Region Aarau
Wer nicht zahlt, sitzt am Ende im Dunkeln

Die Elektrizitätsunternehmen stellen den Strom jedoch nur ab, wenn sonst nichts mehr hilft. Wann ist das der Fall?

Lee Ann Müller
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Auch in der Region rund um Aarau setzt man auf solch drastische Massnahmen – aber nur im äussersten Notfall. (Symbolbild)

Auch in der Region rund um Aarau setzt man auf solch drastische Massnahmen – aber nur im äussersten Notfall. (Symbolbild)

KEYSTONE

Ein langer und strenger Arbeitstag geht zu Ende, der Körper sehnt sich nach süssem Nichtstun – nach einem warmen Stück Fertigpizza aus dem Ofen und Faulenzen vor dem Fernseher mit einem erfrischenden Bier aus dem Kühlschrank. Dies ist alles nur möglich dank Strom. Doch was ist, wenn dieser plötzlich nicht mehr fliesst?

Laut einem Artikel in der letzten Ausgabe der «SonntagsZeitung» wird in Tausenden von Haushalten in der Schweiz jährlich der Strom abgestellt, wenn die Rechnungen nicht bezahlt werden. Auch in der Region rund um Aarau setzt man auf solch drastische Massnahmen – aber nur im äussersten Notfall.

Zuerst wird gemahnt

Die Technischen Betriebe Suhr (TBS) schicken zuerst drei Mahnungen. Erfolgt die Zahlung nach mehrmaligem Mahnen nicht, wird das Gespräch gesucht und werden mit den Kunden Zahlungspläne erarbeitet. Bei den 5000 Haushalten war es im letzten Jahr durchschnittlich gerade mal ein säumiger Stromzahler, der für kurze Zeit im Dunkeln sass. «Den Strom abzustellen, ist für uns wirklich die allerletzte Massnahme», sagt TBS-Geschäftsführer Johnny Strebel.

Die Technischen Betriebe Gränichen (TBG) versorgen 3800 Haushalte mit Strom – 7 Strombezüger tappten im letzten Jahr für kurze Zeit im Dunkeln, weil sie trotz Mahnungen und Gesprächen ihre Stromrechnungen nicht bezahlt hatten. Bei rund zehn Haushalten kam ausserdem ein bargeldloser Strom-Bezahlautomat zum Einsatz. Wie bei den Prepaid-Handys kann man diese Kassierzähler mit einem bestimmten Betrag aufladen und so lange Strom beziehen, bis das Guthaben aufgebraucht ist. Für Menschen, die nicht gut mit Geld umgehen können, sei dies ideal, sagt TBG-Geschäftsführer Oliver Löffler.

In Suhr hat man die Bezahlungsautomaten bereits vor über 15 Jahren abgeschafft. Damals wurden sie noch mit Münzen aufgeladen und mussten immer wieder von den Technischen Betrieben Suhr geleert werden – ein grosser Aufwand, der sich nicht mehr lohnte.

Da sich die Fälle, in denen Haushalte mehrmals gemahnt werden müssen, bis sie den Strom bezahlen, in den letzten Jahren jedoch gehäuft haben, prüft die TBS die zukünftige Einführung von bargeldlosen Bezahlautomaten, sagt Geschäftsführer Johnny Strebel.

215 Haushalte ohne Strom

Auf solche moderne Kassierzähler setzt die IBAarau: Im Jahr 2014 wurden 67 Bezahlungsautomaten installiert, mit welchen die Kunden ihre Stromrechnung im Voraus mit einer Pre-Pay-Karte bezahlen können. Verglichen mit anderen Energieversogern ist bei der IBAarau die Zahl der Stromabstellungen deutlich höher: «215 Haushalte waren letztes Jahr für kurze Zeit ohne Strom», sagt Roland Dätwyler, Medienverantwortlicher der IBAarau.

Die Zahl mag im Vergleich zu Suhr hoch erscheinen – das Einzugsgebiet ist mit rund 70 000 Kunden mit 35 000 Stromanschlüssen in 22 Gemeinden jedoch beträchtlich grösser. «Auch wir mahnen die Kunden dreimal», sagt Dätwyler. Innerhalb von einem bis fünf Tagen hätten die betroffenen Strombezüger ihre Rechnungen jeweils beglichen. Lange im Dunkeln blieben sie demzufolge nicht und konnten nach Feierabend wieder den Abend vor dem Fernseher verbringen.