Aarau
Wieso ein Möbelhändler an die Aarauer Altstadt glaubt

Patrik Westermann leitet mit dem Möbel- und Einrichtungshaus Strebel eines der ältesten Geschäfte in der Altstadt. Er erzählt, was ihn an das vermeintlich harte Pflaster glauben lässt

Katja Schlegel
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Patrik Westermann im Schaufenster des Möbelhauses, in den Scheiben spiegelt sich die Häuserzeile der Rathausgasse.Chris Iseli

Patrik Westermann im Schaufenster des Möbelhauses, in den Scheiben spiegelt sich die Häuserzeile der Rathausgasse.Chris Iseli

Die einen Gewerbler jammern, die Aarauer Altstadt sei ein hartes Pflaster, und werfen frustriert die Flinte ins Korn. Die anderen halten sich seit Jahrzehnten erfolgreich in den Gassen. So wie das Möbel- und Einrichtungshaus Strebel in der Rathausgasse. Patrik Westermann, Geschäftsleiter und künftiger Präsident der Detailhandels-Vereinigung Zentrum, sieht aber trotz allem Handlungsbedarf.

Strebel ist eines der ältesten Geschäfte in der Altstadt. Seit 1945 ist es in den Häusern «zum Schwert» und «zum Schlüssel» an der Rathausgasse zu Hause, gegründet von den Gebrüdern Strebel. Bis anhin hatte es im Raum Aarau nur die 1918 gegründete Möbelfabrik H. Woodtly & Cie. in der Vorderen Vorstadt und die Möbel Pfister AG gegeben, die 1939 ihr Einrichtungshaus in Suhr eröffnete.

Viele Möbelhäuser auf kleinem Raum, und doch fand jedes seine Kunden. «Die Gebrüder Strebel kamen relativ früh an gute Kollektionen», sagt Westermann. So zum Beispiel die USM Möbelbausysteme, die 1961 entwickelt wurden und 1965 in den Verkauf gingen, und für die Strebel seither Vertriebspartner ist.

Wegzug war Thema

Diese Exklusivität hat ihren Preis. Strebel ist kein Laden zum Lädelen. Ihn aber als überteuerten Laden für Mehrbessere abzutun, damit tue man ihm Unrecht, sagt Westermann. «Wir sind wohl designorientiert und setzen bei den Materialien auf höchste Qualität. Das kostet, richtig. Aber wenn man die Lebensdauer der Möbel berücksichtigt, relativiert sich der Preis.» Ausserdem bedeute Design nicht, dass es teuer sein müsse. Trotzdem, Laufkundschaft kommt selten in den Laden. «Der grösste Anteil kommt bewusst hierher», sagt Westermann.

Es ist nicht so, dass das Verlassen der Altstadt in all den Jahren nie Thema gewesen wäre, sagt Westermann. Denn die Altstadthäuser schränken den Handlungsspielraum ein, architektonisch verändern lässt sich hier kaum was. In einem Neubau im Torfeld Süd oder in der Telli beispielsweise hätte man freie Hand beim Gestalten der Ausstellungsräume, die Kunden könnten mit dem Auto direkt in die Tiefgarage des Ladens fahren und würden bei Regen nicht nass. Grosse Vorteile, wie Westermann sagt. Und doch haben die Vorteile der Altstadt überwogen. «Die Altstadt hat einfach Charme. Mit den vielen verschiedenen Läden ist sie auch wie ein kleines Einkaufszentrum, nur viel schöner.» Ausserdem sei man hier mitten im Geschehen, mitten im Herz.

«Vieles wird im Keim erstickt»

Verbesserungspotenzial zugunsten der Attraktivität sieht Westermann trotzdem: «Vieles wird hier im Keim erstickt», sagt er. Sei es wegen der Altstadtkommission und der Denkmalpflege, die kaum Umbauarbeiten erlauben und so beispielsweise verhindern würden, dass Ladengeschäfte zur Strasse hin optimal auftreten können. Oder wegen der ortsfremden Hausbesitzer, die keinen Bezug zur Altstadt mehr haben und ihre Geschäftsliegenschaften dem Meistbietenden und nicht dem für den Branchenmix optimalen Gewerbler vermieten. «Innovative Hausbesitzer sind das grösste Manko in der Altstadt», sagt Westermann.

Hier will er denn auch ansetzen, wenn er im Januar das Präsidium der Detailhandels-Vereinigung Zentrum von Marcel Suter übernimmt. «Das Standortmarketing muss ausgebaut werden. Wir brauchen Leute, die zwischen Hausbesitzern und Gewerblern vermitteln, um die Altstadt so attraktiv wie möglich zu machen», sagt Westermann. Denn nur mit einem grossen Miteinander könne sich die Altstadt langfristig behaupten, können die kleinen Gewerbler überleben.

Doch dafür brauche man Biss. Aarau ist eine kleine Stadt mit grossem Einzugsgebiet – das macht es schwierig. «In Aarau brauchen innovative Ideen wie beispielsweise das Night-shopping lange, bis sie ziehen.» Denn in der Agglomeration herrsche das Verständnis vor, dass wer etwas Spezielles finden will, das in Zürich suchen muss. «Viele Leute kennen Aarau zu wenig gut und merken erst nach zwei, drei Jahren, was die Stadt effektiv zu bieten hat.»

Veränderung ist deshalb auch bei Strebel angesagt. Um den bis anhin geringen Anteil von Laufkundschaft zu stärken, strebt das Möbelhaus den Ausbau zu einem Kompetenzzentrum an. So wurde das Angebot bereits mit einer Textildesignerin ergänzt, die ihren Arbeitsplatz in den Räumen von Strebel eingerichtet hat. Westermann betont: «Wir glauben an die Altstadt, das ist ein gutes Pflaster.»

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