Wer denkt, eine 2-er-Patrouille der Bürgerwehr in Hirschthal zu begleiten sei gefährlich, der täuscht sich. Es gab zwar ein kleines Schockerlebnis für den Journalisten. Das aber nur, weil es äusserst eisig war und er wegen des schlechten Schuhwerkes beinahe hinfiel - sehr zur Belustigung der Anwesenden. Ansonsten verlief die Tour durch das Dorf für die Patrouille wie gewohnt.

Einbrüche stiegen in den 90-er Jahren an

Noch bevor der Fotograf und der Journalist sich mit den beiden Feuerwehrleuten auf den Weg machen, erklärt Gemeindeammann Peter Stadler, weshalb es in Hirschthal seit 15 Jahren eine Bürgerwehr gibt: «In den Jahren 1995 bis 1997 gab es in unserer Gemeinde massive Einbruchserien.» Die Einbrüche stiegen von fünf auf acht bis zu zwölf 1997.

«Wir sagten im Gemeinderat, dass es so nicht weitergehen kann. Die Bevölkerung war verunsichert, man hatte Angst, man musste immer mit dem Schlimmsten rechnen», schaut Stadler zurück.

Die Einbrüche erfolgten dabei immer am Abend. Und in Hirschthal sei man halt in einer speziellen Lage - in der Nähe der Autobahn. «Es hat viele Einfamilienhäuser und ist sehr übersichtlich. Das macht die Erkundung für Einbrecher einfach, man fällt nicht auf.» Also entschied man sich, eine Bürgerwehr einzuführen.

Feuerwehr-Einsatz ist kostengünstig

Schnell wurde klar, dass die Variante mit der Feuerwehr als Durchführer kostengünstig ist und tadellos funktioniert. So machen sich Fotograf und Journalist mit den Feuerwehrleuten Dave Bolliger (24) und Remo Hauri (20) auf den Weg. Insgesamt machen 27 Feuerwehrleute bei der Bürgerwehr mit.

«Wer nicht will, muss nicht mitmachen, es gibt keine Pflicht», erklärt Bolliger. Er und Hauri sind an diesem Abend zum ersten Mal gemeinsam unterwegs, obwohl sie seit vier respektive drei Jahren auf Patrouille gehen. «Pro Saison geht jeder etwa zwei Mal auf Tour. Für uns beide ist es jetzt schon das zweite Mal», sagt Hauri. Die Saison dauert jeweils von November bis März.

«Wo gehen wir durch? Links oder rechts?», fragt Bolliger Hauri. Sie entscheiden sich für links. Denn die Route ist ihnen nicht vorgeschrieben. Sie sollen eine Tour durch das Dorf absolvieren, welche rund zwei Stunden dauert.

Auf dem Weg fragt der Journalist, ob sie denn schon einmal etwas Auffälliges oder Spannendes beobachtet haben. «Nein, es war bisher immer ruhig», kommt es zurück. «Wir haben halt ein ruhiges Dorf», sagt Hauri. Und weiter: «Die Patrouille ist eine einfache Aufgabe und man kann dabei gut miteinander diskutieren.»

So sprechen sie während der ganzen Tour miteinander, tauschen Informationen aus unterhalten sich bestens. Trotzdem behalten sie ihren Auftrag im Auge. Sie leuchten mit den starken Taschenlampen Häuser, Garagen, Einfahrten, Abhänge und Wiesen an.

Nicht viele Reaktionen aus der Bevölkerung

Die Gruppe läuft hoch und wieder runter und plötzlich stellt Hauri fest: «Hier sind wir ja in einer Sackgasse.» Also geht es wieder zurück, aus dem Dorf raus, ein wenig aufs Land und wieder zurück in die Wohngebiete. So kontrollieren sie selbst abgelegene Stellen. «Wir bekommen nicht viele Reaktionen auf die Patrouille von der Bevölkerung. Das dringt wohl eher direkt zum Gemeinderat vor", sagt Hauri.

Nach rund 100 Minuten der Tour kehren die beiden im Restaurant Traube in Hirschthal ein. Hier bekommen sie jeweils ein Getränk spendiert. Der Chef der Traube ist dankbar für die Bürgerwehr und gibt daher gerne etwas zu trinken aus. «Er lieferte der Feuerwehr auch schon Pizza mitten in der Nacht. Zum Beispiel bei der Überschwemmung 2010», sagt Bolliger.

Nach einer viertelstündigen Pause geht es weiter. «Wir halten nicht nur Ausschau nach Einbrecher, sondern auch nach Gesindel», sagt Hauri.

Doch an diesem Abend bleibt alles ruhig, auch am Bahnhof und beim Friedhof. «Hirschthal ist auch nicht so gross", meint Bolliger, als die Gruppe nach rund zwei Stunden wieder am Ausgangsort, dem Feuerwehrmagazin, eintrifft. Nach getaner Arbeit genehmigen sich die beiden ein Bier und einen sauren Most und sitzen noch zusammen. „Wenn wir während der Patrouille einen Ernsteinsatz mit der Feuerwehr hätten, hätte dieser natürlich Vorrang", sagt Hauri. Währenddessen trägt Bolliger im Journal ein, dass es keine Vorkommnisse gab.
Gemeindeammann Stadler ist vom Erfolg der Patrouille überzeugt. „Das Ergebnis ist frappant. In den 15 Jahren mit Bürgerwehr gab es insgesamt nur noch vier bis fünf Einbrüche, das ist eine Erfolgsstory." Und die Feuerwehrleute sind jeweils motiviert. Hauri und Bolliger machen den Job offensichtlich gerne. Sie bekommen für einen Abendeinsatz 37 Franken Sold - und sind zufrieden damit.