Valentin und Céleste, zwei junge Aarauer Kreative, organisieren seit drei Jahren unter dem Label «Je t’aime» regelmässig Konzerte. «Wir bringen gute Musik nach Aarau», sagt Céleste. Der 22-Jährige studiert heute Jura in Zürich, arbeitet nebenher für Kulturorganisatoren und widmet seine restliche Freizeit ganz dem Projekt «Je t’aime».

«Die Idee entstand an einem weintrunkenen Abend. Wir hatten damals darüber diskutiert, dass es in der Stadt einfach keine tollen Konzerte gibt. Da haben wir entschieden, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen», so der 21-Jährige Valentin. «Etwas, wo nicht der Profit des Veranstalters im Zentrum steht, sondern der Spass des Konzertbesuchs. Alternative, eher unbekanntere Musik wird in Aarau zu wenig gefördert.» Valentin ist im Projekt «Spielträume» in der Aarauer Reithalle involviert.

Im Sandkasten kennengelernt

Kennen gelernt haben sich die zwei als Kleinkinder im Sandkasten vor dem gemeinsamen Wohnhaus in Rupperswil. «Damals haben wir auf dem Spielplatz zur Musik von Schtärneföifi» getanzt, erzählt Céleste. Dass Bandmitglied Boni Koller heute zu ihrem Freundeskreis zählt, hätten sie damals wohl nicht gedacht. Die Ursprungsband von Schtärneföifi, Baby Jail, feiert ihre Reunion am diesjährigen Rolling-Rock-Festival im Aarauer Industriegebiet – organisiert vom «Je t’aime»-Team.

Namensgeber für das Label ist übrigens der Berliner Musiker Sedlmeir, erklärt Céleste: «Er war der erste Künstler, den wir gebucht haben. Damals hatten wir noch keinen Namen für unser Label. Er war der Meinung, dass wir unbedingt etwas Cooles brauchen, weil er unser Projekt so toll fand. «Je t’aime» war der einzige Satz, den er auf Französisch sagen konnte, und ausserdem der Titel eines seiner Songs. «Das gefiel uns sehr, und da war der Fall klar!»

Familienliebe

«Dass wir mit vielen Bands persönlich befreundet sind, erleichtert die Zusammenarbeit enorm», so Valentin. Oft schlafen die Musiker bei jemandem von ihnen auf dem Sofa, vor den Konzerten wird zu Hause zusammen gekocht und gegessen. «Oft spielen Bands für niedrigere Gagen für uns, eben weil wir ein so familiäres Verhältnis zu ihnen haben. Wir sind dann eigentlich die ‹Je t’aime›-Familie», lacht Céleste.

«Wir haben ab und zu Musiker auf einfachen Matratzen in unserer damaligen WG einquartiert. Sie in einem Hotel unterzubringen, könnten wir uns nur selten leisten.» Finanzielle Unterstützung hatte das Duo nie, erklärt Valentin: «Die Idee von ‹Je t’aime› ist nicht, das grosse Geld zu machen. Wir wollen gute, bezahlbare Konzerte bieten, die Spass machen. Uns, der Band und den Gästen.» Die ersten Konzerte in einem Kellerlokal in der Aarauer Altstadt waren nicht gewinnbringend: «Wir kamen immer mit null raus», so Valentin. «Mein Vater war eine grosse Unterstützung, vor allem in der Anfangszeit. Von ihm hatten wir das ganze Inventar für unseren ersten Konzertkeller und die dazugehörige Bar. Er ist auch so etwas wie eine Muse für uns und inspiriert uns zum Weitermachen.»

Grosse Schritte

«Die zweite Ausgabe des Rolling-Rock-Festivals soll noch grösser und besser werden als letztes Jahr!», erzählt Valentin mit glänzenden Augen. Das zweitägige Festival lockte letztes Jahr gut tausend Besucher nach Aarau. Organisiert haben Céleste und Valentin den grössten Teil alleine. «Das Schwierigste war das Aufstellen des Budgets. Wir hielten wöchentliche Sitzungen ab, zusammen mit der Leitung der Rolling-Rock-Halle.

Und jede Woche stieg das Budget, am Schluss war es wirklich eine riesige Zahl. Davon hätte ich ein paar Jahre studieren können», erzählt Céleste. Ein finanzielles Polster für Notfälle gab es nicht, auch keine Defizitgarantie von öffentlicher Seite. Das wird dieses Jahr anders, das Kuratorium Aargau sowie die Stadt unterstützen das Projekt teilweise. Céleste ist beruhigt: «Das macht schon sicherer, ich kann dann auch besser arbeiten. Valentin hat das Problem nicht, er ist unser Fels in der Brandung. Wir ergänzen uns super: Er ist cool, dafür bin ich sexy.»

Je t’aime and Rolling Rock Festival.  Vom 31. August bis zum 1. September in Aarau. www.je.taime.ch Die «Je t’aime»-Bar des Labels im Hinterhof der alten Reithalle Aarau ist seit Freitagabend wieder geöffnet.