Aarau
«Wir haben die Geduld verloren»: Gewerkschafter kritisieren Lohnungleichheit

An der 1.-Mai-Feier in Aarau stehen «Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit» und 100-jährige, noch unerfüllte Forderungen im Mittelpunkt.

Ueli Wild
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1. Mai in der Stadt Aarau.
16 Bilder
Passanten im Waldmeier verfolgen die Demostration vom Balkon aus.
Passantin an einem der zahlreichen Infostände.
Passanten verfolgen den Umzug zur 1. Mai Feier.
1. Mai 2018 in Aarau
Demonstrant während der 1. Mai Feier.
Die Polizei hatte einen ruhigen Abend und hielt sich im Hintergrund.
Die Demo verlief friedlich.
1. Mai in der Stadt Aarau. 1. Mai Feier und Umzug unter dem Motto "Lohngleichheit. Punk. Schluss!", welcher am Holzmarkt in der Aarauer Altstadt startete und dort eine Runde drehte.
Ein Demonstrant am Umzug.
1. Mai in der Stadt Aarau. 1. Mai Feier und Umzug unter dem Motto "Lohngleichheit. Punk. Schluss!", welcher am Holzmarkt in der Aarauer Altstadt startete und dort eine Runde drehte.
Eine Demonstrantin mit einer Pfeiffe.
Der Umzug formiert sich.
Der Umzug setzt sich in Bewegung.
Letzte Proben vor dem Umzug.
Renato Mazzocco, Sekretär des Aargauischen Gewerkschaftsbundes (AGB) koordiniert die Aarauer 1.-Maifeier.

1. Mai in der Stadt Aarau.

Claudio Thoma

Spontanen Applaus gab es an der Aarauer 1.-Mai-Feier auf dem Holzmarkt zum ersten Mal, als Gabriela Medici, die neue Generalsekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) im Bereich Sozialversicherungen, sagte: «Wir haben die Geduld verloren – wir wollen Lohngleichheit. Punkt. Schluss!» Es war dies das Motto, unter das der SGB die Maifeiern 2018 gestellt hatte.

Medici griff zurück auf die Geschichte der schweizerischen Arbeiterschaft, auf den Landesgeneralstreik vor 100 Jahren und auf die damals erhobenen Forderungen, die teilweise erfüllt sind – teilweise auch nicht. Um 1900, sagte Medici, habe ein Frauenlohn rund 55 Prozent eines Männerlohns ausgemacht. Und heute betrage die Differenz im Schnitt immer noch 18 Prozent. Wobei der Unterschied zur Hälfte nicht erklärbar sei. Medici rief dazu auf, sich an den Kämpfen der Vorfahren zu orientieren. «Von ihnen können wir lernen, dass die soziale Sicherheit nicht vom Himmel fällt.»

Rebekka Wyler, seit gestern neue Generalsekretärin der SP Schweiz, hielt in ihrer Heimatstadt Aarau ihre erste 1.-Mai-Rede. Auch sie griff auf 1918 zurück – und auf die unerfüllten Forderungen von damals. Noch immer fehle zum Beispiel ein gerechtes Steuersystem. Im Generalstreiksjahr hatte das Rezept «Tilgung der Staatsschulden durch die Besitzenden» geheissen. Auch Wyler kritisierte, dass die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt – übrigens im Forderungskatalog von 1918 noch nicht enthalten – seit rund 40 Jahren in der Verfassung verankert und doch immer noch nicht Realität sei.

Als dritte Rednerin knüpfte sich Mia Jenni, neue Co-Präsidentin der Aargauer Juso, «die vor allem von Männern gemachte bürgerliche Politik» im Kanton Aargau vor. Die Teilnahme am Steuerwettbewerb, so Jenni, habe bloss dazu geführt, dass in der Staatskasse nun mehrere hundert Millionen Franken fehlten. Diese neoliberale Politik steuere «direkt auf den gesellschaftlichen Abgrund zu», erklärte Jenni. Und: Den Frauen habe man die Fachstelle für Gleichberechtigung genommen. 450 Personen hätten dagegen protestiert, was zeige, dass die Bevölkerung von der Abbaupolitik genug habe.