Aarau
«Wir haben Fragen» — Piraten-Lokalpartei entert Stadtpolitik

Die neu gegründete Piraten-Ortspartei will bei lokalen Themen mitreden. Sie stellt unter anderem in Frage, ob der Mehrwert von Projekten wie der Umbau der Reithalle, im Verhältnis zu den damit anfallenden Kosten steht.

Nadja Rohner
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Der Vorstand der neuen Aarauer Piratenpartei: Markus Amsler, Angelo Puma, Dominic Zschokke (v.l.).

Der Vorstand der neuen Aarauer Piratenpartei: Markus Amsler, Angelo Puma, Dominic Zschokke (v.l.).

Die Stadt Aarau hat jetzt eine Piraten-Lokalpartei. Sie wurde am 16. Januar von der Kantonalpartei gegründet. Dem dreiköpfigen Vorstand der Piratenpartei Aarau gehören Unternehmer Angelo Puma (Leitung) sowie Solaranlagenbauer Markus Amsler und Lehrer Dominic Zschokke an. Amsler und Puma sind aktuell auch im Vorstand der Kantonalpartei, Zschokke war einst deren Präsident.

«Wir haben Fragen»

Die neu gegründete Ortspartei will «vermehrt auf lokale Themen Einfluss nehmen» und «mit der hiesigen Bevölkerung in Kontakt treten», wie sie mitteilt. «Zu einigen Vorkommnissen in dieser Stadt haben wir Fragen, und die werden wir auch stellen und Antworten fordern.»

Auf Nachfrage der AZ nennen die Piraten den Stadion-Neubau im Torfeld Süd oder auch der Umbau der Reithalle als konkrete Themen: «Die zentrale Frage ist, ob der Mehrwert solcher Projekte in einem Verhältnis zu den Kosten steht.»

Man wolle «vermeiden, dass solche Projekte zu einem Fass ohne Boden werden». Grossprojekte in Aarau seien jedoch auch geeignet, «die Attraktivität des Standortes zu festigen oder gar zu erhöhen». Deshalb wolle die Piratenpartei Aarau «sinnvolle Projekte durchaus unterstützen».

Piraten wollen WLAN

Weiter planen die Piraten, ein «offenes, dezentrales und mit VPN ab Router verschlüsseltes Internet auf der Basis von Freifunk in der Stadt Aarau anzubieten». Im Gegensatz zu dem von der Eniwa (früher IBAarau) betriebenen WLAN «Aarau Freenet», sollen dabei keine Daten über Geräte oder Standorte von Nutzern erfasst werden, betonen die Piraten.

«Datenschutz und Schutz der Privatsphäre sind das zentrale Anliegen der Piratenpartei. Dies ist im Gegensatz zur grassierenden Datensammelwut von Konzernen und Staaten ein konsumenten-freundliches, bürgernahes Anliegen.»

Der Gründungszeitpunkt ist – je nach Sichtweise – ungünstig: Einerseits sind die Einwohnerratswahlen gerade über die Bühne gegangen, die Sitze für die nächsten vier Jahre verteilt. Andererseits haben die Piraten jetzt dreieinhalb Jahre Zeit, um sich einen Namen zu machen. «Eine Beteiligung an Wahlen setzt sich die Lokalsektion als mittelfristiges Ziel», heisst es denn auch vonseiten des Vorstandes. Und: «Positionen zu einzelnen Vorlagen werden in naher Zukunft formuliert und kommuniziert.»

Noch hat die Partei «weniger als zehn Mitglieder». Man verspreche sich jedoch «reges Wachstum» in der Kantonshauptstadt. Zielgruppe ist «ein junges, an Technologie interessiertes Publikum»: Geplant sind unter anderem öffentliche Veranstaltungen, bei denen es darum gehen soll, «aktuelle Themen aus dem Bereich der Technologie und Telekommunikation im Bezug auf Sicherheit und Datenschutz zu thematisieren».