Bahnhofs-Krawall in Aarau
«Wir haben jährlich drei Millionen Kosten wegen Fanzügen»

Nach der Schlägerei zwischen Fussball-Hooligans am Bahnhof Aarau rechnet die Kantonspolizei Aarau mit schwierigen Ermittlungen in der Fanszene. Und die SBB beklagt sich über die Kosten, die Vandalen ständig verursachen.

Nik Dömer
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Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.
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Die Gruppe flüchtet nach dem Eintreffen der Polizei über die Gleise.
Schlägerei am Bahnhof Aarau
Es kam zu Verspätungen im Zugverkehr.

Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.

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Laut Bernhard Graser von der Kantonspolizei lasse dieses Ereignis aufhorchen: «Dieser Vorfall ist schwerwiegend und nicht zu vergleichen mit einer einfachen Kneipenschlägerei oder ähnlichem.» Dass sich Fans ausserhalb eines Spiels zu einer Schlägerei treffen, sei aussergewöhnlich. Die Polizei rechnet mit schwierigen Ermittlungen. «Denn die beiden Fanlager», so Graser, «werden wenig Interesse daran haben, mit der Kantonspolzei zu kooperieren».

Die Polizei geht davon aus, dass sich FCZ- und FCA-Fans zur Schlägerei beim Bahnhof Aarau verabredet hatten. Fans, die mit dem Extrazug von Sion nach Zürich zurückfuhren, zogen in Aarau die Notbremse. Darauf kam es zur Massenchlägerei kurz nach 23 Uhr.

Nach der Prügelei konnte die Polizei die Personalien von einem 17- und 20-Jährigen aus der Region aufnehmen. Die Befragungen haben noch nicht stattgefunden. Weitere Hinweise gibt es bisher nicht. Das Verfahren wird laut Bernhard Graser noch einige Tage dauern und kostet die Polizei «unnötige Kräfte», die eigentlich anders gebraucht werden könnten.

Haftung für Klubs politisch gescheitert

Die ganze Aktion sorgte für Zugsverspätungen. Die Strecke zwischen Aarau und Rupperswil war für sechs Minuten unterbrochen. Mediensprecher Daniele Pallecchi betont: «Es ist schwierig, einen konkreten Schadensbetrag für die Verspätung zu nennen. Im Zug selber sind uns keine Schäden bekannt. Solche unnötigen Verzögerungen sind jedoch ärgerlich für unsere Kunden. Wir haben jährlich gegen drei Millionen ungedeckte Kosten wegen Fanzügen. Die ausgelöste Notbremse ist ein Offizialdelikt und wird von Amtes wegen angezeigt.»

Zu kämpfen haben die SBB auch mit Fans, die sich in regulären Zügen unter Passagiere mischen und Schäden anrichten. Der Bundesrat wollte das Personenbeförderungsgesetz ändern. Somit hätte man Fangruppen verpflichten können, statt den fahrplanmässigen öffentlichen Verkehr spezielle Fanzüge oder Fanbusse zu benutzen. Weiter hätte man Klubs durch die Einführung einer Haftungsbestimmung unter gewissen Voraussetzungen für Schäden ihrer Fans zur Rechenschaft ziehen können. Doch der Nationalrat lehnte die Vorlage im September ab.

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