Gelebte Landliebe. Wer sich für wissenschaftliche Themen aus der Heimat interessiert, freut sich, wenn ein Mitteilungsband der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft (ANG) erscheint. 2011 war das letztmals der Fall.

Jetzt gibts den Band 38 in der Serie, die vor 140 Jahren begann. «Die Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt sowohl einfache als auch komplexere Sachverhalte aus Natur und Wissenschaft aufzugreifen und interessierten Personen zugänglich zu machen», erklärt Fritz Wenzinger, seit 2011 ANG-Präsident.

Die Gesellschaft hat 339 Mitglieder. Eines ihrer drei Ehrenmitglieder ist der Nobelpreisträger Werner Arber.

Über den Dächern von Aarau

Im fast 300-seitigen Band werden zehn Themen behandelt. Präsident Wenzinger hat recht, wenn er erklärt: «Das Werk besticht durch interdisziplinäre Themenwahl, wissenschaftliche Arbeitsweise und hohe Bildqualität.»

Interessant ist etwa der Beitrag von Peter Jean-Richard mit dem Titel «Fledermäuse über den Dächern von Aarau». Bisher wurden die Fledermausrufe nur mittels bodennah platzierten Geräten erfasst. Neu hat man die Geräte auch auf Hochhäusern und auf grossen Bäumen befestigt.

Als bemerkenswert gelten die Entdeckung eines Schlafplatzes der «Grossen Abendsegler» in einem Storenkasten eines Aarauer Hochhauses oder der Nachweis von Mückenfledermäusen über einem Hochhaus unterhalb einer bewaldeten Geländekante. An und über hohen Gebäuden können sich grössere Mengen von Insekten aufhalten – was den Fledermäusen schmeckt.

Was Flechten verraten

Peter C. Ehrensperger und Benno Wullschleger schildern, wie sie mit der Hilfe von Kantonsschülern und der Flechten-Kartierungsmethode die Aarauer Luftqualität untersuchten und dabei herausfanden, dass sich Massnahmen wie das Katalysator-Obligatorium oder der Einbau der Denox-Anlage in der KVA Buchs sehr wohl positiv ausgewirkt haben.

Martin Bolliger nimmt sich der Gemeinen Küchenschelle, einer lieblichen, violetten Blüte, an. Sehr interessant sind auch die Erkenntnisse des Ornithologen Beat Rüegger im Vogelbeobachtungsgebiet Rothrist.

Der Bau der Bahn 2000 und des Aarekraftwerks Ruppoldingen ermöglichten die Schaffung von ökologischen Ausgleichsflächen, die sich positiv auf die Vielfalt der Vogelpopulation ausgewirkt haben.

Im Buch der Naturforschenenden Gesellschaft werden auch Themen mit einem hohen Technikanteil abgehandelt. So befasst sich Mark Eberhard mit den Möglichkeiten der Geothermie im Kanton Aargau. Joseph Hochreuter schildert die Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) als «Pionierleistung schlechthin».