Umfrage
Wer sucht, der findet auch in Aarau den Euro-Bonus

Der Grossverteiler Coop zieht Markenartikel zurück, weil deren Hersteller die Währungsgewinne nicht weitergeben wollen. Doch wie reagiert der Aarauer Detailhandel auf das Eurotief? Eine Umfrage.

Heidi Hess und Sebastian Wendel
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Die Milchschnitten finden im Coop in diesen Tagen guten Absatz.

Die Milchschnitten finden im Coop in diesen Tagen guten Absatz.

Lesen ist ein teures Hobby. Zumindest für uns Schweizer. Bezahlt der EU-Bürger für Ken Follets Bestseller «Die Säulen der Erde» läppische 10,99 Euro, blättern Herr und Frau Aarauer 18,50 Franken auf den Tisch. In der Buchhandlung Meissner bezahlt man für das ganze Sortiment fast die doppelte Menge an Franken als Euro.

Ist das gerecht? Was sagen Kunden und Ladeninhaber zu den überteuerten Produkten in Aaraus Innenstadt? Wir haben uns in verschiedenen Geschäften erkundigt und den Euro-Bonus gesucht. Ein schwieriges, aber nicht unmögliches Unterfangen.

Hamsterkäufe bei Coop

Im Coop an der Igelweid sind am Montag kurz nach Mittag nur noch wenige Reispackungen von Uncle Ben’s erhältlich. Eine Kundin, in der Hand ein mit Reis gefüllter Warenkorb, meint: «Auf der einen Seite freut es mich, dass die Ware nur noch die Hälfte kostet.

Andererseits ist es schade, dass es hier bald kein Uncle Ben’s mehr gibt. Dann muss ich ihn mir irgendwo anders kaufen.» Auch Milchschnitten und StudioLine-Produkte von L’Oréal sind nur noch wenige erhältlich. Eindeutig: Bereits einen Tag, nachdem Coop verkündete, gewisse Markenprodukte aus dem Sortiment zu nehmen und diese zum halben Preis anbietet, tätigen die Aarauer Hamsterkäufe.

«Bei uns hat bisher niemand wegen der Preise reklamiert», sagt Cedric Keiser, Abteilungsleiter im Interdiscount beim Graben. Bei der Coop-Tochter würden ohnehin dauernd Rabattaktionen angeboten. Diese haben laut Keiser nichts mit dem tiefen Eurokurs zu tun. «Ich kann mir aber vorstellen, dass in grenznahen Filialen die Kunden wegbleiben und die Sachen in Deutschland einkaufen.» Er glaubt nicht, dass die schweizerische Interdiscount-Zentrale die Preise drastisch senken werde.

Angesprochen auf den teuren Kaffee, geben sich zwei junge Frauen im Starbucks an der Igelweid gleichgültig. «Klar, in Deutschland würden wir die Hälfte bezahlen. Aber es schmeckt uns so gut, da nehmen wir die paar Franken in Kauf», antworten sie unisono.

Einkaufspreise weitergeben

Alle angefragten Geschäfte beteuern, dass sie günstigere Einkaufspreise an ihre Kunden weitergeben würden. Die meisten aber sind von Importeuren abhängig. Und diese würden selten freiwillig reagieren, sagt etwa Stephan Roth, Geschäftsführer des Reformhauses Müller, das eine Filiale in der Aarauer Altstadt unterhält.

«Seit Anfang Jahr konnten wir die Preise von 2500 Artikeln bei einem Sortiment von 3500 Artikeln aus dem Euroraum anpassen – die meisten nach unten», sagt Roth.

Druck auf die Importeure könne das Reformhaus aber kaum ausüben: «Dafür sind wir zu klein.» Für Doris Tarmann, Geschäftsinhaberin der Papeterie Hagenbuch, handelt es sich um Fairness gegenüber den Kunden.

«Wir geben den tiefen Euro weiter», sagt sie, «aber nicht unter Druck und auch nicht erst seit einer oder zwei Wochen.» Der Hauptlieferant der Papeteristen ist die Einkaufsgenossenschaft PEG in Aarburg. Diese achte darauf, gute Preise auszuhandeln: «Das ist nicht immer einfach.» Zudem verweist die Chefin von zehn Mitarbeitern auch auf das unverändert hohe Lohnniveau und die hohen Mietzinsen von Ladenlokalen.

Warum man in der Buchhandlung Meissner für den Roman «Die Säulen der Erde» in Schweizer Franken fast doppelt so viel bezahlt wie in Euro, erklärt Irina Jermann, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Thalia Schweiz, zu dem Meissner gehört.

«Als einzige Grossbuchhandlung kaufen wir bei einem Schweizer Buchlogistiker, dem Buchzentrum, ein.» Die Kursentwicklungen des Euro hätten sich noch kaum auf die Buchpreise ausgewirkt. «Die Kunden dürften vom tiefen Kurs erst mit den Neuerscheinungen profitieren», sagt sie. Trotz allem seien die Preise für Bücher in den letzten paar Monaten um 12,5 Prozent gesunken. «Wenn wir günstiger einkaufen, geben wir das unseren Kunden auch weiter.»

Keine Preistransparenz schliesslich beim Drogeriemarkt Müller, dessen Filiale sich im Aarauer Gaiscenter befindet. Am deutschen Hauptsitz sieht man sich nicht in der Lage, «so kurzfristig» Auskunft zu geben.

Flexibel wegen Eigenimport

Zwar ist auch Paul Hartmann, Inhaber der Weinhandlung Fläschehals, beim Preis oft von Importeuren abhängig. Bei Eigenimporten aber sehe es anders aus: bei Weinen etwa, die er selbst in Spanien oder Italien einkaufe.

«Der Unterschied auf den Gesamtpreis kann zwischen 10 und 15 Prozent betragen.» Er gebe den Einkaufspreis weiter, sagt er und es klingt wie ein Versprechen: «Mit dem Eigenimport bin ich sehr flexibel.»

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