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Wieso bersten in vielen Gemeinden nun die Wasserleitungen?

Jetzt, da der Winter gekommen ist, müssen da und dort Wasserleitungen repariert werden. Schuld an den teilweise zahlreichen Lecks ist aber nicht nur die Kälte.

Carla Stampfli
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Der Uerkner Brunnenmeister Werner Siegrist mit einer Wasserleitung, die kürzlich an der Bushaltestelle im Unterdorf geborsten ist.

Der Uerkner Brunnenmeister Werner Siegrist mit einer Wasserleitung, die kürzlich an der Bushaltestelle im Unterdorf geborsten ist.

Dreimal ist es in den vergangenen Wochen in Uerkheim passiert, fünfmal in Kirchleerau und einmal in Auenstein: ein Wasserleitungsbruch.

Die Brunnenmeister sind zurzeit gefragte Fachleute. Denn jetzt, wo es richtig Winter ist, bersten die Leitungen häufiger. Doch es ist nicht etwa so, dass das Wasser in den Rohren unter den Strassen gefriert. Dazu ist es viel zu wenig kalt, besonders unten im Boden. Schneit es, ist das ideal: «Solange Schnee auf der Strasse liegt, sind die Leitungen darunter isoliert», sagt der Uerkner Brunnenmeister Werner Siegrist.

Problematisch werde es erst, wenn darauf einige wärmere Tage folgen. Dann taut der Schnee auf und die Nässe gelangt in die tieferen Bodenschichten. «Kommt danach Frost, wird der Boden komprimiert und viel härter.» So gelangen die von den Fahrzeugen verursachten Erschütterungen schneller an die tief gelegenen Wasserleitungen.

Wasserleitungsnetz wird erneuert

Der Uerkner Brunnenmeister hatte es im Januar und Februar mit drei geborstenen Rohren zu tun. Gar fünf Brüche haben sich in den vergangenen Wochen in Kirchleerau ereignet. Nicht nur die Kälte allein hat die Rohre zum Bersten gebracht, sondern auch das Alter von einem Grossteil der Leitungen.

Das Wasserleitungsnetz in Kirchleerau soll deshalb schrittweise erneuert werden, wie die Gemeinde in einer Mitteilung schreibt. Im Frühling wird nun als erstes der Zustand des Netzes ermittelt. Ist bekannt, welche Leitungen ersetzt werden, gilt es, den Zeitplan festzulegen. Wichtigstes Kriterium dabei ist, die Arbeiten auf andere Werkleitungssanierungsprojekte abzustimmen, damit Belagsaufbrüche nur einmal nötig sind, sagt Gemeindeschreiberin Janine Bron.

Ähnlich ist es in Uerkheim: Die Gemeinde versucht im Rahmen von Strassensanierungen oder Neubauten jeweils gleichzeitig die Wasserleitungen zu erneuern. Die Wasserversorgung sei vor rund 50 bis 70 Jahren aufgebaut worden, sagt Gemeindeschreiber Hans Stadler. Die Leitungen seien in die Jahre gekommen. Auch hier ein Grund, warum hin und wieder Leitungen bersten. Für die durchschnittlich zwei bis sechs Wasserleitungsbrüche pro Jahr in Uerkheim gibt es nebst Kälte und Alter noch weitere Ursachen: In Rund 80 Prozent der Fälle hat es Siegrist mit Spannungsrissen zu tun. Das geschehe etwa, wenn nachträglich oberhalb, unterhalb oder neben der Wasserleitung gewerkt werde. Als Beispiel zeigt der Brunnenmeister im Unterdorf in Uerkheim den Bruch von letzter Woche: Nach einem Eingriff an der Kanalisationsleitung wurde die Stelle mit Beton bedeckt. «Die Arbeiten haben den Druck auf die darunterliegende Wasserleitung erhöht. Dann hat es ‹geklöpft›», sagt Siegrist.

Tau- und Frostphasen sind heikel

«Geklöpft» hat es im Januar auch in Auenstein. Bei einem Hausanschluss ist eine alte Graugussleitung geborsten. Diese sei im Gegensatz zu neueren Leitungen starr, erklärt Brunnenmeister Ruedi Frei. Bewegt sich der Boden, etwa während es taut oder gefriert, können sich die Graugussleitungen den Spannungen weniger gut anpassen und brechen. Heute bestehen die Leitungen oft aus Kunststoff und werden zudem mit Sand und Betonkies umhüllt, um vor Bodenbewegungen besser geschützt zu sein.