Aarau

Wie der Maienzug sanft umgestaltet wurde

Kinder am Maienzug 2017.

Auch Kindergärtler sind mittlerweile an der Morgenfeier dabei – diese und andere Neuerungen von 1998 gehören seither fix zum Festprogramm.

Anders als dieses Jahr sind beim Maienzug 2019 Änderungen zu erwarten. Schon die dannzumal umgesetzte Kreisschule Aarau-Buchs wird solche mit sich bringen. Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, die neue Präsidentin der Maienzugkommission, hat aber angekündigt, der Maienzug werde auch künftig in seinen Grundzügen unverändert erhalten bleiben. Es würden nur kleine Anpassungen vorgenommen.

Dass der Ablauf des schönsten Festes im Aarauer Jahreslauf nicht in Stein gemeisselt ist, sondern immer wieder mal Veränderungen erfährt, ist nichts Neues. Modifikationen wurden beispielsweise vor 20 Jahren vorgenommen – solche, die nur am Jubiläums-Maienzug von 1998 zum Tragen kamen, aber auch solche, die sich bis zum heutigen Tag gehalten haben.

Daran erinnert sich Doris Mayr, die damals von der Maienzugkommission den Auftrag erhalten hatte, den Jubiläums-Maienzug 1998 zu planen – das Ganze «vorzuspuren und zu koordinieren», wie sie sagt. Sie hatte dafür einen Vorlauf von zwei Jahren.

Doris Mayr ist inzwischen seit sechs Jahren pensioniert. Sie hat 40 Jahre lang an der Bezirksschule unterrichtet: Geschichte, Geografie und anfänglich auch Sport. 1997 wurde sie als Freisinnige in den Einwohnerrat gewählt.

Strahlende Gesichter und ein musikalischer Hund: der Maienzug-Festumzug 2017

So schön: der Maienzug-Festumzug 2017

  

Spielarena an zwei Tagen

1998 gab es schon am Donnerstag eine Spielarena – von 14.30 bis 18.30 Uhr. Diese wurde mithilfe von Vereinen betrieben. Am Freitag lief der Arena-Betrieb von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. In dieser Form blieb die Spielarena eine einmalige Sache. Für die Kinder der Primarschule ist von ihr eine verkleinerte Auflage am Freitagnachmittag, die von der Lehrerschaft selber organisiert wird, erhalten geblieben.

20 Jahre Kantibühne

Neu ins Programm aufgenommen wurden am Donnerstagabend die Kantibühne der beiden Kantonsschulen im Kultur- und Kongresshaus (KuK) sowie die Kantibeiz der Lehrerinnen und Lehrer im Foyer und auf dem Vorplatz. Der damals entwickelte Mix aus Musik, Tanz und Theater ist eine Änderung, die bis auf den heutigen Tag Bestand hat.

Morgenfeier im Wandel

Eine Neuerung gab es damals auch bei der Morgenfeier für die Kindergärtler: Diese hatten sich bis dahin am Tellirain auf den Trottoirrand gesetzt und den Rest des Umzugs passieren lassen. 1998 marschierten auch sie weiter bis zum Telliring. Nebst der Besonderheit, dass so alle Aarauer Kinder gemeinsam die Feier gestalteten, hatte diese Lösung den Vorteil, dass jene Eltern, die mehrere Kinder am Umzug hatten, diese nach der Feier am gleichen Ort in Empfang nehmen konnten.

Zuschauertribüne seit 1998

Zum ersten Mal wurde im Telliring eine Zuschauertribüne errichtet. Die Aufführungen bewegten sich noch in viel einfacherem Rahmen als heute. In der Mitte stand 1998 eine Nachbildung des Freiheitsbaums von 1798. Doris Mayr: «Wir versuchten, mit allen 2000 Kindern eine ‹Schnecke› um den Baum zu drehen, was aber nicht ganz gelang.»

«Was wir 1998 bei der Morgenfeier zu Faden geschlagen hatten», sagt Doris Mayr, «wurde seither weiterentwickelt.» Dass die Kindergärtler nun Jahr für Jahr den ganzen Weg bis zur Morgenfeier zurücklegen, war in den ersten Jahren nach 1998 noch umstritten. Dagegen gab es nämlich Widerstand vonseiten der Kindergärtnerinnen. Stadtrat Ruedi Zinniker und Yves Baumgärtner, erzählt Doris Mayr, hätten dann die Wogen geglättet.

Der Freitagabend spielte sich in etwa so ab, wie wir ihn heute noch kennen. Das Chrutwäje-Openair, das von Kanti-Schülerinnen und –Schülern organisiert wurde, fand 1998 aber erstmals im Reiterstadion statt – und nicht mehr in der Chrutwäje selber, dieser freistehenden Baumgruppe auf der Schachenwiese.

Erinnerung an 1798

Anlass zu einem Jubiläum bot damals nicht der Maienzug selber, sondern der Umstand, dass Aarau 1798, also 200 Jahre zuvor, mithilfe der französischen Revolutionstruppen die Berner Herrschaft abschütteln konnte. Die Erinnerung an die Tage der Helvetischen Republik, deren erste Hauptstadt Aarau gewesen war, bot im Herbst 1998 auch Anlass zum grossen Stadtfest AarGrandissimo.

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