Er hege grundsätzliche Wertschätzung gegenüber Leuten, die sich engagierten und bereit seien, zu ihrer Meinung zu stehen, sagte Moderator Walter Vogt, als er die elf Stadtratskandidatinnen und -kandidaten in der Auenhalle Aarau Rohr begrüsste. Gegen 70 Personen zollten den Politikerinnen und Politikern mit ihrer Anwesenheit Respekt und kamen in den Genuss einer kurzweiligen Politveranstaltung, die – angesichts der grossen Zahl der Teilnehmenden – weniger Diskussion und Auseinandersetzung brachte als vielmehr Positionsbezüge.

Nur leere Versprechen?

Walter Vogt klopfte die Slogans und Wahlversprechen der Kandidaten ab. «Solidarität mit den Schwächeren» propagiert Werner Schib (CVP) und meint, dass man an finanziell schlechter gestellte Menschen denken soll, wenn zum Beispiel die Familienbeiträge für die Musikschule festgelegt werden. «Jedes Kind soll ein Instrument lernen können.»

Franziska Graf-Bruppacher (SP) verlangt eine «tragfähige Schule». Konkret sieht sie diese in der durch die Schule Aarau erweiterten Kreisschule Buchs-Rohr realisierbar. Diese hätte für die Schüler keine Auswirkungen, sagte die ehemalige Schulpflegepräsidentin.

Regina Jäggi (SVP) kämpft «gegen bürokratische und juristische Schikanen» und ortet diese nicht nur in schwerfällig gewordenen Abläufen in der Verwaltung, sondern auch im mangelnden Mut der politischen Entscheidungsträger – auch gegenüber dem Kanton.

Susanna Heuberger (SVP) sah sich mit dem Wahlversprechen von Hans Peter Hilfiker (FDP) konfrontiert, weil Walter Vogt die Kärtli verwechselte, und liess sich dadurch nicht irritieren: Wenn Hilfiker mangelnde Effizienz moniert, so erkennt sie darin auch etwas Positives, indem länger dauernde politische Prozesse Zeit lassen nachzudenken. Hans Peter Hilfiker ist im Gegenzug mit Heuberger einverstanden, dass die wachsende Anspruchsmentalität es schwer macht, Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht zu halten.

«Festgefahrene Blöcke»

Markus Hutmacher (Grüne) wirft der Schule «Kopflastigkeit» vor. Er stellt fest, dass die mit Blockzeiten gewonnenen Stunden mit Pflichtstoff nach dem Lehrplan, mit Mathematik also und Sprachen, gefüllt werden anstatt mit sportlichen, spielerischen oder musischen Aktivitäten.

Therese Dietiker (EVP/EW, Pro Aarau und GLP) wünscht sich mehr gegenseitige Wertschätzung, wie sie im Einwohnerrat nicht vorgelebt werde. Sie ortet im Stadtparlament festgefahrene Blöcke.

Auch für Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau, EVP/EW und GLP) ist eine «gute Kommunikation» wichtig: Den Leuten zuhören, ihre Sorgen wahrnehmen und in die politischen Entscheidungsprozesse aufnehmen, ist ihr ein Bedürfnis.

Die Fusion Aarau-Rohr ist gelungen, darin waren sich die Stadtratskandidaten und -kandidatinnen einig, auch wenn es, so Therese Dietiker, noch Baustellen wie die Schulorganisation gebe. «Es gibt den Rohrer, solange er das will, und das ist gut so», sagte die Rohrerin Franziska Graf-Bruppacher.

Die ewige Frage

Sollen die Steuern erhöht werden? «Nicht, solange die Hausaufgaben nicht gemacht sind, Stabilo und Reduktion des Investitionsvolumens», sagt Hans Peter Hilfiker. «Die Wirkung der Sparmassnahmen abwarten», will auch Regina Jäggi. Und Schib ist überzeugt, dass bei den Bauprojekten Sparpotenzial vorhanden ist. «Keine Steuerfusserhöhung», sagt Heuberger und beruft sich auf den klaren Auftrag des Stimmbürgers, der diese abgelehnt hat. Markus Hutmacher ist skeptisch, dass mit «Stabilo» die Sparziele zu erreichen sind. Graf-Bruppacher ist mit Cavegn einer Meinung: «Aarau hat sich enorm gut entwickelt, wir können stolz darauf sein, diese Qualität zu erhalten ist eine Steuerfusserhöhung wert.»