Aarau
Wer nicht schlafen kann, muss mit dem Störefried reden

Der erste «Runde Tisch Altstadt» brachte keine Lösungen, aber Gesprächsbereitschaft. Drei Problemfelder werden als besonders akut empfunden: Busverkehr, Jugend und Partynächte, Angebotsmix.

Hubert Keller
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Angeregte Diskussion über Altstadt-Themen am «Runden Tisch».

Angeregte Diskussion über Altstadt-Themen am «Runden Tisch».

Hubert Keller

Vermüllte Gassen nach Partynächten, sperrige Gelenkbusse in der Rathausgasse, schlaflose Nächte, Verkehr am Rain, mangelnde Angebote für Jugendliche – auf neun runde Tische hatten sich die rund 120 Personen verteilt, um die Konfliktherde in der Altstadt zu diskutieren. An einem der Tische Zentrum-Präsident Patric Westermann, der die Frage beantwortet haben wollte: Wie kann jeder einzelne dazu beitragen, dass Probleme nicht ausgesessen, sondern Lösungen gefunden und umgesetzt werden können?

Präzis darum ging es an diesem ersten «Runden Tisch Altstadt» am Dienstagabend im Kultur- und Kongresshaus: Wirte, Liegenschaftenbesitzer, Bewohner, Jugendliche und Ladeninhaber kamen zusammen, um ihre Sorgen und Anliegen auszutauschen. Stadtpräsidentin Jolanda Urech und ihre Ratskollegen hörten nur zu, Mitarbeiter der Stadt standen an den Tischen für Fragen zur Verfügung, mischten sich aber in die Diskussion nicht ein. Walter Vogt hielt die Fäden zusammen.

Weitere Treffen mit Spaghetti

Lösungen wurden nicht gefunden, und trotzdem ging man nach den zweieinhalb Stunden zufrieden auseinander. Die Bewohner, die in ihrer Nachtruhe gestört werden, treffen sich wieder, ausserhalb des Altstadtbewohnervereins und auch mit Leuten, die Lärm in die Altstadt tragen. Eine andere Gruppe will das Image der «belebten Altstadt» mit einer Kampagne aufpolieren. Den Themenlead hatte an diesem Tisch Gastronom Alex Crivaro, der Ende Jahr auch die Pacht der «Krone» übernommen hat. Jene Personen, die ihre Aufmerksamkeit dem Angebotsmix in der Altstadt schenken wollen, haben die Adressen ausgetauscht und wollen sich wieder treffen. Die paar Leute, die sich um die Identität der Altstadt sorgen, treffen sich zu einem weiteren Gedankenaustausch bei Spaghetti.

Drei Problemfelder brennen den Teilnehmern am stärksten unter den Nägeln: Der Busverkehr, den Fotograf und Altstadtbewohner Werner Erne aus den Gassen verbannen will, der ebenfalls bereits erwähnte Konfliktherd Jugend und Party sowie der Angebotsmix, dem sich Fredi Müller vom «Notenschlüssel» mit weiteren Interessierten annehmen will.

Diese drei Gruppen dürfen von der Stadt administrative und organisatorische Unterstützung beanspruchen. Andreas Burri (Angebotsmix), Marco Salvini (Jugend) und Marco Caprese (Busverkehr) stellen ihnen acht Stunden ihrer Arbeitszeit und ihr Know-how zur Verfügung. «Die Stadt will ein verlässlicher Partner sein», sagte Stadtpräsidentin Urech. «Die Wahrnehmungen und Meinungen sind verschieden. In welche Richtungen Lösungen gefunden werden können, liegt nicht in jedem Fall auf der Hand.»

Oft sei schon ein wichtiger Schritt, dass die Nutzer der Altstadt sich zusammenfänden. Ob sich daraus Problemlösungen ergeben? Gemeinsame Absichten finden, Abmachungen treffen, das Gespräch suchen, Bürgerinitiativen entwickeln, lobbyieren, eine Partei gründen – die Wege, die Urech aufzeigte, sind so vielfältig wie die Probleme.

Und im Einzelfall bestehe, so Urech, die Lösung wohl auch darin, dass man sich mit der Realität abfindet, sich mit dem Faktischen versöhnt und seine eigene Einstellung ändert.

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