Buchs

Wieder verschwindet eine Dorfbeiz: Den letzten Auftritt hat der «Frohsinn» im «Bestatter»

Der «Frohsinn» wurde an eine Immobilienfirma verkauft und wird wohl abgerissen.

Der «Frohsinn» wurde an eine Immobilienfirma verkauft und wird wohl abgerissen.

Eine weitere Beiz verschwindet. 30 Jahre lang haben Marlies und Louis Zaffaroni im «Frohsinn» in Buchs gewirtet. Doch nun ist Schluss: Am 12. Dezember ist die grosse «Ustrinkete» – und dennoch ist das Lokal am 6. Januar irgendwie nochmals offen.

1987 hat Louis Zaffaroni zu seiner Frau gesagt: «Jetzt oder nie!» Jetzt eine Beiz aufmachen. Sie kundschafteten den «Schweizerhof» in Suhr, den «Pulverturm» in Aarau und eben den «Frohsinn» in Buchs aus. Weil die beiden Alternativen schliesslich nicht zur Verfügung standen, fiel die Entscheidung leicht.

Der erste Gast hatte es dann aber in sich: «Wenn du so tust, wie wir wollen, kommt es gut. Wenn nicht, schaffst du es hier nicht einmal ein Jahr», das war seine Begrüssung für Marlies Zaffaroni. Sie liess sich nicht beirren und brachte erst einmal viele Aarauer in die Beiz. Es kam zu Reibereien mit den Buchsern, die sich in ihrer eigenen Beiz verdrängt sahen. Doch schon bald arrangierte man sich.

Marlies (73) und Louis Zaffaroni (72) am Stammtisch ihres Restaurants Frohsinn. Die Beiz geht nächste Woche definitiv zu.

Marlies (73) und Louis Zaffaroni (72) am Stammtisch ihres Restaurants Frohsinn. Die Beiz geht nächste Woche definitiv zu.

«Früher drei Fässer Schnaps»

Für die Eingeklemmten von Mann Louis (heute 72) kamen die Leute vor der Arbeit extra vorbei und kauften ihr Znüni. Und am Ende eines langen Sommertages gesellten sich die Zaffaronis gerne zu den Gästen, um bei einem Fondue draussen den Sonnenuntergang zu geniessen. Neben Pouletflügeli oder Käseschnitten standen auch sieben Fondues auf der Karte.

Die ersten zehn Jahre liefen sorgenfrei, auch finanziell. Doch von da an ging es bergab. «Für den Kafi Schnaps mussten wir früher stets drei Fässer Schnaps vorrätig haben. Heute reicht eine Flasche», erzählt das Wirtepaar.

Geblieben ist dafür der schon 1988 gegründete Einlegerverein, dessen Mitglieder beim Besuch der Beiz jeweils einen Batzen zur Seite legten. Mit dem Ersparten leisteten sie sich gemeinsame Partys, Fondue-Essen und ganze Reisen. Bis zu 75 Mitglieder hatten sie. «Fast wie eine Familie», sagt Marlies Zaffaroni (73). Erst kurz vor der Schliessung des «Frohsinns» haben sie den Verein aufgelöst.

Bald eine Grossüberbauung?

Kein Mitglied war der Herr, der einst die ganze Beiz zu einem feucht-heiteren Abend einlud und anschliessend den Zaffaronis eröffnete, dass er leider kein Geld bei sich habe und seine Telefonnummer hinterlasse. Doch als Louis Zaffaroni die Nummer anrief, meldete sich am anderen Ende das Sozialamt. Ein Zechpreller mit Humor. Er war zum Glück die grosse Ausnahme: «Die schönen Momente überwiegen». Die beiden verlassen das Wirtshaus mit gemischten Gefühlen, vor allem die vielen Leute werden ihnen fehlen.

Das Haus haben sie an ein Immobi- lienunternehmen verkauft. Dieses wolle keine Gastronomie mehr, erzählen sie. Die beiden rechnen damit, dass der «Frohsinn» bald einer Grossüberbauung weichen muss. Am 12. Dezember ist die grosse «Ustrinkete».

Der allerletzte Vorhang fällt allerdings erst am 6. Januar. Dann wird der «Frohsinn» ein letztes Mal offen sein, wenigstens im Fernsehen: «Der Bestatter» ermittelt an diesem Abend nämlich im «Frohsinn» und erweist ihm so die letzte Ehre.

Tod im Casino

Tod im Casino (TeleM1-Bericht zur 6. Staffel vom "Bestatter", 6.12.2017)

In der neuen Staffel vom Bestatter wird im Zocker-Milieu ermittelt. An der Vorpremiere befragten wir die Promis über ihre Glücksspiel-Erfahrungen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1