Was hat Kaugummi mit dem Weizenfeld zu tun? Was ein Sonnenblumenfeld mit Hexen? Und was hat eine Räuberfalle im Rapsfeld verloren? Fragen über Fragen – und das an ungewöhnlichem Ort, inmitten blühender Blumenwiese und dem scharfen Geruch von Bärlauch in der Nase. Verantwortlich für das Rätselraten an Küttiger Feldrändern ist Landwirt Ueli Geier. Er hat die weissen Pfosten mit den augenfälligen Schlagwörtern vor gut zehn Tagen aufgestellt, gemeinsam mit dem Erlinsbacher Kollegen Michael Gugger.

Lockpfosten werden sie genannt, diese augenfälligen Pfeiler, eine landesweite Aktion des Schweizerischen Bauernverbandes und des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes. Locken tun sie tatsächlich, diese ungewöhnlichen Begriffe. Die Erklärung bekommt, wer an den Pfosten herantritt und den Text in kleiner Schrift liest. So wie beim Kaugummi am Weizenfeld: Da wird erklärt, dass in der Milchreife aus grünen Weizenkörnern beim Zerdrücken zwischen den Fingern ein milchiger Saft austritt, das Korn ist wie ein Kaugummi zu kauen. Brechen die Körner glasig, ist bald Erntezeit.

Früher wussten alle Bescheid

«Wir leisten mit diesen Lockpfosten Aufklärungsarbeit», sagt Geier. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Arbeit eines Landwirtes. «Aufklärungsarbeit gehört zum Alltag eines Bauern dazu, genauso wie das Melken der Kühe oder das Ernten der Felder», sagt der Landwirt und erklärt auch gleich, warum: «Früher hatte praktisch jeder einen Bezug zur Landwirtschaft, jeder hatte einen Grossvater oder zumindest einen entfernten Cousin, der einen Betrieb hatte; wenn kein Profibetrieb, so doch wenigstens als ‹Rucksäcklibuur› mit einer Kuh und zwei Geissen im Stall.»

Seit Generationen auf dem Markt

Diese Zeiten sind vorbei. Und damit verschwindet auch das Wissen rund um die Landwirtschaft. Etwas, das Ueli Geier und Bruder Hans nicht nur auf ihrem Hof rund um den Hofladen erleben, sondern auch auf dem Wochenmarkt in Aarau, wo die Geiers seit drei Generationen jede Woche ihre Produkte verkaufen. «Die Leute wollen zum Beispiel immer öfter wissen, woher ihr Produkt kommt, haben Fragen zu Pflanzenschutz und Düngung, oder kommen mit Anliegen zur Tierhaltung», sagt Ueli Geier. Antworten, die die Familie und ihre Berufskollegen gerne geben. Direkt von Angesicht zu Angesicht – oder nun eben mit den Lockpfosten.

Pfosten stehen bis im Herbst

Die Pfosten stehen bei Geiers neben Feldern für Raps, Sonnenblumen, Weizen sowie bei der Obstanlage, beim Bienenhäuschen auf der «Chüerüti», an der Weide mit Milchkühen beim «Solzerthof» und auf dem Egghübel, mit bestem Blick über die Region und hinauf bis weit in die Täler hinein. An diesen sieben Standorten stehen die Pfosten bis im Herbst. Wer es bis dann nicht nach Küttigen schafft, dem sei verraten, was Hexen mit Sonnenblumen und eine Räuberfalle mit Raps zu tun hat: Johanniskraut, eingelegt in kalt gepresstes Sonnenblumenöl, soll bei Hexenschuss heilen. Und die Räuberfalle ist der Rübsen: Sät der Bauer zwei Prozent Rübsen in den Rapsbestand, lockt dieser den Glanzkäfer an, ein gefrässiger Rapsräuber. Weil die Rübsen früher blühen als der Raps, frisst der Käfer die Rübsen – und der Raps ist gerettet.