Als er vom Schlossturm aus den Mond sah, wusste der König sogleich: «Der Mond hat einen Hof, der Tag wird doof.» Das hatte ihn schon sein Grossvater gelehrt und ihn überraschte es wenig: Sollte er doch am morgigen Nationalfeiertag vor seinem Volk eine Rede halten. Mit Grauen dachte er daran. Es quälte ihn bis in seine (Alb-)Träume. Schliesslich stürzt der König von seinem Turm, fällt durch die Welt und landet in Australien.

60 platte Schauspieler

So beginnt «Königs Weltreise», ein Stück des Berliner Theaters Handgemenge – mit 6o Mitwirkenden. Nun handelt «Königs Weltreise» nicht nur von einer Weltreise, das Theater Handgemenge geht damit auch selbst auf Weltreise, gastierte bereits in Indien, Sri Lanka, Honduras, Nicaragua, Panama und den USA, und am Wochenende erstmals im Fabrikpalast in Aarau. Wenig Platz sollten die 60 Mitwirkenden beanspruchen: «Figuren», sagt Spielerin Marie Feldt, «für ne Kiste, die wir schon haben, Flachfiguren!»

Peter Müller und Marie Feldt zeigen in «Königs Weltreise» mit viel Wortwitz ausserordentlich raffiniertes Schattentheater mit viel Raum für Interpretationen. Filigran geschnittene Figuren aus Metallplättchen tanzen in schnellen, zauberhaft poetischen Bildern über die Leinwand. Das Tempo bestimmen Lichteffekte: Flächig oder in Lichtkegeln leuchtet, flirrt und blitzt es auf der Leinwand.

Gelungen etwa das Meer: Durchscheinende Folie erzeugt die Illusion von wogendem Wasser. Den Rhythmus beeinflusst auch die Musik, wobei Feldt und Müller gleich selbst zu Posaune und Schlagzeug greifen. Verschiedene Ebenen wechseln sich ab: Feldt und Müller lassen die Schattenfiguren spielen, werden mit ihren Profilen hinter der Leinwand bisweilen selbst zur Dienerin und zum König und reflektieren schliesslich auf einer Metaebene ihr eigenes Spiel.

Die Zacken sind weg

Nach einem «Walkabout» durch die Wüste und über das Meer bis nach New York kehrt der König in sein Land zurück. Die Zacken in seiner Krone fehlen – sie sind ihm auf der Reise abhanden gekommen. Geläutert von seinen Erlebnissen kennt er nun aber die Möglichkeiten, die ein Leben bieten kann und er hält endlich seine Rede – auf dem Kopf statt der Krone ohne Zacken einen Hut.