Analyse

Westlicher Kantonsteil: Wer bei den Grossratswahlen am 18.Oktober als Sieger lächeln könnte

Die Auswahl im AZ-Gebiet Aargau West ist gross.

Die Auswahl im AZ-Gebiet Aargau West ist gross.

Wer hat die beste Liste? Wer erbt den Sitz der BDP? Eine Analyse zu den Grossratswahlen im westlichen Kantonsgebiet:

Die Unterlagen sind bei den Wahlberechtigten. Sie können bis in zwei Wochen entscheiden, durch wen sie sich im Grossen Rat vertreten lassen wollen. Die Auswahl im AZ-Gebiet Aargau West ist gross. Sechs Rücktritte, ein zusätzliches Mandat (Bezirk Lenzburg) und ein Parteiwechsel sorgen für Spannung. Dazu wird es sicher auch Abwahlen geben.

Die beste Liste haben die Freisinnigen im Bezirk Aarau. Den aufwendigsten Wahlkampf führt ihr Yannick Berner (28). Die schlechteste Liste von den Regierungsparteien haben die Lenzburger Sozialdemokraten: Das Durchschnittsalter beträgt 58,9 Jahre – und das in der Partei mit der stärksten Jungmannschaft (Juso).

Den heissesten Vierkampf führen vier CVP-Frauen im Bezirk Lenzburg: Grosse Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Am meisten zittern muss die EDU: Wenn Rolf Haller (bisher) im Bezirk Kulm die 5-Prozent-Hürde nicht schafft, ist sie weg.

Ein-Mann-Liste ist chancenlos

Und die anderen Parteien? Die SVP wird trotz dem Verschwinden der BDP Mühe haben, ihre 13 Sitze im Gebiet Aargau West zu halten – der Totalverlust bei den Richterwahlen am letzten Wochenende im Bezirk Aarau ist ein schlechtes Omen. Mandatsgewinne werden am ehesten den Freisinnigen, den Grünliberalen und den Grünen, allenfalls der CVP (Sondereffekt Lenzburg) zugetraut. Chancenlos ist die Ein-Mann-Liste «Frecher Frischer Fischer»: Entschädigt wird Kandidat Reto Fischer (Buchs) durch den Plausch beim Wahlkampf – den er hoffentlich hat.

Im Bezirk Aarau haben die SVP, die FDP und die Grünen je ein Mandat zu ersetzen. Und die BDP (1 Sitz) ist nicht mehr dabei. Vor vier Jahren hat die SVP ein Mandat an die SP verloren. Die Genossen treten mit den vier Bisherigen Jürg Knuchel, Lelia Hunziker (schafft sie das Spitzenresultat?), Marco Hardmeier und Silvia Dell’Aquila an. Die Chancen, die Sitze zu verteidigen, sind intakt.

Auswirkungen vom Zukunftsraum auf die Wahlen

Die SVP müsste eigentlich das BDP-Mandat gewinnen. Dann wären bei ihr zwei Sitze neu zu vergeben. Es wird sich weisen, wie stark sich die Diskussion um den Zukunftsraum auf die Wahlen auswirkt. Gut positioniert sind hier die beiden Ex-Polizisten Urs Winzenried und Max Suter, die ohnehin sehr bekannt sind und im Aarauer Einwohnerrat erste politische Sporen abverdient haben. Oder schafft die fleissige Susanne Heuberger den Sprung ins Kantonsparlament? Ein aktiver Wahlkämpfer ist auch Marco Brivio.

Heiss ist die Ausgangslage bei den Aarauer Freisinnigen: Beide Bisherigen dürften es wieder schaffen: Kantonalpräsident Lukas Pfisterer und Stadträtin Suzanne Marclay (versteht das Handwerk des Wahlkampfs hervorragend). Dass ein Stadtpräsident (Hanspeter Hilfiker) nicht gewählt wird, wäre eine grosse Überraschung. Und der junge Yannick Berner? Sein grosser Einsatz und sein zweifellos vorhandenes Talent müssten eigentlich belohnt werden – aber dafür bräuchte es wohl einen Sitzgewinn.

Frau oder Mann? Ein oder zwei Mandate? Das sind die Fragen bei den Grünen, wo Mirjam Kosch und Thomas Baumann (beide hätten das Zeug für das Kantonsparlament) in der Pole sind. Grosse Hoffnungen machen sich die Grünliberalen. Adrian Bircher setzt voll auf die Karte «Bisheriger». Er hat die unkonventionelle Fiona Wiedemeier und den fleissigen Philippe Kühni im Nacken.

Bei der SP, CVP, EVP und der GLP treten im Gebiet Aargau West alle Bisherigen wieder an. Am brisantesten ist die Ausgangslage bei der CVP im Bezirk Lenzburg: Die drei Bisherigen Sabine Sutter-Suter, Cécile Kohler (Zuzug) und Maya Bally (Parteiwechsel) möchten weiter im Grossen Rat politisieren (bei bisher einem ordentlichen Sitz). Zudem haben sie die ehrgeizige Christina Bachmann («Bald kommen meine Tage») im Nacken.

Frauenfrage im Vordergrund

Wer schafft das zusätzliche 13. Mandat? Wer erbt den Sitz der BDP? Ein logischer Gewinner wäre die SVP, deren Liste es allerdings etwas an Strahlkraft fehlt. Die CVP könnte vom Frauen-Vierkampf profitieren. Und die GLP vom allgemeinen Trend: Bei ihr müsste das zweite Mandat eigentlich an den umtriebigen Matthias Betsche (neu mit Doppelfunktion Präsident und Geschäftsführer bei Pro Natura) gehen. Oder wird er im Seetal gestrichen, weil er – zu Recht – im Aprikosenfall interveniert hat. Ein Test im Hinblick auf die Stadtratswahlen 2021 ist der 18. Oktober für die Lenzburger Andreas Schmid (FDP) und Corinne Ballhaus (SVP).

Im Bezirk Kulm steht die Frauenfrage im Vordergrund: Wird die Grossratsdelegation künftig ganz frauenfrei sein? Das verhindern könnten allenfalls Karin Faes (FDP) oder Barbara Borer (SVP). Viel wird davon abhängen, ob die SVP ihren vierten Sitz behalten kann und wie sich die EDU schlagen wird. Hoffnungen machen sich die SP und vor allem die FDP (2016 ein Sitzverlust). Bei den Freisinnigen scheint das Comeback von Adrian Meier gesichert zu sein. Fraglich ist nur noch, ob ein allfälliges zweites Mandat an Karin Faes, Philipp Härri oder Erich Bruderer gehen würde – eine komfortable Ausgangslage für die Partei.

Im Bezirk Zofingen ist aus Sicht der Region Aarau West die Wiederwahl von Markus Gabriel (SVP) wohl gesichert und diejenige des Nachgerutschten Erich Hunziker (SVP) wahrscheinlich. Ein zusätzliches Mandat für die Region könnte es am ehesten noch bei der SP geben (Helena Taiana, Staffelbach, oder Andreas Von Gunten, Kölliken).

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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