Analyse
Wer kann den Niedergang des FC Aarau noch stoppen?

Der FC Aarau befindet sich in einer der grössten sportlichen Krisen in seiner 109-jährigen Vereinsgeschichte. Doch wer kann den Niedergang noch stoppen? Auf die Schnelle einen neuen Trainer zu finden, dürfte sich schwierig gestalten.

Ruedi Kuhn
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Für den FC Aarau wird es ein harter Kampf ums Überleben im Schweizer Spitzenfussball. Archiv/AWA

Für den FC Aarau wird es ein harter Kampf ums Überleben im Schweizer Spitzenfussball. Archiv/AWA

Aargauer Zeitung

Die Verantwortlichen des FC Aarau hatten mit der Wahl ihrer Trainer zuletzt kein glückliches Händchen. Nach der erfolgreichen Ära mit Ryszard Komornicki führten in den vergangenen zwei Jahren drei Traumtänzer das Zepter.

Charmeur Jeff Saibene wollte es allen recht machen, buhlte um die Gunst von Journalisten und stand sich damit selbst im Weg. Chefanalytiker, Papiertiger und Hobbyfotograf Martin Andermatt sass Tag und Nacht vor dem Computer und redete die Spieler mit seinen Weisheiten schier schwindelig. Und der stets nette und smarte Ranko Jakovljevic ist und bleibt wohl Zeit seines Lebens ein Ausbildner.

Image des Juniorentrainers nie abgelegt

Während seiner Tätigkeit bei Aarau konnte er das Image des Juniorentrainers jedenfalls nie ablegen. Berufsfussballer sind nun mal von anderem Kaliber als kleine Buben. Logisch also, dass viele Spieler Jakovljevic auf der Nase herum tanzten, ihn zuletzt sogar als Alibi für die schlechten Leistungen nahmen und damit das Wesentliche aus den Augen verloren: Den sportlichen Erfolg nämlich.

Die Entlassung von Jakovljevic in der Nacht von Samstag auf Sonntag war überfällig. Nach neun sieglosen Spielen und dem Gewinn von nur zwei Punkten hätte die FCA-Führungsetage den Serben aus Bosnien bereits in der Winterpause freistellen müssen. Weil man die Vergangenheit nicht beeinflussen kann, muss man nach vorne schauen.

Zweiter Abstieg in Folge droht

Acht Runden vor Schluss der Saison droht dem FC Aarau der zweite Abstieg in Folge. Die Relegation in die 1. Liga wäre in sportlicher und finanzieller Hinsicht der Untergang. Und das Projekt mit dem neuen Stadion im Torfeld Süd müsste begraben werden, bevor der Spatenstich über die Bühne gegangen ist. All das muss verhindert werden.

Kurzfristig steht deshalb einzig und allein der Ligaerhalt im Brennpunkt des Geschehens. Ein Sieg im Auswärtsspiel vom Mittwoch in Locarno wäre ein erster Befreiungsschlag. Die Betonung liegt auf wäre.

Wer stoppt den Niedergang?

Wer ersetzt nun aber Jakovljevic? Wer stoppt den sportlichen Niedergang? Thomas Binggeli ist nicht mehr als eine Notlösung. Der Neue darf weder nach links noch nach rechts schauen. Er muss ein sturer ‹Hund›, ein Schlitzohr sein. Und er muss es innert kürzester Zeit schaffen, bei den Spielern ein Feuer zu entfachen.

Auf die Schnelle den richtigen Mann zu finden ist schwierig. Umso mehr, als dass Trainer wie Marcel Koller, Christian Gross und Hanspeter Latour ausserhalb der finanziellen Reichweite sind. Eine Kombination mit Komornicki als Trainer und Petar Aleksandrov als Teammanager wäre eine gute, wenn auch äusserst brisante Variante gewesen. Komornicki aber hat abgesagt. Wie wäre es mit Raimondo Ponte als Coach und René Weiler als Sportchef.

Ein neuer Trainer reicht nicht

Langfristig ist es für den FC Aarau mit einem neuen Trainer aber nicht getan. Langfristig muss alles, wirklich alles hinterfragt werden. Die Fans forderten in Wil auf einem Transparent einen Frühlingsputz. Gut gebrüllt, aber schlecht randaliert: Die Tumulte nach dem 0:1 waren blöd. Mit Gewalt hat noch niemand etwas Positives erreicht. Sei's drum; die Aarauer brauchen an der Spitze einen Mann mit Führungsqualität und Sachverstand.

Es braucht einen Macher, einen Geschäftsführer. Einen Mann, der im Brügglifeld das Zepter schwingt und die Fäden zusammenhält. Will der FCA den angestrebten Platz in den Top 20 des Schweizer Fussballs schaffen, reicht es nicht, wenn der Verwaltungsrat nur verwaltet. Die VR-Mitglieder müssen agieren. Sofort. Nicht mit Worten. Mit Taten.

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