Noch beliebter als Rüebli sind am Aarauer Rüeblimärt nur eines: die schönen Dekorationen. In einer Online-Umfrage kürten die AZ-Leser gestern das Rüeblirad zum Star des diesjährigen Markts.

Beim Eingang lachten einen Spitzkohl-Buben mit Rüebli-Ohren an, weiter vorne stand der mit Rüebli geschmückte Federkohl-Baum und nur wenige Stände weiter hingen himmlische Rüebli in den Lüften. Auf «Oh!» und «Lueg mol do!» der Besucher folgten das Zücken des Smartphones, das Knipsen des Fotos.

Es ist Rüeblimärt in Aarau, aber: «Die Leute kommen ja nicht nur wegen den Rüebli»

Nach den Rüebli ist am Rüeblimärt in Aarau vor allem eines weit verbreitet: das Smartphone. Damit schiessen die Besucher reihenweise Fotos von den originellen Deko-Ideen der Standbetreiber. Diese sind sich einig: Wer seinen Stand nicht dekoriert, gehört nicht an den Rüeblimärt.

«Als Standbetreiber gehört es dazu, dass man dekorativ etwas macht», sagte Michael Käser von Käsers Schloss aus Elfingen. Den Federkohl-Baum hat seine Mutter Franziska geschmückt. Das Gestell hat Vater Ruedi extra für den Rüeblimärt geschweisst und mit Nägeln versehen. Für das typische Märt-Bild geben die Verkäufer alles. Durchzechte Bastelnächte inklusive. Andrea Muntwyler-Morgenthaler aus Hirschthal findet: «Das ist einfach Rüeblimärt.»

Und den Besuchern gefällts. Für Bilder der besten Motive stehen viele sogar Schlange, erzählte Susanne Grenacher. Für ihren Stand mit Steinsäckchen bastelte sie Mobile aus Schwemmholz, Laub und natürlich Rüebli. «Sehen Sie, da kommen schon wieder Leute, um Fotos zu machen», sagte Susanne Grenacher schmunzelnd.

Wer kann Kunst aus einem Rüebli machen?

Wer kann Kunst aus einem Rüebli machen?

Im asiatischen Raum werden oft aus Lebensmitteln Kunstwerke gezaubert. Tele M1 hat auf dem Rüeblimärt in Aarau getestet, welche Formen die Besucher machen können.

«Alle haben schöne, wir die wüsten»

Der Star war gestern das Rüeblirad von Hansueli Furrer aus Schongau LU. 31 Prozent stimmten in der AZ-Umfrage für das selbstdrehende Kunstwerk mit einem Mosaik aus über tausend Rüebli-Scheiben der Sorten Schneewittchen, Deep Purple, Nutri Red, Küttiger und original Rüebli. «Der Motor ist aus einer Bohnenlesemaschine», erzählt Hansueli Furrer. Nach dreizehn Jahren weiss der Landwirt, was den Rüebli-Liebhabern gefällt. Auch der von ihm und seinem Team gebastelte Schmetterling kam in die Kränze. Die Mühe scheint sich zu lohnen: «Wir verkaufen an unseren fünf Ständen rund drei Tonnen Rüebli.»

Weniger schön und gerade deshalb ein Blickfang waren die krummen Charakter-Rüebli der Kölliker Jodler. «Alle haben schöne Rüebli. Wir haben die Wüsten», sagte Sepp Dahinden lachend. Er lasse vom Bauern jedes Jahr eine Kiste «verdrehte Sieche» für die Rüeblimärt-Deko zur Seite legen. Den anrüchigen Spitznamen, den sie den orangen Knollen geben, wollten die Jodler nicht verraten.

Doch der 37. Rüeblimärt war längst nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für den Gaumen. Zu kaufen gab es Rüebli-Tee, Rüebli-Konfi, Rüebli-Zopf, Rüebli-Ravioli, Eingelegte Rüebli, Rüebli-Brot, Rüebli-Essig und Rüebli-Schnaps. Auf die Frage einer Kundin, welches Gemüse denn im Fleischkäse sei, schmunzelte Metzger Walter Schneider aus Möriken.

«Wir verhindern ein Beizlifest»

Schon bevor der Markt offiziell begonnen hatte, verwandelte sich Aarau in die Rüebli-Stadt. Vor den beliebtesten Ständen bildeten sich schon um kurz nach sieben Uhr die ersten Schlangen. Aus dem Rucksack einer Passantin wuchs keck das grüne Rüeblikraut und schwang bei jedem Schritt mit. Knirpse im Kinderwagen knabberten zum Frühstück an Möhren und Karotten. «Alles mit Rüebli ist besonders beliebt. Die Leute fragen wirklich danach», sagte Claudia Dubach, die am Stand des Schlosses Biberstein auch rüeblifreie Produkte feilbot.

Nicht nur bei Aarauern ist der Rüeblimärt heiss begehrt (siehe Umfrage). Das freut den Erfinder Walter Käser (66, Erlinsbach). «In den Anfangsjahren war der Rüeblimärt einfach mit nur ein paar Ständen.» Damals sei der Ansturm so gross gewesen, dass es am Mittag fast keine Rüebli mehr gab. «Von der Qualität her sind wir heute besser als der Zibelemärit», ist Käser überzeugt. Man strenge sich an, möglichst viele Gemüse-Stände zu haben. «Wir wollen mit allen Mitteln verhindern, dass der Rüeblimärt ein Beizenfest wird.» Die Rüebli sollen Stars bleiben.

Der Rüeblimärt hat Fans in der ganzen Schweiz. Klicken Sie sich durch die Bilder und lesen Sie die Erfahrungen der Besucher: