Das Schützenhaus entstand im Umfeld des glanzvollen Eidgenössischen Schützenfestes von 1924. Obwohl sich das Festgelände fast ausschliesslich im Schachen befand, nutzten die organisierenden Stadtschützern die Gelegenheit, ihr bisher bescheidenes Vereinslokal gehörig auszubauen und standesgemäss zu gestalten. Kernstück war und ist ein zweigeschossiger Massivbau, dem sich ein Schiessstand aus Holz anschloss, der im Zuge der jüngsten Sanierung abgebrochen worden ist. Das Gebäude besticht noch heute durch seinen eleganten Rundbau mit einer kleinen Säulenhalle vor dem Eingang, gekrönt durch den auffälligen Spitzhelm aus Blech.

Bereits anno 1877 schenkte die Ortsbürgergemeinde der Schützengesellschaft im Scheibenschachen Land für einen Schiess- und Scheibenstand über 300 Meter. Dank dem neuen Zivilgesetzbuch musste das geschenkte Land zwingend ins Eigentum der Ortsbürger zurückgegeben werden, was 1914 geschah. Das neue Schützenhaus von 1924 erlebte glanzvolle Zeiten und wurde dem späten Heimatstil vollauf gerecht, vor allem mit dem heimeligen Sitzungszimmer im ersten Stock. Dort leuchtet noch heute dem Besucher ein Spruch aus jener Zeit entgegen, der hier zitiert werden darf: «Kein schlechter Schütz, wer sicher trifft, mit Rat und Tat, in Wort und Schrift».

Dem Ende geweiht

Der Schiessbetrieb im wachsenden Wohnquartier nördlich der Aare endete 1994 mit der Eröffnung der Regionalen Schiessanlage Lostorf in Buchs. Mit dem Auszug der Stadtschützen kam es zum «Heimfall» der gesamten Anlage. Das Areal war mit der Revision der städtischen Bauordnung und des Zonenplans im Jahre 1981 bereits vorsorglich in eine Wohnzone W3 eingeteilt worden. Mit dem Erwerb der Abau-Parzelle am Pappelweg und dem Kauf des Geländes der ehemaligen Jura-Cement-Fabrik durch die Ortsbürgergemeinde konnte der Planungsperimeter für eine Überbauung dieser «Landreserve» entscheidend vergrössert werden.

Weil sich das planungsrechtliche Verfahren in die Länge zog, vermietete man das Schützenhaus im Sinne einer Zwischennutzung an den Kunstmaler Walter Müller (eine kleine Auswahl seiner Werke wird künftig in der Beiz hängen) und an einen kynologischen Verein, den Golden Retriever Club Aarau. 2005 lag endlich ein Gestaltungsplan für das fragliche Gebiet vor. Das Schützenhaus lag nun plötzlich in einem «Grünraum» und war damit dem Abbruch geweiht. Der Stadtrat vertrat damals die Ansicht, dass «das Schützenhaus kulturhistorisch keine derartige Bedeutung hat, dass es erhalten werden muss». Drei Jahre später spitzte sich die Lage zu. Am 9. Juni 2008 lehnte es die Sommer-Gmeind der Aarauer Ortsbürger mit 141 Nein zu 78 Ja ab, das historische Gebäude zu verschonen und damit zu erhalten.

Der Quartierverein Scheibenschachen wollte sich mit diesem Verdikt nicht abfinden und lancierte mit breiter Unterstützung erfolgreich das Referendum. In einer mit harten Bandagen geführten Abstimmung an der Urne kehrte am 30. November 2008 der Wind. Mit 665 Nein gegen 547 Ja wehrte sich eine Mehrheit der Aarauer Ortsbürgerinnen und Ortsbürger gegen den Abbruch.

Ein Dreh- und Angelpunkt

Im Zuge der öffentlichen Debatte wurde auch die Aargauer Denkmalpflege hellhörig und leitete ein Verfahren zur Unterschutzstellung des «qualitätvollen Baus, der auch eine ereignisgeschichtliche Bedeutung hat», ein, das 2011 seinen krönenden Abschluss fand. Damit war das Aarauer Schützenhaus endgültig gerettet. Während eine Arbeitsgruppe über den künftigen Zweck brütete, kam man auch im Rathaus zu neuen Erkenntnissen. Man sprach nun von einem «Dreh- und Angelpunkt zwischen Scheibenschachen und dem Neubauquartier Aarenau», konkret von einem Quartier-Bistro. Im Juni 2016 bewilligte die Versammlung der Ortsbürger einen entsprechenden Kredit über 1,29 Millionen Franken für den Neubau und die Sanierung. Wegen einer Submissionsbeschwerde kam es zwar zu einer baulichen Verzögerung, doch heute darf man mit Stolz und Freude sagen «Ende gut, alles gut!».