Aarau
Wie weiter mit der Alten Reithalle?

Einmal mehr wurde in Aarau über die Zukunft der Alten Reithalle diskutiert. Ein Zaungast der Diskussionsrunde sagte schliesslich, was sie werden soll

Sabine Kuster
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Angeregte Diskussion (v.l.): Thomas Pauli, Leiter Abteilung Kultur Aargau; Hanspeter Hilfiker, Stadtrat; Barbara Riecke, künstlerische Leiterin Kurtheater Baden; Roman Müller, künstlerischer Leiter cirqu’Aarau; Walter Küng, Mitglied des Kuratoriums.kus

Angeregte Diskussion (v.l.): Thomas Pauli, Leiter Abteilung Kultur Aargau; Hanspeter Hilfiker, Stadtrat; Barbara Riecke, künstlerische Leiterin Kurtheater Baden; Roman Müller, künstlerischer Leiter cirqu’Aarau; Walter Küng, Mitglied des Kuratoriums.kus

Die Alte Reithalle in Aarau ist ein einmaliges Gebäude für Kultur. Theater-Leiter Peter-Jakob Kelting sagte das am Samstag zu Beginn einer Diskussionsrunde in der Reithalle, zu der die Kulturstiftung Pro Argovia geladen hatte. Niemand widersprach Kelting. So gross, so unbehauen schön ist wohl kein anderes Haus für Theater und Musik in der Schweiz. Gar als «Kreativitäts-Motivator» betitelte sie Kelting, denn sie setze bei den Künstlern Energien frei. Und Roman Müller, Leiter des Team Cirqu’Aarau, welches momentan mit der Show «cirqu’4» zu Gast ist, lobte die Halle ebenfalls mit Enthusiasmus. Es sei ein Raum, in dem das Publikum sehr aufmerksam sei. «Hier hat niemand Hemmungen einzutreten», sagte Müller. «Es ist kein elitärer Kunsttempel», bestätigte Kelting.

Soweit die bekannten Lobpreisungen des Baus. Aber das Vorhaben, die Halle endlich professionell und auch wintertauglich bespielbar zu machen, ist bereits zehn Jahre alt. «Mittlere Bühne» hiess das Projekt für ein kantonales Theater damals, heute heisst es «Oxer» und hat soeben eine finanzielle Kürzung von 20 auf 16 Millionen Franken für die Realisierung erhalten.

Nicht möglichst viel Theater

Moderatorin Katia Röthlin wollte deshalb wissen, ob es aus heutiger Sicht nicht falsch gewesen sei, das Projekt nach Aarau zu vergeben, weil schon so viel Zeit verstrichen sei? Die Leiterin des Kurtheater Baden, Barbara Riecke, blieb fair und sagte: «Nein, die beiden Theater würden sich wunderbar ergänzen, je mehr Theater desto besser.» Dagegen protestierte jedoch Marco Läuchli, der momentan die Situation in der Reithalle evaluiert um die richtige Lösung für die Zukunft zu finden: «Möglichst viel Theater ist nicht das Ziel», sagte er, der der Diskussion als Zaungast im Publikum beiwohnte, «es muss nicht nur genug Publikum, sondern auch genug Geld für die Theater da sein.»

Wie viel Geld es sein soll, ist nun eigentlich beschlossen. Doch Stadtrat Hanspeter Hilfiker sagte: «Es fehlt das klare Commitment des Kantons.»

Die Alte Reithalle ist ein gemeinsames Projekt von Stadt und Kanton und seit neustem soll auch das Aargauer Sinfonieorchester dort einziehen. Dennoch relativierte Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons: «Es war nie der Gedanke, dass es eine kantonale Institution wie das Kunsthaus wird.» Wie aargauisch kann das Haus denn werden? Die Mauern gehören zwar dem Kanton, aber Baden hat sein eigenes Theater. Auch Walter Küng vom Aargauer Kuratorium betonte, das Budget des Kuratoriums sei beschränkt, weil noch andere Häuser unterstützt werden wollten. Aber er findet: «Es braucht die Alte Reithalle für eine starke Theaterlandschaft im Aargau. Dieser Raum ist die Voraussetzung dafür.»

So gelangte die Diskussion wieder zum Trumpf des «Oxer»: die Halle an sich. Auf keinen Fall soll sie zu Tode renoviert werden. Und Kelting gab zu bedenken: «Wenn das ursprüngliche Projekt umgesetzt worden wäre, hätten wir die Reithalle nicht wieder erkannt. Manchmal ist es gut, wenn etwas Zeit zum Reifen hat.»

Mobile Hallenteilung ist gesucht

Nur, wie soll der Raum professionell bespielbar gemacht werden? «Wir brauchen keine Mittlere Bühne, wir brauchen eine flexible Bühne», sagte Marco Läuchli nach der Diskussion draussen vor der Reithalle. Die Abendsonne schmeichelte der alten, kargen Fassade. Gefragt sind also Ideen, wie der riesige Raum flexibel einzugrenzen ist. Für die aktuelle Sommerbespielung wird das mal mit einer mobilen Zuschauertribüne gemacht, mal mit Wänden oder auch einer Halbkuppel, in der eine Aufführung für Kinder gezeigt wurde.

Marco Läuchli wird seinen Bericht Ende August abgeben. Im Jahr 2019 könnte die Halle eröffnet werden. «Richtig?», wollte die Moderatorin wissen. «Ja in der Grössenordnung», antwortete Hanspeter Hilfiker, worauf Walter Küng scherzhaft fragte: «Möchten Sie für diese eine Rückversicherung?» Abhängig ist der Termin nicht nur von einer Volksabstimmung und möglichen Einsprachen, sondern just auch vom Aargauer Kuratorium.