Leise rieselt ein Lied von Lionel Richie aus den Lautsprechern an der Decke im Wynecenter Buchs. Diese diskrete Hintergrundmusik ist Teil eines wohlüberlegten Klangkonzepts. In allen Migros-Filialen im Wynecenter, sei es bei den Lebensmitteln, im «M-electronics» oder im «SportXX», ist ein interner Musikkanal zu hören, wie Reto Wüthrich, Leiter Kommunikation der Genossenschaft Migros Aare, erklärt. Das Musikprogramm wird von einer externen Firma speziell für die Migros aufbereitet.

Wie im Wynecenter Buchs werden die Kunden auch im Lenzopark in Lenzburg oder im Bärenpark in Reinach in praktisch allen Läden mit Hintergrundmusik beschallt. Ob Restaurant, Coiffeur, Kleiderladen oder Tierhandlung: Jeder hat seinen eigenen Klangteppich. Einige Geschäfte setzen dabei auf bekannte Radiosender wie Argovia. Andere wiederum haben eigene Musikkanäle mit einem von Experten speziell zusammengestellten Musikangebot.

Musik zum Wohlfühlen
Das Wynecenter setzt bei der Musikauswahl hauptsächlich auf bekannte Titel, die auch im Radio zu hören sind. Die Idee dahinter: den Musikgeschmack möglichst vieler Leute treffen. «Wir legen zudem Wert auf eine dezente Beschallung unserer Filialen», sagt Reto Wüthrich von der Migros Aare. «Das interne Radio darf nicht zu dominant sein, sondern höchstens als angenehme Hintergrundmusik wahrgenommen werden». Der Hauptzweck dabei: «Unser Musikkanal soll dazu beitragen, ein angenehmes musikalisches Ambiente zu schaffen, in dem sich Kundschaft und Mitarbeitende wohlfühlen.»

Über die tatsächliche Wirkung solcher Warenhausmusik auf das Kaufverhalten der Kunden ist in wissenschaftlichen Kreisen nur wenig bekannt. Es wird jedoch allgemein davon ausgegangen, dass die Kunden länger im Laden bleiben, wenn sie die Musik als angenehm empfinden. Regelmässige Kundenbefragungen im Wynecenter Buchs zeigen laut Wüthrich, dass die Migros-Kunden die Musik schätzen. Darauf angesprochen sagt eine langjährige Migros-Kundin: «Ich finde ein wenig Hintergrundmusik beim Einkaufen entspannend.»

Lautere Töne im Kleiderladen
Während in Warenhäusern die leisen und langsamen Klänge den Ton angeben, tönt es in Kleidergeschäften ganz anders. Im Einkaufszentrum Lenzopark in Lenzburg sind mit «Zebra», «Takko» und «Blackout» gleich drei angesagte Kleiderläden für junge Leute beheimatet. Hier wird man schon mit wummernden Bässen und fetzigen Tanzrhythmen beschallt, bevor man den Laden betreten hat. Man wähnt sich in einer Disco. Die laute und schnelle Musik passt zur Kundschaft. «Wir wollen in unserem Geschäft Musik spielen, die unsere Kunden auch selbst hören», sagt die stellvertretende Filialleiterin von Zebra. Aus diesem Grund laufen hier auch nur ausgewählte Radiosender wie Energy Dance.

Auch bei «Takko» wird die Musikauswahl nicht dem Zufall überlassen. In sämtlichen Filialen im Land ist ausschliesslich der firmeninterne Radiosender zu hören mit speziell auf die Kundschaft zugeschnittener Musik. «Das ist genau die Musik, die ich mir auch zu Hause anhöre, ich finde das eine super Sache», sagt eine junge «Takko»-Kundin.

Im benachbarten Kleiderladen Blackout klingen ähnlich laute Töne aus der Musikanlage. «Bei uns wird die Ladenmusik von der Agentur Blue Box speziell für unsere Kundschaft gestaltet und laufend aktualisiert», sagt die stellvertretende Filialleiterin von Blackout. Auf diese Weise kann den Kunden aktuelle und moderne Musik geboten werden. Die Agentur Blue Box in Burgdorf beschreibt ihre Tätigkeit als «Kreieren von akustischen Identitäten» für Unternehmen. Dabei sei es ihnen wichtig, dass die Musikkonzepte ein «verkaufsförderndes Ambiente» erzeugen.

Stille in Möbelhaus und Drogerie
Der az-Reporter hat nur zwei Geschäfte gefunden, in denen es still war. In der Drogerie im Bärenpark Reinach wird bewusst auf Musik verzichtet. Musik sei etwas Emotionales und passe deshalb einfach nicht in eine Drogerie. Ausserdem sei es schwierig, eine Musikrichtung zu finden, die allen Kunden gefalle. Im dänischen Möbelladen Jysk im Lenzopark herrscht ebenfalls Stille. Dies liegt nicht an einer Abneigung gegen Musik im Laden. «Jysk» will gemäss eigenen Angaben schlicht keine Radiogebühren zahlen.