Im Nachhinein liest sich das Porträt über Köllikens neuen Badmeister, welches am 3. März in der az Aargauer Zeitung erschien, wie ein Hohn. «Ich will hier meine Pension erleben», sagte Ronald Lorenz vor einem Monat. Und dass er bisher als Badmeister in seiner Heimat Deutschland noch keine Umfälle erlebt habe.

Doch einen Tag später, an seinem 2. Arbeitstag, verunfallt er selbst. Beim Heckenschneiden mit der grossen Astschere reissen zwei Sehnen am rechten Arm. Zwei Wochen lang nimmt er Schmerztabletten und arbeitet weiter, bis er dann doch den Arzt aufsucht. Er dürfe auf keinen Fall weiterarbeiten, sagte der Doktor, sonst bestehe die Gefahr, dass noch weitere Sehnen reissen würden. Jetzt muss Ronald Lorenz seinen Arm operieren lassen und danach in die Rehabilitation.

Noch bevor Lorenz die ersten Badegäste begrüssen konnte, war er seinen neuen Job wieder los. Zwei Wochen später, am 15. März entliess ihn die Gemeinde Kölliken – fristlos, da noch die Probezeit galt.

Eben erst zog die Familie hierhin

Der 52-Jährige kam vor drei Jahren in die Schweiz, da das Bad in seiner Heimat Westsachsen geschlossen wurde. Hier arbeitete er zuerst in einem Solebad und für den Umwelt- und Naturschutz in St. Gallen. Nachdem er die Zusage für die Stelle in Kölliken gekriegt hatte, zogen auch seine Frau und sein Kind nach Kölliken. «Hier gefällt es mir, hier fühle ich mich wohl», sagte Lorenz vor zwei Monaten. Doch jetzt sagt er: «Ich bin sehr enttäuscht und richtig kaputt. So geht man doch nicht mit Menschen um.»

Dass er mit einem lädierten Arm nicht mehr Badmeister sein und im Notfall jemanden aus dem Wasser retten kann, ist ihm klar. Doch Lorenz hatte gehofft, weiterhin für die Gemeinde zum Beispiel im Werkhof arbeiten zu können. Doch laut Gemeindeschreiber Felix Fischer habe die Gemeinde momentan keine Möglichkeiten, ihn im Bauamt oder als Hauswart anzustellen. «Das ist keine einfache Geschichte», sagt Fischer, doch der Gemeinderat habe so entschieden.

Der Stellvertreter übernimmt

In einer Mitteilung schrieb die Gemeinde gestern: «Da die Folgen des Arbeitsunfalls des Badmeisters zurzeit nicht abgeschätzt werden können, hat der Gemeinderat den Anstellungsvertrag aufgelöst. Badmeister-Stellvertreter Bruno Brunner wird für die Saison 2011 die Verantwortung übernehmen. Das Badi-Team wird mit weiteren Teilzeitkräften verstärkt, um den Betrieb sicherzustellen.» Im Sommer wird der Gemeinderat entscheiden, wie es für die Saison 2012 weiter gehen soll. Ob Lorenz dann wieder in Kölliken arbeiten kann, ist unklar.

Er braucht vorher eine neue Stelle und hofft, dass er möglichst bald wieder arbeiten kann. Zugutekommen könnte ihm nun, dass er auch eine KV-Ausbildung hat. «Ich bin mir für nichts zu schade», sagt er. «Aber mit 52 Jahren ist es nicht einfach, eine Stelle zu finden.»