Bei der Zivilverhandlung am Bezirksgericht Aarau hatte der Verkäufer des Pferdes auf Anfrage der Gerichtspräsidentin seine Bereitschaft signalisiert, einen Vergleich einzugehen. Die Käuferin dagegen lehnte einen solchen ab und hielt an ihrer Klage fest. Anlass zu dieser hatte eine Gleichbeinfraktur gegeben, die beim Röntgen – über drei Monate nach dem Kauf – zum Vorschein kam. Auf eine eigentliche, fristgerechte Ankaufsuntersuchung hatte man verzichtet – um Geld zu sparen, wie die Klägerin einräumte. Sie und ihr Vater, sagte ihr Anwalt, seien in die Irre geleitet worden. Wenn der Züchter und Verkäufer von der Fraktur gewusst habe, liege eine arglistige Täuschung vor.

Auf Verlangen der Klägerin hätte das Gericht feststellen sollen, dass der Vertrag infolge ihres Rücktritts von diesem dahingefallen sei. Die junge Frau, die sich nicht mehr um die Stute gekümmert hatte, forderte die geleisteten Zahlungen von 15'000 Euro zurück. Die letzte Rate von 9000 Euro war sie schuldig geblieben. Sie verlangte eine gerichtliche Feststellung, wonach diese Forderung als Folge des Dahinfallens des Vertrags nicht mehr bestehe. Damit wäre die ihr dieses Ausstandes wegen drohende Betreibung vom Tisch gewesen.

Mit ihren Forderungen ist die Western-Reiterin freilich nicht durchgedrungen. Gerichtspräsidentin Patricia Berger wies die Klage nun vollumfänglich ab. Die Klägerin muss die Gerichtskosten von über 4000 Franken bezahlen.

Im Urteil wird dargelegt, der Verkäufer eines Pferdes hafte nur, wenn der Mangel innert neun Tagen entdeckt und binnen der gleichen Frist bei der zuständigen Behörde die Untersuchung des Tieres durch Sachverständige verlangt werde. Die Neun-Tage-Frist beginne mit der Übergabe des Pferdes zu laufen. Die Käuferin habe die – schon ältere – Verletzung aber erst Monate nach der Übergabe gerügt und ihren Rücktritt vom Kaufvertrag geltend gemacht. Und es sei kein gerichtliches Mängelfeststellungsverfahren eingeleitet worden. «Also wurde der Mangel nicht innert Frist gerügt.»

Weiter wird im Urteil festgehalten, die Klägerin könne dem Verkäufer keine absichtliche Täuschung in Bezug auf den Gleichbeinbruch nachweisen. Es sei durchaus möglich, dass der Beklagte nichts von der Fraktur bemerkt und keine Unregelmässigkeiten festgestellt habe, weil das Pferd bei ihm nicht im Volltraining war. Im chronischen Zustand, heisst es im Urteil, gestützt auf das tierärztliche Gutachten, könnten die klinischen Symptome eines Gleichbeinbruchs abklingen und bei geringer Belastung des Pferdes «nur noch schwierig erkennbar sein». Selbst die Klägerin habe die Verletzung vier Monate lang nicht bemerkt. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sie intensiver trainiert habe als der Beklagte.

Happy End für den Züchter also. Aber auch für die Stute: Nachdem der Züchter sie auf eigene Rechnung operieren lassen hatte, avancierte sie unter einer neuen Besitzerin zu einem erfolgreichen Turnierpferd.