40 Jahre gibt es die Stiftung für Behinderte Aarau-Lenzburg schon. Aber bald wird sie nicht mehr existieren – jedenfalls nicht mehr unter diesem Namen. Das Jubiläum symbolisiert gleichzeitig einen Wandel: Die Stiftung nennt sich nun «Orte zum Leben». «Es wird Zeit», sagt Geschäftsführer Martin Bhend. «Wir sind eine der letzten Institutionen im Aargau, die den Ausdruck ‹behindert› noch im Namen trägt.» Und man wolle die Leute schliesslich «nicht behindern, sondern befähigen». Wie der Festschrift zu entnehmen ist, entstand der Wunsch nach einem Namenswechsel auch bei den Klienten und deren Angehörigen, die den alten Stiftungsnamen «als stigmatisierend und diskriminierend empfunden haben».

Die Stiftung entstand offiziell 1977 aus einer Initiative des «Arbeitszentrums für Behinderte» in Strengelbach heraus. Auch Eltern von Kindern mit Behinderung in der Region Aarau-Lenzburg-Kulm hatten sich gewünscht, dass für diese ein Angebot geschaffen wird, welches sie nach Abschluss der Schulzeit auffängt und ihnen eine Perspektive im Erwachsenenleben gibt.

Heute bietet die Stiftung an den Standorten Lenzburg, Oberentfelden und Staufen insgesamt knapp 170 geschützte Arbeitsplätze (Jahresumsatz: ca. 4 Mio. Franken) sowie 152 Wohnplätze. Die Werkstätten zählen namhafte Firmen zu ihren Kunden. Ein ganz besonderer Auftrag kommt von der Swiss: In der stiftungseigenen Schreinerei in Oberentfelden werden alle Kleiderbügel für die Kunden der Business- und First Class hergestellt. «Neuerdings mit einer Abrutschsicherung, damit die Seidenblusen der Damen nicht vom Bügel fallen», sagt Geschäftsführer Bhend.

Zum Jubiläum öffnet die Stiftung die Türen ihrer drei Standorte. Ein Besuch am kommenden Samstag dürfte sich lohnen. Nicht nur wegen der 23 selbst gemachten Glacesorten, von denen Martin Bhend in den höchsten Tönen schwärmt. Es gibt auch Ansprachen von Regierungsrat Alex Hürzeler (Lenzburg) und Grossratspräsident Benjamin Giezendanner (Oberentfelden), Kinderattraktionen, eine grosse Fotoausstellung, Einblicke in den Alltag sowie Verkaufsstände. Dort kann man Artikel erwerben, die in den Stiftungswerkstätten und Ateliers hergestellt werden: «Wir machen viele Dekoartikel wie etwa Kerzen, aber auch hochwertige Alltagsgegenstände wie Briefkästen, handgewobene Teppiche aus Alttextilien, Tür- und Fenstergriffe, Wildbienenhotels, kreative Nistkästen und vieles mehr. Aus der Hausbäckerei gibts Guetzli oder Konfitüre.»

Jubiläumsfeier: 40 Jahre Orte zum Leben – Tag der offenen Türen in Oberentfelden (Industriegebiet) und Lenzburg/ Staufen (Juraweg/Tiliastrasse/Augustin-Keller-Strasse). Samstag, 23. September, 9 bis 16 Uhr, Apéro um 11.30 Uhr.