Aarau
Wie in London, so auch in Aarau: Das erste Bridge-Turnier durch die Beizen

60 Personen spielten mit beim ersten Bridge-Turnier durch die Aarauern Beizen. Dabei hätte man meinen können, das Turnier fände in Englands Metropole London statt.

Daniel Vizentini
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Bea und Simon Wild spielen Bridge im Restaurant Jeannette. dvi

Bea und Simon Wild spielen Bridge im Restaurant Jeannette. dvi

Wer ein Bridge-Spiel zum ersten Mal mitverfolgt, versteht zu Beginn gar nichts. Vier Personen sitzen an einem Tisch, reden kaum, schauen vertieft in ihre Karten. In einer ersten Runde legen sie farbige Karten. Zum Beispiel eine grüne mit der Aufschrift «passen» oder eine rote, auf der «stop» steht. Ab und zu legt ein Spieler eine blaue Karte mit dem Schriftzug «alert» oder eine rote mit einem weissen «X». Beim Bridge wird nur über Karten kommuniziert.

Den Bridge-Club Aarau gibt es schon 75 Jahre. Zum ersten Mal jedoch fand ein «Bridge Drive» statt – eine Tour durch fünf Aarauer Beizen, in denen auf insgesamt 15 Tischen Bridge-Partien gespielt wurden.

Ähnlichkeiten zum Jassen

In der zweite Runde kommen die französischen Karten zum Zug. Ein Spieler legt alle auf den Tisch, aufgeteilt in Kreuz, Ecke, Herz und Schaufel. Die anderen versuchen zu «stechen», wie man beim Jassen sagt.

Tatsächlich hat Bridge Parallelen zum Jass, strategisch ist das Spiel aber komplex wie Schach. Gespielt wird in Paaren. Ständig müssen die Spieler beobachten, welche Signale der Gegenspieler von sich gibt, und vor allem welche Karten er legt. Und man muss sehr schnell viel vorausdenken. «Wie bringe ich meinen Gegenspieler dazu, die Karten zu legen, die ich will, zum Zeitpunkt, in dem ich es will», lautet die Devise. «Die hohe Komplexität des Spiels hält das Hirn fit», sagt eine Mitspielerin.

Karten bleiben, Spieler wechseln

Die 60 Personen, die beim Aarauer «Bridge Drive» mitspielten, waren zwischen 17 und 93 Jahre alt, die meisten über 50, Mitglieder der Bridge-Clubs Aarau, Olten und Baden. In England und Skandinavien habe das Spiel eine grosse Tradition, erzählte Spielerin Bea Wild. «Wenn man in London ist, findet man leicht Mitspieler. Alle Spieler können die Bridge-Sprache, egal woher sie sind.»

«Very british» sei auch die Tatsache, dass stumm Karten abgelegt werden. Das sei so, damit man nicht schummeln könne. An grossen Meisterschaften würden sogar Trennwände zwischen den Spielern aufgestellt, erzählte Wild.

Beim Turnier in Aarau wurde darauf geachtet, dass ein freier Tisch zwischen den Spieltischen steht, so dass nicht auf die Karten geschaut werden konnte. Denn die Karten wurden nur zu Beginn einmal gemischt. Danach blieben sie auf den Tischen liege, die Spieler wechselten. Dass alle die gleichen Voraussetzungen haben, gefällt Wild: «Beim Bridge ist das Glück ausgeschaltet, es spielen alle mit den selben Karten.»

Es dauert, bis man gut ist

Die Partien sind kurz. An jedem Tisch wird zweimal gespielt, jedes Duo spielt 24 Partien. Die Route von Bea Wild und ihrem Mann, Clubpräsident Simon Wild, durch die Stadt führte vom Restaurant Schützen zu den Restaurants Rendez-vous, Jeannette, Laterne und Riviera. Unterwegs trafen sich die Vereinskollegen auf der Strasse.

Zum viel miteinander Reden blieb aber keine Zeit. «Die Beizen liegen zwar nah beieinander, aber man muss doch zügig von Ort zu Ort gehen, was eigentlich schade ist», meinte Spieler Thomas Bärtschi, dessen Grossmutter den Bridge-Club Aarau gegründet hatte. Bärtschi ist mit Bridge aufgewachsen und gehört zur Spielerelite des Vereins – der so genannten ersten Mannschaft. Schweizweit spielt Aarau in der 3. Liga.

Ohne vorher Kurse zu besuchen, kann man sich nicht an das komplexe Bridge-Spiel wagen. Und bis man richtig gut spielen kann, dauert es. «Wir spielen schon vier Jahre und gehören im Verein noch zu den schlechten Spieler», sagte ein Spielerinnenduo. Immer dienstags und donnerstags trifft sich der Bridge-Club Aarau. Übung macht schliesslich den Meister.

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