Auf das Kulturprojekt «Alte Reithalle» kommen nun die entscheidenden Tage zu. Am 8. September wird das Projektteam dem Steuerungsausschuss den Abschlussbericht mit dem fertigen Projekt vorlegen. Bis dann sollen etwa Fragen der Akustik und der Bühnentechnik geklärt sein.

Es soll auch eine definitive Kostenrechnung vorliegen. Die Vorgaben haben sich in den letzten Monaten nicht verändert. Das schweizweit einzigartige Mehrspartenhaus soll in der Investitionsphase maximal 20 Millionen Franken kosten. In der Betriebsphase werden es jährlich 1,75 Millionen Franken sein.

Wie die Alte Reithalle nach der Sanierung aussehen soll. Visualisierung: Atelier Barão-Hutter

Wie die Alte Reithalle nach der Sanierung aussehen soll. Visualisierung: Atelier Barão-Hutter

«Es ist möglich, damit jährlich 170 Veranstaltungen durchzuführen», erklärt Peter Jakob Kelting, der Chef des Theaters Tuchlaube. Die Volksabstimmung in Aarau soll am 10. Juni 2018 stattfinden. Der Baustart ist für Ende 2019 geplant – immer unter der Voraussetzung, dass in der Einsprachephase nicht plötzlich grosse Opposition entsteht.

«Schlüssel zum Kasernenareal»

Im Januar ist die SVP mit ihrem Versuch, dem Kulturprojekt «Alte Reithalle» vorzeitig ein Ende zu bereiten, schon in der Frühphase gescheitert. Sie brachte nicht einmal die knapp 1400 Unterschriften für eine Referendumsabstimmung über den 1,2-Mio.-Kredit für die Projektierung zusammen. Das gab den Initianten Rückenwind.

Aufbruchstimmung war auch an einer Informationsveranstaltung zu spüren, an der sich diese Woche alle Beteiligten austauschten. So betonte etwa Jordy Haderek vom Aargauer Kuratorium: «Das ganze Kuratorium steht hinter diesem Projekt.» Und Architekt Martin Steinmann betonte: «Die Reithalle ist der Schlüssel zum Kasernenareal.»

Alte Reithalle Aarau

Alte Reithalle Aarau

Die Halle wird über 600 Plätze haben. Steinmann hofft, dass nach 2030, wenn das Militär die Kaserne verlassen hat, vor der Reithalle der angestrebte Platz, die Piazza, entsteht.

Dass der Theater- und Musikbetrieb in der «Alten Reithalle» funktionieren kann, hat sich in den letzten sieben Jahren jeweils während der Sommermonate gezeigt: Es gab einen stetigen Zuwachs. 2011 kamen gegen 500 Personen, diesen Sommer gegen 9000 alleine zu Theater-, Tanz-, Zirkus- und Musikveranstaltungen. Dazu werden an der Designmesse «in&out» etwa 500 Besucher erwartet.

Argovia Philharmonic als Mieter

Für den Betrieb der «Alten Reithalle» sollen die Organisationen des Theaters Tuchlaube, der Theatergemeinde Aarau und des Fabrikpalasts zusammengelegt werden. Die Vorbereitungen für die Gründung der Trägerschaft sind weit fortgeschritten. Der Steuerungsausschuss wird sich im September mit der Trägerschaftsfrage intensiv auseinandersetzen. Angedacht ist die Gründung eines Vereins.

Nicht Teil der Trägerschaft ist das Argovia Philharmonic, das die «Alte Reithalle» aber an 40 bis 50 Tagen für Konzerte und Proben mieten wird. Warum sucht sich das Orchester mit der «Alten Reithalle» nun eine feste Heimat? «Wir haben als Symphonieorchester bisher keinen Raum, in dem wir uns als Klangkörper entwickeln können», erklärte Christian Weidmann, Intendant des Argovia Philharmonic. Gleichzeitig betonte er: «Die Reithalle würde unser Zuhause – aber wir blieben ein kantonales Orchester.»

«Fünf Millionen an Drittmitteln»

Das Gebäude «Alte Reithalle» würde künftig der Stadt gehören, der Kanton gibt es für 35 Jahre im Baurecht ab (die Stallungen werden vom Kanton gemietet). Die Halle soll in erster Linie für Theater, Tanz, Musik und Zirkus da sein. Vorgesehen sind auch Fremdnutzungen. «Es wird keine Mehrzweckhalle», betonte Stadtrat Hanspeter Hilfiker. Zur Finanzierung der Investitionskosten von 20 Millionen Franken erklärte er: «Unser Ziel ist es, fünf Millionen Franken an Drittmitteln zu organisieren. Den Rest übernehmen je zur Hälfte die Stadt und der Kanton.» Von den Drittmitteln sind drei Millionen bereits zugesichert: von der Aargauischen Kantonalbank (AKB). Allerdings unter der Bedingung, dass bis Ende 2019 mit dem Bau begonnen wird.

Hoher Zeitdruck

Stimmt der Aarauer Souverän der Reithalle im Juni 2018 zu, werden also nur anderthalb Jahre für das Baubewilligungsverfahren zur Verfügung stehen. Das ist eine Herausforderung. Weil es um die Reithalle herum nur relativ wenige Wohnungen hat, gehen die Initianten aber davon aus, dass die Einsprachegefahr nicht allzu gross ist. Und was passiert, wenn das Volk Nein sagt? «Wir haben keinen Plan B», erklärt Projektkoordinator Hanspeter Thür.

Er ist optimistisch, dass es nicht so weit kommt. Unter anderem weil es klare Aussagen zu den Betriebskosten gibt. Diese sollen bei 1,75 Millionen Franken pro Jahr liegen. Neben den Billetterträgen und Fremdvermietungen werden die Stadt und der Kanton je die Hälfte übernehmen. Damit läge der Beitrag der Stadt bei rund 530 000 Franken – ein Betrag in der Grössenordnung, wie ihn die Stadt heute bereits für den Theaterbereich ausgibt. Ein wichtiger Trumpf für die Reithallen-Befürworter. Thür betonte an der Informationsveranstaltung: «In Aarau hat ein Projekt, bei dem im Betrieb zusätzliche Ausgaben entstehen, politisch keine Chance.»