Aarau

Wildparkierer: Der Schulhausabwart muss seine Lehrerkollegen büssen

Der Parkplatz des Schulhauses Gönhard: Erlaubt sind acht Autos, parkiert sind mehr – trotz drohender Busse.

Der Parkplatz des Schulhauses Gönhard: Erlaubt sind acht Autos, parkiert sind mehr – trotz drohender Busse.

Die Stadt Aarau greift durch: Wer bei der Schule Gönhard wild parkiert, zahlt 40 Franken

Wer auf dem provisorischen Lehrerparkplatz des Schulhauses Gönhard parkiert und dies ausserhalb der markierten Parkfelder tut, muss neuerdings 40 Franken zahlen. Diese 40 Franken, sozusagen eine Busse, gelten als Umtriebsentschädigung. Löst sich damit das Problem der wild parkierten Autos auf dem Gönhard-Parkplatz?

Zur Erinnerung: Im August 2014 ist der Pausenplatz 3 des Schulhauses Gönhard zum provisorischen Parkplatz umfunktioniert worden. Im März dieses Jahres gaben über hundert Primarschüler ihre Unterschrift gegen diese Umnutzung. Wenig später standen Betonklötze auf der westlichen Seite des Parkplatzes, damit zumindest dort keine Autos mehr hingestellt werden können. Einen Teil des Platzes haben sich die Kinder also schon zurückerobert. Zudem dürfen sie die Pause auch in der Turnhalle verbringen.

Doch damit ebbte die Diskussion um den Parkplatz nicht ab. Nur acht Parkfelder sind eingezeichnet, regelmässig waren aber mehr als doppelt so viele Autos dort parkiert. Seit Mitte April werden die fehlbaren Autofahrer gemassregelt. Die Abteilung Finanzen und Liegenschaften der Stadt hat den Schulhausabwart dazu angewiesen.

Unmut bei Lehrern wächst

Zudem hatte die Schulleitung die Lehrer ermahnt, sich an die Vorschriften zu halten. Dass nun diese Massnahmen umgesetzt werden, begründet Stadträtin Franziska Graf auch mit dem öffentlichen Druck, der entstanden sei. Möglich sind diese Umtriebsentschädigungen schon länger: Dank eines Verbots, das die Stadt für alle Schulanlagen beantragte und das per Gerichtsurteil vom 1. Oktober 2010 in Kraft trat.

«Die Umtriebsentschädigungen sind für die Stadt ein Mittel, das dann zum Einsatz kommt, wenn die Parkierordnung nicht anders hergestellt werden kann», sagt Marco Palmieri, Betriebs- und Unterhaltsplaner bei der Sektion Liegenschaften der Stadt Aarau. Auch Privatpersonen und Firmen nutzen dieses Mittel, um Wild- und Fremdparkierer von ihren Grundstücken fernzuhalten. Dass der Abwart seit April mehr solche Bussen verteilt, hat der Stadt auch negative Reaktionen von Lehrern eingetragen.

Wenig Plätze, viele Mitarbeiter

Dieser Unmut ist zum Teil verständlich: Früher standen beim Gönhard-Schulhaus 13 Parkplätze zur Verfügung. Jetzt sind es wegen des Provisoriums noch sechs für die Schule, plus ein Parkplatz für Behinderte sowie einer für den Mittagstisch und die ausserschulische Betreuung im Gönhardschulhaus. Angesichts der 47 Mitarbeitenden im Schulhaus ist es keine Überraschung, dass es auf dem Parkplatz eng wird: 7,8 Mitarbeiter müssen sich nach dem Prinzip «first-come, first-served» einen Parkplatz teilen.

Zum Vergleich: Bei der Primarschule Telli teilen sich 4,1 Mitarbeiter einen Parkplatz. Weniger eng ist es bei den Primarschulhäusern Schachen und Aare. Dort teilen sich 2,2 respektive 1,6 Mitarbeiter einen Parkplatz. Das Primarschulhaus Gönhard hat also fast fünfmal weniger Parkplätze als das Primarschulhaus Aare.

Der Grund dafür ist, dass die Schulhäuser Telli und Gönhard seit ihrem Bau stärker gewachsen sind als die anderen beiden, die Anzahl der Parkplätze aber nicht angepasst wurde. Und auch die Landverhältnisse sind unterschiedlich. «Eine einheitliche Linie ist gar nicht möglich, sonst müssten wir alle fünf Jahre Anpassungen vornehmen, damit alle Schulen gleich viele Parkplätze haben», sagt Stadträtin Franziska Graf. «Und wenn ein Schulhaus wächst, sind zusätzliche Schulräume und genügend Aussenraum für die Kinder wichtiger als zusätzliche Parkplätze.»

Mit der Umtriebsentschädigung geht die Stadt auch gegen Autofahrer vor, die ihr Auto unerlaubterweise tagelang auf Schulhausparkplätzen stehen lassen, ohne eine Verbindung zur Schule zu haben.

Im Vergleich zu anderen Angestellten der öffentlichen Hand in Aarau sieht die Parkplatzsituation für Schulmitarbeiter besser aus. Auf eine Anfrage des Einwohnerrats Hans Fügli antwortete der Stadtrat 2009, dass den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung grundsätzlich keine Parkplätze zur Verfügung stehen. Doch es gibt Ausnahmen. So heisst es in der Antwort des Stadtrats auf Füglis Anfrage: «Den Lehrkräften und den Mitarbeitern des Werkhofs stehen in beschränktem Mass Parkplätze gratis zur Verfügung.» Eigentlich hätten die Lehrer Glück, sagt Franziska Graf: «Auch die Stadtpräsidentin hat keinen Parkplatz.»

Meistgesehen

Artboard 1