Aarauer Stadtpräsidium
Wie stehen die Chancen der Neuen für die Stadtpräsidentenwahl?

Obwohl die Aarauer Parteien von einer Personenwahl sprechen, zeigt eine Umfrage: Wer vorher für Lotty Fehlmann Stark war, hält nun auch Jolanda Urech die Stange. Und wer FDP-Kandidat Lukas Pfisterer unterstützte, tut das nach wie vor.

Sabine Kuster
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Jolande Urech ist die neue Kandidatin der SP

Jolande Urech ist die neue Kandidatin der SP

Am Dienstag musste die SP Aarau ihre Kandidatin für das Stadtpräsidium auswechseln. Anstelle von Lotty Fehlmann Stark steigt nun Jolanda Urech in den Wahlkampf. Neuer Kopf, neue Ausgangslage?

Nicht unbedingt. Obwohl die Aarauer Parteien von einer Personenwahl sprechen, zeigt eine Umfrage: Wer vorher für Lotty Fehlmann Stark war, hält nun auch Jolanda Urech die Stange. Und wer FDP-Kandidat Lukas Pfisterer unterstützte, tut das nach wie vor.

CVP-Kandidat im bürgerlichen Lager

Am entscheidendsten ist gewöhnlich die Haltung der Mittepartei CVP. Vor den Badener Stadtratswahlen kooperierte der CVP-Kandidat mit dem FDP-Kandidaten (wobei dies nicht in Minne endete).

Die CVP Aarau jedoch gibt bezüglich des Stadtpräsidiums keine Wahlempfehlung raus. Dies ändert laut CVP-Stadtratskandidat Werner Schib auch mit dem Wechsel der SP-Kandidatin nicht.

Geri Müller: «Man stellt sich für Monate ins Schaufenster»

Wahlkampf. Was heisst das für jene, die mittendrin stehen? Der Grüne Geri Müller und FDP-Kandidat Roger Huber lieferten sich im Frühling einen Zweikampf um das Stadtpräsidium in Baden. Müller - wahlkampferprobt - sagt, er mache es mit unbegründeten Angriffen wie beim Aikido: «aufnehmen, ableiten und wegdrücken». Müller will sich zu Lotty Fehlmann Starks Burnout nicht äussern, da er nicht wisse, was passiert sei. Aber er sagt: «Man stellt sich für Monate in ein Schaufenster und jeder Pickel wird analysiert.»
Therese Dietiker, Aarauer Stadtratskandidatin der EVP, sagt: «Ich kann nachvollziehen, dass man sich stark einsetzt und die Belastung lange nicht merkt. Dass man also innerlich auf zwei Schienen läuft, bis es wirklich nicht mehr geht. Ein Wahlkampf ist wie ein Bewerbungsgespräch, das monatelang dauert.»(kus)

FDP-Präsident Rainer Lüscher informiert jedoch, alle bürgerlichen Kandidaten arbeiteten im Wahlkampf zusammen: Werner Schib also mit Lukas Pfisterer und Hanspeter Hilfiker von der FDP sowie Regina Jäggi und Susanne Heuberger von der SVP.

Man empfiehlt sich gegenseitig. Lüscher sagt denn auch: «Werner Schib wäre ein fähiger Stadtrat», und wirbt für die bürgerliche Truppe. «Es sind junge Leute, eine neue Generation von Politikern.»

Was sagt er dazu, dass der FDP-Kandidat fürs Stadtpräsidium nun eine Konkurrentin bekommen hat, die ebenfalls langjährige Stadträtin ist? «Lukas Pfisterer ist zusätzlich im Grossen Rat, das ist als Stadtammann ein Vorteil für die Stadt», so Lüscher.

Unterstützung bekommt Pfisterer nach wie vor von der SVP. Man stehe geschlossen hinter Pfisterer, schreibt Präsident Marc Bonorand. Einen Vorteil für ihn sehe die SVP aufgrund des kurzfristigen Kandidatinnen-Wechsels zwei Monate vor den Wahlen jedoch nicht: «Wer bisher Frau Fehlmann Stark unterstützte, wird nun wohl Jolanda Urech auf den Wahlzettel schreiben.»

Urech: Alter versus Erfahrung

Die Parteien Pro Aarau, Grüne und Jetzt! haben auch keine Kursänderung vor. «Wir unterstützen nun Jolanda Urech», sagt Markus Hutmacher von den Grünen, selbst Stadtratskandidat.

Stephan Müller von Jetzt! findet die Kandidatur von Urech im Vergleich mit Fehlmann Stark «gleichwertig». «Sie hat kommunikatives Talent und Charisma, diesbezüglich hebt sie sich von allen ab, sogar von Marcel Guignard», findet Müller.

Auch dass sie nicht Juristin ist, wertet er als positiv. Urech ist jedoch mit 59 Jahren deutlich älter als Pfisterer, viele Amtsperioden liegen nicht drin, bis zum offiziellen Rentenalter wäre es nur eine.

«Positiv», findet das Müller – das Stadtoberhaupt solle nicht wieder ein Vierteljahrhundert im Amt sein. Ausserdem sei Urech «jugendlich und voller Kräfte».

Nicht ganz so enthusiastisch tönt es bei Pro Aarau. Ueli Hertig sagt: «Persönlich halte ich Jolanda Urech für eine geeignete Stadtpräsidentin», eine offizielle Parteimeinung gebe es allerdings noch nicht.

Sukkurs von den Kleinparteien

«Es ist eine neue Ausgangslage», findet Therese Dietiker (EVP). Entscheiden werde die Partei erst am 30. Juli. Man tendierte dazu, Urech zu unterstützen. «Sie ist eine valable Kandidatin mit einem guten Erfahrungshintergrund», so Dietiker.

Auch Alexander Umbricht (Grünliberale) will sich vor Ablauf der Anmeldefrist am 9. August nicht definitiv äussern. Da die Grünliberalen jedoch vor vier Jahren Lukas Pfisterer nicht zur Wiederwahl als Stadtrat empfahlen, ist Urech der Zuspruch dieser Partei relativ sicher.