safenwil, zu dem Oberentfelden gehört. Das gab über 14 000 m3 Sturmholz. «In Oberentfelden hat Burglind 100 m3 mehr umgetan als nachwächst», sagte Severin Dommen. Kölliken und Safenwil habe es weit härter getroffen.

Viel ruhiger wird es für den jüngsten Förster des Aargaus wohl auch nächstes Jahr nicht. Mit 4000 m3 Käferholz hat er durch das viele Sturmholz bereits zu kämpfen. Daraus wird noch mehr werden. Doch der Förster will nicht jammern. Severin Dommen: «Für den Wald bedeutet das keinen Schaden. Es sind viele neue Lebensräume für Kleintiere entstanden.»

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