Leben in Aarau

Willkommen, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer – wir brauchen euch!

Die Firma Rockwell Automation schliesst die Produktion in Aarau. (Archiv)

Die Firma Rockwell Automation schliesst die Produktion in Aarau. (Archiv)

In der aktuellen Folge ihrer Kolumne «Leben in Aarau» ruft Martina Suter dazu auf, Firmen nicht mit immer neuen Gesetzen und unzähligen Regulierungen zu belasten.

Ferienzeit ist Reisezeit. Und so war ich diesen Sommer oft in der schönen Schweiz unterwegs, fast ausnahmslos mit dem Zug, versunken in die vorbeiziehenden, traumhaften Landschaftsbilder. Die knisternden Verpackungen von Esswaren oder das Musikhören der Mitreisenden werden durch die schönen Ausblicke ausgeblendet. Aber das ungewollte Mithören von Telefongesprächen und Konversationen im Nebenabteil lässt sich nicht immer vermeiden. In entspannter Ferienlaune fand ich es manchmal sogar amüsant und inspirierend, in welche privaten und geschäftlichen Themen ich unbeabsichtigt und ungefragt involviert wurde. Die Ohren spitzen musste ich, als sich eine adrette Dame über ihren Wohn- und Arbeitsort austauschte. Schnell wurde nämlich klar, dass sie in Aarau zu Hause ist. Meine volle Aufmerksamkeit war ihr gewiss. Ihr Gespräch zwischen Olten und Bern kann etwa so zusammengefasst werden:

«Der Schock sass tief, als die Firma Rockwell letztes Jahr die Schliessung der Produktion in Aarau ab 2019 bekannt gab. Mit der Begründung, dass in der Kantonshauptstadt nur noch verlustbringend produziert werden könne. Regierungsrat, Stadtrat, Gewerkschaften, das Amt für Wirtschaft und Arbeit engagierten sich intensiv für eine Schadenbegrenzung. Als Ausdruck grosser Empörung wurden zudem im städtischen und kantonalen Parlament Vorstösse eingereicht. Staatlicher Eingriff wurde gefordert.

Mitunter sind es die gleichen Personen, die sich darüber empören, wenn eine Unternehmung sehr profitabel ist. Dann ist die Rede von unliebsamen Profitmaximierern, von Unternehmern, denen jegliches Gemeinwohl-orientiertes Handeln abgesprochen wird. An der Gewinnorientierung wird kein gutes Haar gelassen. Gewinn erzielen heisst doch aber, dass das Unternehmen jene Produkte und Dienstleistungen anbietet, die der Käuferschaft von Nutzen sind und somit gekauft werden. An diesem Schaffen von Mehrwert kann doch nichts falsch sein. Wer aber die Bedürfnisse von Kunden zu lange falsch einschätzt oder ineffizient organisiert ist, wird zwangsläufig Verluste machen.»

Nun wurde die Stimme der im Abteil neben mir Reisenden lauter. «Warum wird immer öfter verteufelt und negiert, dass unternehmerische Tätigkeit und Gewinne machen eine unabdingbare Notwendigkeit für eine prosperierende Gesellschaft sind? Wer sonst soll denn die Steuern bezahlen, mit welchen wir Infrastruktur, Kultur und Wohlfahrt finanzieren?»

Mein Zielort war erreicht, und ich musste leider aussteigen. Kaum zu Hause, suchte ich in den Aktenbergen den aktuellen Politikplan. Ich ging durch die lange Liste von Projekten, Vorschlägen und Ideen, wie unsere Stadt in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden soll. Ich fragte mich, ganz wie meine Mitreisende, wie das alles bezahlt werden soll. Es kann nicht sein, dass jene, die heute schon den Grossteil der Steuern aufbringen, noch mehr zur Kasse gebeten werden. Nein, wir brauchen neue Steuerzahlende und neue profitable Unternehmen. Und so lese ich denn auch in den Legislaturzielen des Stadtrates «Die Stadt und die Region Aarau positionieren sich als attraktive Standorte für Unternehmen aus bestehenden und neuen Branchen».

Erfreulich für alle! In der Vergangenheit jedoch wurden Firmen mit immer neuen Gesetzen und unzähligen Regulierungen belastet. Das Wirtschaften aber muss sich lohnen! Nur dann werden Unternehmen den hohen Lebensstandard in unserer attraktiven Stadt weiterhin mittragen, Kultur- und Sportanlässe unterstützen sowie Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen.

Martina Suter (54) ist Unternehmerin, FDP-Einwohnerrätin und -Fraktionspräsidentin sowie Vizepräsidentin des Kreisschulrats Aarau-Buchs.

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