Aarau

Werbung direkt aufs Handy – Aarauer Geschäfte gehen neue Wege

«Aarau Freenet» kann man in der Innenstadt nutzen. Wer das nicht will, schaltet seinen WLAN-Empfang aus.

«Aarau Freenet» kann man in der Innenstadt nutzen. Wer das nicht will, schaltet seinen WLAN-Empfang aus.

Aarauer Geschäfte wollen neu mittels Gratis-WLAN ihre Umsätze ankurbeln und Kunden gewinnen. Wenn man das WLAN eingeschaltet lässt, wird man in Zukunft getrackt.

Bereits seit 2014 gibt es in Aarau das kostenlose WLAN «Aarau Freenet». Ab Februar 2017 wird es um eine Besonderheit erweitert: Neu können Werbebotschaften auf die Handys und Tablets der Nutzer gespielt werden – und zwar zugeschnitten auf den Ort, an dem sich der Nutzer gerade aufhält. «Anhand der Bewegungsdaten erhält der eingeloggte Nutzer Informationen zu seiner näheren Umgebung, der Umkreis beträgt zirka 50 Meter», heisst es von Seiten der IBAarau.

«Es geht dabei um Veranstaltungen, Übersichten und Kontaktmöglichkeiten Gastronomie, Detailhandel, Sport oder Tourismus.» Dazu spannt der Netzbetreiber, die IBAarau AG, mit der Organisation Aarau Standortmarketing zusammen. Diese ist für die Inhalte verantwortlich.

Daniel Lüscher, Präsident von Aarau Standortmarketing, sieht «Aarau Freenet» als eine Plattform, die es zu bespielen gilt. Die Organisation bietet als Vermittlerstelle ihren Mitgliedern und Vertragspartnern exklusiv die Möglichkeit, Werbeflächen auf «Aarau Freenet» zu erwerben.

So funktioniert es

Nehmen wir als Beispiel Lüschers Arbeitgeber, die Raiffeisenbank. Sie kann sich bei «Aarau Freenet» die Landingpage für ein bestimmtes geografisches Gebiet kaufen. Als Landingpage bezeichnet man die Website, die als Erstes erscheint, wenn ein Nutzer ins Internet geht. Wenn nun jemand auf der Kasinostrasse steht und via «Aarau Freenet» das Internet nutzt, kommt er zunächst auf die Website der Raiffeisen, die in dieser Strasse eine Filiale betreibt. Läuft der Nutzer weiter in die Pelzgasse und geht dort ins Internet, erscheint vielleicht die Website einer der dortigen Bars. Läuft er zum Naturama, wird ihm möglicherweise die aktuelle Ausstellung angezeigt. Hat sich für ein bestimmtes Gebiet niemand die Landingpage gekauft, erscheint automatisch die Seite von «aarau info».

In Planung ist eine App, mit der die Werbung nicht nur auf den Standort des Nutzers, sondern auch auf seine Interessen zugeschnitten wird. Es ist zudem vorgesehen, zu einem späteren Zeitpunkt aktiv sogenannte Push-Nachrichten auf Handys zu schicken, zum Beispiel zu speziellen Aktionen. «Im Moment setzen wir aber nur auf passive Werbung für Internetnutzer», sagt Daniel Lüscher.

Wozu Bewegungsprofile gut sind

Jeder, der mit eingeschaltetem WLAN-Empfang durch Aarau läuft, wird von «Aarau Freenet» erfasst und aufgezeichnet. Aus den gesammelten und zusammengefassten Daten lassen sich die Besucherströme messen. Das bringt den einzelnen Gewerbetreibenden wenig, den Dachorganisationen wie Aarau Standortmarketing oder dem Detaillistenverband aber viel. Daniel Lüscher erklärt: «Wenn wir wissen, wo sich die Menschen in der Stadt bewegen, wissen wir auch, wo welche Werbemassnahmen eingesetzt werden müssen – zum Beispiel elektronische Plakate.»

Aarau Standortmarketing bezahlt etwas an «Aarau Freenet». Wie viel, ist Daniel Lüscher nicht zu entlocken. Es handle sich jährlich um einen «tiefen bis mittleren fünfstelligen Betrag», der für Aarau Standortmarketing zwar «eine bemerkenswerte Summe» darstelle, angesichts der Investitionskosten aber fair sei. Denn: Bisher wurde die gesamte Infrastruktur von der IBAarau bezahlt. Für die IBA ist das eine Investition in die Zukunft, in Richtung «Smart City» – eine Stadt, in der sogar die Abfallkübel mit dem Werkhof verbunden sind und melden, wann sie geleert werden müssen. Aber das ist Zukunftsmusik.

In Aarau soll mehr konsumiert werden

Sehr real sind derzeit vor allem die substanziellen Ausgaben, die Aarau Standortmarketing für die Zusammenarbeit mit der IBA tätigt. Das Geld muss über die Vermarktung der Werbeplattform wieder hereingeholt werden. «Wir wollen kein gutes Geschäft machen, sondern kostendeckend sein», betont Daniel Lüscher. Es liege auch noch kein konkretes Preismodell für die Kunden vor. Für ihn ist aber klar: «Aarau Freenet ist für uns eine sehr wertvolle Infrastrukturverbesserung. Alleine die Existenz dieses WLAN ist es wert, dass wir es vonseiten Aarau Standortmarketing unterstützen.»

Lüscher ist denn auch überzeugt, dass «Aarau Freenet» in Kombination mit geografisch gezieltem Marketing dazu führt, dass in Aarau mehr konsumiert wird. «Ich sehe es als eine Tanzbühne», sagt er. «Die Leute kommen, nutzen sie und lassen dabei immer etwas liegen.»

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