Gränichen
Wie viel Gelb verträgt Tempo 30? Fokus beim Referendum liegt auf den Fussgängerstreifen

Zentrales Thema bei der Abstimmung über Tempo 30 sind die Fussgängerstreifen. In Tempo-30-Zonen dürfen Fussgänger die Strasse überall queren, sie haben aber nirgends Vortritt. Es sollen aber nicht alle Fussgängerstreifen verschwinden.

Ueli Wild (text und Foto)
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Zur Debatte stehen unter anderem die Fussgängerstreifen rund um die Kreuzung Leerber/Badstrasse, Ruus/Eizopfstrasse.

Zur Debatte stehen unter anderem die Fussgängerstreifen rund um die Kreuzung Leerber/Badstrasse, Ruus/Eizopfstrasse.

Ueli Wild

Die Gränicher Tempo-30-Gegner, die mit ihrem Referendum eine Urnenabstimmung über den von der Gmeind Ende November beschlossenen Kredit erzwungen haben, fokussieren sich auf einen, wenn auch nicht unbedeutenden, Nebeneffekt:

Nicht die Temporeduktion und auch nicht die 144 000 Franken, welche die Einführung von Tempo 30 in den Wohnquartieren samt Zonenfahrverbot in der Bleien kostet, haben sie im Visier – zumindest nicht vordergründig –, sondern vielmehr die gleichzeitig drohende Aufhebung von Fussgängerstreifen. In Tempo-30-Zonen dürfen Fussgänger die Strasse überall queren. Sie haben aber nirgends Vortritt.

Die Waffe der Gränicher Referendumsführer ist die einschlägige Verordnung des Bundes, die für Tempo-30-Zonen festhält: «Die Anordnung von Fussgängerstreifen ist unzulässig.» Freilich müssen, wie im Gegenzug die Befürworter betonen, in Tempo-30-Zonen keineswegs sämtliche Fussgängerstreifen ausradiert werden.

Die Verordnung erlaubt nämlich das Anbringen von solchen, «wenn besondere Vortrittsbedürfnisse für Fussgänger dies erfordern, namentlich bei Schulen und Heimen». Über solche Ausnahmen hat der Gemeinderat zu befinden. Allerdings nicht letztinstanzlich: Der Kanton, räumt Gränichens Bauverwalter Franz von Matt auf Anfrage der AZ ein, müsse die Signalisation bewilligen.

Möglichst viele Streifen erhalten

Der Gemeinderat, so von Matt weiter, werde sich bei der Einführung von Tempo 30 in den Gränicher Wohnquartieren (in den Gewerbegebieten gilt nach wie vor Tempo 50) für die Erhaltung aller Fussgängerstreifen einsetzen. Das bestätigt auch Gemeindeammann Peter Stir- nemann.

Nicht zum vornherein klar ist allerdings, wo der Gemeinderat mit seinem Einsatz am Ende reüssiert – und wo nicht. Platz für eine Ausnahmeregelung gibt es laut von Matt vor allem da, wo es zu «grossen Ansammlungen gefährdeter Menschen» kommt. Der Gemeinderat ist beispielsweise, wie Peter Stirnemann deutlich macht, «der Meinung, dass ein richtiger Schulweg Fussgängerstreifen braucht».

Für jeden Fussgängerstreifen, der nach der Einrichtung einer Tempo-30-Zone in dieser erhalten bleiben soll, muss ein Gutachten erstellt werden. In Gränichen würde der Auftrag laut Bauverwalter von Matt an den mit der örtlichen Tempo-30-Thematik bereits vertrauten Verkehrsplaner Stefan Ballmer vom Aarauer Ingenieurbüro Ballmer+Partner AG gehen. Allerdings, so von Matt, könne der Auftrag erst erteilt werden, wenn der Kredit gesprochen sei. Und genau das ist der Entscheid, den die Gränicher Stimmberechtigten am 4. März an der Urne zu fällen haben.

Zwei sensible Bereiche

Der Bauverwalter nennt zwei Bereiche wo es, auch weil es sich um Schulwegverbindungen handelt, zu «Ansammlungen gefährdeter Menschen» kommt und Gutachten zeigen sollen, dass die Fussgängerstreifen erhalten bleiben müssen: Vorstadtstrasse und Leerber. Im ersten Fall geht es nach Angaben der IG Tempo 30 um drei Streifen in der Nähe des Alterszentrums Schiffländi, im zweiten um fünf Streifen, die sich rund um die Kreuzung Leerber/Badstrasse – Ruus/Eizopfstrasse verteilen.

Optimistischer ist von Matt im Fall Vorstadtstrasse/Bahnhofstrasse. Im Leerber, mutmasst er, könnte die Beibehaltung der Fussgängerstreifen infrage gestellt sein. Es gäbe aber eine Alternative: Die Signalisationsverordnung lasse es zu, dass heikle Stellen mit roten Flächen markiert würden. Anders als auf den Zebrastreifen haben die Fussgänger hier aber keinen Vortritt.

Persönlich bedauert von Matt, dass die Fussgängerstreifendiskussion einen, wie er findet, wichtigeren Aspekt zudeckt: Punkto Sicherheit habe Tempo 30 im Wohnquartier doch unbestreitbare Vorteile – mit oder ohne Fussgängerstreifen.